Sa, 18. November 2017

„Mutter des Teufels“

11.10.2016 11:35

Chemnitz-Sprengstoff auch bei Paris-Terror genutzt

Die islamistischen Attentäter von Paris und Brüssel haben die "Mutter des Teufels" verwendet, und auch der in Sachsen gefasste Syrer Jaber al-Bakr soll damit einen Bombenanschlag geplant haben: Der Sprengstoff TATP ist eine der bevorzugten Waffen von Dschihadisten. Er ist hochexplosiv und lässt sich mit herkömmlichen Sprengstoffdetektoren nicht orten. Auch Spürhunde tun sich beim Erschnüffeln von TATP schwer.

Das weiße Pulver - mit vollem Namen Triacetontriperoxid - ist vergleichsweise einfach herzustellen und hat eine tödliche Sprengkraft. Die Bestandteile können im Handel frei erworben werden: Schwefelsäure, die sich etwa in Abflussreinigern findet, Wasserstoffperoxid (in Bleichmitteln) und das Lösungsmittel Aceton (in Nagellackentfernern). Der Stoff ist sehr instabil und explodiert deswegen sehr leicht, mit einem einfachen Zünder kann er zur Detonation gebracht werden.

TATP bei Terror in London, Paris und Brüssel eingesetzt
Der Ende des 19. Jahrhunderts von dem Berliner Chemiker Richard Wolffenstein zufällig entdeckte Sprengstoff TATP wurde bei einer Reihe von Anschlägen oder Anschlagsversuchen verwendet. Der sogenannte Schuhbomber Richard Reid wollte damit 2001 eine Boeing 767 in die Luft sprengen, mit TATP ausgestattete Selbstmordattentäter töteten 2005 in London 56 Menschen.

Auch die Paris-Attentäter trugen am 13. November 2015 bei ihrem Massaker mit insgesamt 130 Toten Sprengstoffgürtel mit der Substanz. Und bei den Selbstmordanschlägen von Brüssel im Mai 2016 rissen die drei mit TATP ausgerüsteten Attentäter 32 Menschen mit in den Tod. In Syrien und im Irak verwendet der IS den Sprengstoff regelmäßig.

Enorme Druckwelle, aber wenig Hitze
Seinen Spitznamen "Mutter des Teufels" verdankt TATP vor allem seiner Instabilität: Denn schon eine geringe Wärmeentwicklung, wie sie etwa beim Drehen einer Schraube entsteht, bringt das Gemisch zur Explosion. Seine tödliche Wirkung behält das weiße Pulver übrigens auch, wenn es nass wird. Explodiert TATP, kommt es zu einer enormen Druckwelle, nicht aber zu großer Hitzeentwicklung.

TATP lässt sich mit herkömmlichen, auf Nitroverbindungen ausgerichteten Sprengstoffdetektoren nicht orten. Auch Spürhunde stoßen an ihre Grenzen, da oftmals normale Haushaltsreiniger zur Herstellung verwendet werden und die Hunde die unbekannten Substanzen nicht als Sprengstoff melden.

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