Fr, 17. November 2017

Längs statt quer

10.10.2016 17:00

Karibische Bakterien teilen sich andersrum

Im Lehrbuch teilen sich Stäbchenbakterien stets quer durch die Mitte, indem sie gleichmäßig von einer ringförmigen Struktur eingeschnürt werden. Doch die Natur kann mehr als im Lehrbuch steht, wie  Wiener Forscher feststellen mussten. Sie haben bei Mikroben aus der Karibik eine andere Teilung gefunden: Diese spalten sich längs und ihr Einschnür-Ring ist auf Fragmente reduziert.

Diese schmalen, stäbchenförmigen Bakterien leben symbiontisch auf Würmern, sie bedecken deren Oberfläche wie Stacheln einen Igel. Bevor sie sich teilen, wachsen sie zunächst etwas in die Breite, fanden die Forscher heraus. Dann entsteht eine Einschnürung auf jener Längsseite, die den Wirt berührt, und wenig später auf der nach außen stehenden, berichten die Wissenschaftler im Fachjournal "Nature Microbiology".

"Wir vermuten, dass diese Art der Teilung sich entwickelt hat, um beiden Tochterzellen eine feste Bindung zum Wurm zu ermöglichen, so Silvia Bulgheresi vom Department für Ökogenomik und Systembiologie der Universität Wien. Denn wenn die Bakterien quer abgeschnürt würden, bliebe nur eine der beiden Tochterzellen am Wirt verankert. Die andere würde höchstwahrscheinlich in die endlosen Weiten des Ozeans gespült, wo sie kaum jemals wieder auf einen gleichartigen Wurm treffen könnte.

Ungewöhnlich ist auch, dass bei den Wurmsymbionten der Karibik nicht ein durchgehender Ring des Zellteilungsproteins "FtsZ" (Z-Ring) für das Abschnüren der Tochterzellen sorgt, wie es bei allen bisher untersuchten Bakterienzellen der Fall war. Bei ihnen gibt es FtsZ nur fragmenthaft an den jeweiligen Teilungsstellen, berichten die Wissenschafter.

Weil diese Mikroben nicht im Labor für eine "Reinkultur" gezüchtet werden können, haben sie auch noch keinen echten Namen bekommen, erklärte Bulgheresi. Sie müssen vorerst mit der unpersönlichen Bezeichnung "Symbiont des Fadenwurms Robbea hypermnestra" vorlieb nehmen.

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