Mo, 11. Dezember 2017

Kampf ums Geld

14.10.2016 09:34

ATV-Chef schlägt Werbeverbot für ORF ab 20 Uhr vor

ATV-Geschäftsführer Martin Gastinger schlägt im Zusammenhang mit den jüngsten Diskussionen um eine Erhöhung der ORF-Programmentgelte und Rundfunkgebühren ein Werbeverbot für den ORF nach 20 Uhr vor. Privatsendern würde er damit bei deren Haupteinnahmequelle weniger Konkurrenz machen, der ORF würde laut Gastinger dafür von weniger Quotendruck profitieren.

Der Verband Österreichischer Privatsender (VÖP), dem ATV seit 2014 nicht mehr angehört, hatte zuvor eine Reduktion der ORF-Gebühren gefordert. Gastinger entgegnet: "Wir von ATV haben im Gegensatz zum VÖP nichts dagegen, dass der ORF ausreichend Gebühren bekommt."

Laut Gastinger sollte die Politik vielmehr darauf achten, "dass der ORF den Privatsendern bei deren Haupteinnahmequelle, also dem Werbegeschäft, künftig nicht noch größere Konkurrenz macht". Gastinger schlägt deshalb so wie in Deutschland ein Werbeverbot nach 20 Uhr für den öffentlich-rechtlichen ORF vor. Das würde den ORF auch "in Sachen Quotendruck zur Primetime entlasten", meinte der ATV-Chef.

Deutsche Sender mit "Etikettenschwindel"
"Mittelfristig muss eine Werbelimitierung kommen, denn der ORF kann nicht sowohl gebührenfinanziert sein als auch jeden privatwirtschaftlichen Vorteil für sich in Anspruch nehmen." Zugleich machte Gastinger gegen private Werbefenster mobil. Der ATV-Chef fordert eine Abgabe für deutsche Sender: "Eine Abgabe auf die Werbegelder von Fenstersendern ohne Wertschöpfung soll eingehoben und umgehend auf all jene Medien verteilt werden, die Wertschöpfung in Österreich generieren, Sendungen produzieren und Journalisten beschäftigen."

Im Interview mit der Branchenzeitschrift "medianet" übte Gastinger heftige Kritik an den Werbefenster-Betreibern. Insgesamt gingen 60 Prozent der österreichischen Werbespendings nach Deutschland. Hauptnutznießer seien der RTL-Werbezeitenvermarkter IP sowie der ProSiebenSat.1-Puls 4-Vermarkter SevenOne. Mit Sendern wie Kabel Eins Austria oder Sixx Austria würde "Etikettenschwindel" betrieben. "Ich darf auch nicht auf ungarisches Fleisch einfach österreichisches Fleisch draufschreiben. Das Ganze ist aus meiner Sicht ein Thema für die Bundeswettbewerbsbehörde", kritisierte Gastinger.

"Geht man davon aus, dass es um zirka eine Milliarde Euro geht - 600 Millionen Werbung bei Privatsendern plus je zirka 150 Millionen bei Google und Facebook -, wären fünf Prozent Abgabe kein schlechter Anfang. Die Politik muss dringend etwas unternehmen, das duale System ist in wirklicher Gefahr", erklärte Gastinger gegenüber "medianet". Im VÖP sieht Gastinger keinen Partner. "Der VÖP ist eine Witzveranstaltung deutscher Sender, die sich österreichisch nennen. Das einzig österreichische am VÖP sind die Radiosender."

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden