Mi, 22. November 2017

Klinik muss haften

11.10.2016 07:13

Fall Nadina: Eltern erhalten weitere 567.000 Euro

Es begann mit einer harmlosen Leisten-OP und endete in einer Tragödie. Die kleine Nadina (8) ist seit Jänner 2008 ein schwerer Pflegefall. Die Ärzte wurden zwar freigesprochen, doch nun steht fest: Die Klinik Innsbruck haftet - und zwar mit einer der höchsten Schadenersatzsummen, die in Österreich je zugesprochen wurden!

Mit knapp eineinhalb Monaten erlitt Nadina Strobl einen Leistenbruch, der von den Ärzten an der Innsbrucker Klinik operativ behoben wurde. Eine Operation, die eigentlich unkompliziert ist - jedoch nicht im Fall der mittlerweile Achtjährigen.

Es kam zu schweren Komplikationen, die kleine Patientin trug einen massiven Gehirnschaden davon. Seither kann Nadina nicht gehen, frei sitzen oder zielgerichtet handeln. Sie kann nicht sprechen, nicht bildlich wahrnehmen, ihre Motorik ist beeinträchtigt und sie leidet unter epileptischen Anfällen. Sie wird ihr Leben lang pflegebedürftig bleiben.

Klinik haftet für Umstände der Tragödie
Etliche Jahre hat die Klinik jegliches Fehlverhalten bestritten, die Eltern ständig vertröstet und mit Ausreden sowie lückenhaften Gutachten abgespeist. Doch damit ist nun endgültig Schluss: Die Klinik haftet für die Umstände dieser Tragödie und muss der Familie zu den bereits geleisteten 120.000 Euro weitere 567.000 Euro überweisen. Hinzu kommen 79.000 Euro Zinsen sowie Verfahrenskosten im Ausmaß von 88.000 Euro. "Es handelt sich hierbei um eine der höchsten Schadenersatzsummen, die in Österreich je zugesprochen wurden", verdeutlicht Thomas Juen, Rechtsanwalt der Familie.

Auch die Zukunft der achtjährigen Nadina ist nun gesichert. "Die Klinik Innsbruck muss über den nun zugesprochenen Betrag hinaus ab sofort auch für alle zukünftigen Schäden aus der folgenschweren Operation einstehen", klärt Juen auf.

"Endlich hat jemand Verantwortung übernommen"
Die Eltern der kleinen Nadina sind erleichtert: "Es hat nun endlich jemand die Verantwortung für das Leid unseres Kindes übernommen." Die AK Tirol hat der Familie seit 2010 Rechtsschutz gewährt. "Dadurch konnten wir den Eltern die Last sowie das finanzielle Risiko eines Zivilstreites gegen einen übermächtigen Gegner abnehmen", findet Präsident Erwin Zangerl klare Worte.

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