Mo, 20. November 2017

Haiti: Hunderte Tote

07.10.2016 18:52

3 Mio. US-Bürger auf der Flucht vor Mega-Hurrikan

Hunderte Tote in Haiti, Ausnahmezustand im Südosten der USA: Hurrikan "Matthew" hat eine Spur der Verwüstung durch die Karibik gezogen und wütet nun auch an der US-Küste. Die Behörden gaben am Freitag eine Hurrikan-Warnung für ein Gebiet mit rund zwölf Millionen Einwohnern und Evakuierungsbefehle für etwa drei Millionen US-Bürger aus. Im Karibikstaat Haiti sind laut offiziellen Angaben wegen des Mega-Hurrikans über 840 Menschen ums Leben gekommen.

Im Tagesverlauf bewegte sich "Matthew" langsam entlang der Küste Floridas nordwärts. Welchen Verlauf der Sturm genau nimmt und vor allem, ob er ins US-Hinterland dreht, ist nach Angaben der US-Behörden noch unklar. Das Nationale Hurrikanzentrum in Miami erklärte, das Auge des Sturms werde in der Nacht auf Samstag "entlang oder über die Küste Floridas" ziehen und dann weiter entlang der Küste in Richtung Norden nach Georgia und South Carolina.

Der Wirbelsturm sei als Hurrikan der Kategorie 3 mit maximalen Windgeschwindigkeiten von 195 Stundenkilometern unterwegs, teilte das US-Hurrikan-Center in Miami mit, das von einem "extrem gefährlichen Sturm" sprach. Floridas Gouverneur Rick Scott aktivierte deshalb 2500 Nationalgardisten. "Wir bereiten uns auf das Schlimmste vor", sagte er. Seinen Angaben zufolge waren am Freitag 600.000 Haushalte ohne Strom.

Südosten der USA drohen massive Schäden
Trotz der leichten Abschwächung drohten dem Südosten der USA massive Schäden. In Florida und in den angrenzenden Bundesstaaten brachten sich Millionen Menschen in Sicherheit. Allein die Regierung in South Carolina ordnete die Evakuierung von mehr als einer Million Bürgern an - die größte Zwangsevakuierung seit dem schweren Sturm "Sandy" im US-Osten im Jahr 2012. Georgias Gouverneur Nathan Deal ordnete für sechs Bezirke an der Küste Evakuierungen an.

Schäden am NASA-Weltraumbahnhof
Ausläufer von "Matthew" zogen am Freitag auch den NASA-Weltraumbahnhof in Cape Canaveral in Florida in Mitleidenschaft. Nach ersten Erkenntnissen seien die Dächer mehrerer Gebäude am Kennedy Space Center beschädigt, Strom- und Wasserversorgung wurden unterbrochen, erklärte NASA-Sprecher Brian Dunbar.

Auf dem Gelände des Kennedy Space Center befinden sich Raketen, Raumfähren und Ausrüstungsgegenstände des US-Raumfahrtprogramms sowie von privaten Raumfahrtunternehmen wie SpaceX. Eine Rumpfmannschaft von 116 Mitarbeitern sollte während des Wirbelsturms auf dem Gelände ausharren, um im Notfall eingreifen zu können.

Verkehrschaos, Supermärkte leergekauft
"Matthew" hatte am Donnerstag wieder an Stärke gewonnen und steuerte Florida als Hurrikan der zweitstärksten Kategorie 4 an - mit Windgeschwindigkeiten von mehr als 220 Stundenkilometern. In Florida, Georgia, North Carolina und South Carolina waren die Straßen verstopft und Tankstellen und Supermärkte leergekauft.

Gouverneur: "Bringt euch in Sicherheit"
Experten nannten "Matthew" den möglicherweise gefährlichsten Sturm seit "Andrew", der vor 24 Jahren Florida getroffen hatte. Er richtete damals schwere Verwüstungen an und riss 65 Menschen in den Tod. "Bringt euch in Sicherheit, dies ist eure letzte Chance. Bleibt weg von den Stränden. Der Sturm wird euch töten", appellierte Gouverneur Scott an die Küstenbewohner. Erwartet würden schwerste Sturmfluten, Überschwemmungen, Zerstörungen, heftiger Regen und Stromausfälle in Hunderttausenden Haushalten.

US-Behördenvertreter zeigten sich besorgt darüber, dass nicht genügend Bewohner die Evakuierungsbefehle befolgten. Die Feuerwehr in St. Augustine in Florida warnte auf Facebook mit eindringlichen Worten vor den Gefahren durch den Hurrikan. Wer bleibe, tue dies auf eigenes Risiko und sei auf sich allein gestellt. In Daytona Beach wurde für die Bewohner, die ihre Stadt nicht verlassen wollten, eine eintägige Ausgangssperre verhängt.

Über 1500 Flüge gestrichen
Bereits am Donnerstagmorgen waren mehr als 1500 Flüge in den US-Südosten vorsorglich gestrichen worden. Der Flughafen Fort Lauderdale in Florida wurde geschlossen. Die Eisenbahngesellschaft Amtrak stellte den Verkehr in die bedrohten Gebiete ein. An vielen Tankstellen bildeten sich lange Warteschlangen, in den Geschäften gab es einen Ansturm auf Notvorräte. Taschenlampen und Generatoren waren vielerorts ausverkauft. Der Weltraumbahnhof der NASA wurde geschlossen, Mitarbeiter trafen letzte Sicherheitsvorkehrungen. Auch die Themenparks Disney World, Seaworld und Universal Studios in Orlando machten zu.

In der Nacht auf Donnerstag war "Matthew" mit Windgeschwindigkeiten von 185 Stundenkilometern über die Bahamas gezogen. Berichte über schwerere Zerstörungen gab es zunächst nicht.

Hunderte Tote in Haiti
Zuvor hatte er vor allem in Haiti schwere Überschwemmungen und Verwüstungen angerichtet. Allein dort starben nach jüngsten Medienberichten über 840 Menschen. Mehr als 28.000 Häuser seien zerstört, dabei seien die Schäden noch längst nicht im ganzen Land erfasst. Auch Teile der Hauptstadt Port-au-Prince wurden überflutet. Im Slum Cité Soleil seien die Abwasserkanäle übergelaufen und viele behelfsmäßige Hütten weggespült worden, hieß es.

In der Dominikanischen Republik kamen vier Menschen ums Leben, 54 Dörfer wurden von der Außenwelt abgeschnitten.

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