Mo, 20. November 2017

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08.10.2016 16:59

Wiener Polizist plante den perfekten Doppelmord

Sein Blick ist starr, er wirkt apathisch. "Es ist ohnehin alles aus", sagt Daniel L. immer wieder. Die Gräueltat an seiner schwangeren Freundin und seinem kleinen Sohn hat der junge Polizist bereits gestanden. Und laufend werden mehr mögliche Hintergründe dazu bekannt. Der 23-Jährige dürfte mit seinem Leben als Familienvater überfordert gewesen sein und in der Folge begonnen haben, ein "perfektes Verbrechen" zu planen.

Daniel L. - niemand aus seinem Umfeld kann sein schreckliches Handeln verstehen. Immer hatte er doch als "nett, ruhig, fleißig" gegolten. Über sich selbst hätte er nur wenig gesprochen, von klein an. Wurde er nach seinem Befinden gefragt, gab er jedes Mal dieselbe Antwort: "Alles ist okay." Doch schon lange dürfte in seinem Leben nicht "alles okay" gewesen sein.

Claudia K. - der junge, im Kontakt mit Frauen eher schüchterne Mann lernte die um eineinhalb Jahre ältere Frau Anfang 2014 kennen, über ein Internet-Dating-Portal. Damals ging der Steirer in Krumpendorf am Wörthersee in Kärnten in die Polizeischule, die Frau wohnte noch bei ihren Eltern, in Haidach bei Klagenfurt. Ein paar Treffen. "Schnell", berichtet eine Freundin des Paars, "wurde Claudia schwanger."

"Wir werden schon alles gut hinkriegen"
Noah kam am 8. Jänner 2015 zur Welt. Knapp einen Monat später fing Daniel L. in einer Polizeistation in Wien-Margareten zu arbeiten an, wenig später bezog er mit seiner Familie eine 50-Quadratmeter-Gemeindewohnung in der Nähe des Wachzimmers. "Er wirkte verschlossen, sie freundlich", erzählen Nachbarn: "Streiten hörten wir die beiden nie." Aber der Bub, er habe "ständig geschrien". Im Frühjahr wurde Claudia K. abermals schwanger. "Wir werden schon alles gut hinkriegen", sagte Daniel L.

Was in seinem Innersten vorgegangen ist, das werden nun Psychiater zu klären haben. Fest steht: Am 1. Oktober versah er bis abends Dienst, packte dann heimlich seine Glock-Pistole in einen Rucksack. Vermutlich in der Nacht auf den 3. Oktober dürfte er seine Freundin und den kleinen Noah erschossen haben - im Bett.

Danach reinigte er die Wohnung, verpackte die Leichen in eine Reisetasche und einen Trolley, verstaute sie in seinem Renault. Am 4. Oktober erstattete er bei seinen Kollegen eine Vermisstenanzeige: "Claudia ist seit gestern mit dem Buben weg, sie hat Gewand mitgenommen." In der Folge fuhr der Polizist in seinen Heimatort Trofaiach, Steiermark, versteckte die Toten unter einem Komposthaufen, quartierte sich in seinem Elternhaus ein. Bei telefonischen Befragungen zu dem Abgängigkeitsfall gab er sich uninteressiert.

"Ja, ich habe Claudia und Noah umgebracht"
Letztlich wurde bekannt, dass bereits am 3. Oktober die Polizei in seinem Wohnhaus gewesen war, wegen mysteriöser Blutspuren am Gang. Da gab es allerdings noch keine Vermisstenanzeige. Am 6. Oktober untersuchte die Kripo den Tatort - und fand Blut. Tags darauf konfrontierten ihn die Ermittler mit dem Beweismaterial. "Ja, ich habe Claudia und Noah umgebracht", sagte Daniel L. und führte sie zu den Leichen: "Aber mehr erfahrt ihr von mir vorerst nicht."

Wenn Polizisten zu Mördern werden
Schon des Öfteren sind in Österreich Polizisten zu Killern geworden. Acht Kilogramm Gold wurden Erika H. im März 2012 zum tödlichen Verhängnis. Der 51-jährige Tiroler Polizist Heinz S. tötete die Filialleiterin einer Bank aus Geldgier, wurde zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt und erhängte sich schließlich in der Zelle.

Doch die meisten Fälle gelten als klassische Beziehungstaten: So töteten in den 1990er-Jahren zwei Gendarmen ihre Frauen aus krankhafter Eifersucht. 2009 lief ein Kärntner Polizist in St. Veit Amok, tötete den Sohn (17) seiner Ex-Geliebten und beging Selbstmord. 2010 erschoss ein Kärntner den neuen Freund seiner großen Liebe und wählte den Freitod.

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