Do, 23. November 2017

Skurriles China

06.10.2016 10:49

Unpatriotisch: Wer ein iPhone kauft, wird gefeuert

Dass Apples iPhone nicht von hochbezahlten Arbeitern in den USA, sondern in Elektronik-Sweatshops in China gebaut wird, ist hinlänglich bekannt. Das hindert chinesische Firmen aber nicht daran, ein iPhone-Verbot über ihre Mitarbeiter zu verhängen. Wer das "unpatriotische" Smartphone kauft, wird gefeuert.

Mehrere Firmen in China haben einem Bericht der britischen BBC zufolge ein iPhone-Verbot über ihre Mitarbeiter verhängt. Die Gründe sind unterschiedlich, in vielen Fällen geht es um Nationalismus. Das iPhone - vom taiwanesischen Foxconn-Konzern in China gefertigt - sei unpatriotisch, so der Vorwurf. Deshalb hat unter anderem die Medizinfirma Nanyang Yongkang in der Provinz Henan eine Notiz an die Mitarbeiter verteilt, in der ihnen die Firmenspitze den Kauf eines iPhone verbietet. "Wenn Sie diese Regel brechen, können Sie gleich ins Büro kommen und Ihre Kündigung einreichen", droht man ihnen.

iPhone-Verbot als Rache der Nationalisten
Interessanterweise kam die Notiz zeitgleich mit dem 85. Jahrestag des Einmarschs Japans in China im September 1931. Wenige wissen: China hatte im Kampf gegen Japan mit 15 bis 20 Millionen Toten hinter der Sowjetunion die zweithöchste Opferzahl im Zweiten Weltkrieg zu beklagen, manche Chinesen sehen die japanische Besatzung heute noch als nationale Schmach. So offenbar auch die Unternehmensführung, die in der Notiz erklärt: "Vergessen Sie nicht die nationale Demütigung und lassen Sie uns fremde Produkte boykottieren."

iPhone-Verbot wird online kontrovers diskutiert
Bedenkt man, dass viele dieser "fremden Produkte" zu geringen Kosten in China gefertigt werden, ist der Ansatz der Firmen eher skurril. Das wissen auch die Chinesen, die in sozialen Medien wie Weibo kontrovers über das iPhone-Verbot diskutieren. "Wie können Sie das im Namen des Patriotismus tun?", fragt ein Weibo-User. Boykottiere man das iPhone, sabotiere man damit Foxconn-Fabriken in China. "Die Fabriken könnten bankrottgehen, Tausende wären arbeitslos. Und da sind die Verluste der Zulieferer noch gar nicht eingerechnet", warnt ein anderer User.

Chefs geht es um "Wohlergehen" ihrer Arbeiter
Freilich: Den Firmenchefs, die ihren Arbeitern das iPhone verbieten, geht es nicht nur um blanken Nationalismus. Einige wollen ihre Mitarbeiter mit dem iPhone-Verbot auch schützen - etwa die Betreiber eines Krankenhauses in der 30-Millionen-Stadt Chongqing. Der Spitalsmanager erklärt, ihm gehe es nicht darum, woher das iPhone komme, sondern darum, was es mit seinen Mitarbeitern mache. "Die Leute kaufen teure iPhones, die sie sich gar nicht leisten können. Manche nehmen Kredite bei Banken, Familie oder Freunden auf oder verkaufen sogar ihre Organe, um sich ein iPhone zu kaufen. Ich will nicht, dass meine Mitarbeiter solche Dinge tun."

Auch der Inselstreit dient Firmenchefs als Grund
Mit dieser Motivation scheint der Krankenhaus-Manager aber relativ allein zu sein, die meisten Chefs, die ein iPhone-Verbot verhängen, tun dies aus nationalistischen Motiven - und zwar nicht nur wegen historischer Konflikte, sondern auch wegen ganz aktueller. Im südchinesischen Meer beispielsweise erhebt China Anspruch auf eine Reihe von Inseln, die deutlich näher an den Philippinen und Vietnam liegen, als am chinesischen Festland.

Ein internationales Tribunal hat die Inseln deshalb auch den Anrainern zugesprochen - sehr zum Missfallen Chinas. Einzelne Unternehmer bringen auch hier ihren Unmut mit dem Boykott ausländischer Produkte zum Ausdruck. Und auch, wenn das iPhone in chinesischen Hardware-Sweatshops gefertigt wird: Für viele Chinesen ist das Apple-Handy eine Art Sinnbild ausländischer Produkte.

Apple selbst lässt sich davon freilich nicht beirren. Der iPhone-Konzern verstärkt sein Engagement in China, dem größten Markt der Erde, seit Jahren und will demnächst ein 45-Millionen-Dollar-Forschungszentrum in Peking eröffnen.

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