Fr, 15. Dezember 2017

Stadthalle live

05.10.2016 10:19

Italo-Reibeisenstimme Zucchero faszinierte in Wien

Jemand, der als Adelmo Fornaciari geboren wurde, darf auch ein Stadthallen-Konzert mit einem Poem ("La Solitudine") eröffnen - und jemand, der als Italo-Rocker Zucchero berühmt geworden ist, darf es gleich darauf mit "Partigiano reggiano" als Opener richtig krachen lassen. Zucchero auf "Black Cat"-Tour: Das ist live wohl der allerbeste Zucchero in der langen Karriere des 61-Jährigen.

Mit dem neuen Album "Black Cat" hat sich der Italiener der musikalischen Wurzeln von Rhythm and Blues in den US-Südstaaten besonnen. Auf der Bühne bilden die neuen Songs "Chapter One" des zweieinhalbstündigen Auftritts. Und da sind gleich einige einprägsame Stücke dabei, etwa das soulige "Ten More Days" oder "Hey Lord" mit einem Gospel-Intro und "L'anno dell' amore", bei dem die britische Keyboard-Legende Brian Auger - mittlerweile frische 77 - hemmungslos auf der Hammon-Orgel groovt.

Bunter Karrierequerschnitt
"Für 'Chapter Two' gehen wir jetzt weit zurück", kündigte Zucchero danach lächelnd an - und bot einen Querschnitt aus den Jahrzehnten seiner Karriere, das meiste davon aber deutlich aufgepeppt und rockiger. So messerscharf hat man etwa "Baila (Sexy Thing)" wohl überhaupt noch nie gehört. In Wien verzichtete Zucchero - anders als bei seinen elf (!) En-Suite-Konzerten in der Arena di Verona in den vergangenen Tagen - auf ein Akustik-Solo-Set. Dafür schenke er den rund 6.000 Fans in der bestuhlten Stadthalle - die es da ohnedies nicht mehr auf den Sesseln hielt - seinen Super-Hit "Senza una donna", dem CCR-Cover "As Long As I Can See The Light" und Luciano Pavarotti, der mit Stimme und Video bei "Miserere" eingespielt wurde.

Großen Anteil an diesem druckvollen Zucchero, dessen Songs jetzt wirklich wie ein mächtiges Soundgewitter auf das Publikum niederdonnern, hat seine neue Live-Band ("die beste, die ich je hatte"). Neben Tasten-Künstler Brian Auger sind da Musikerinnen und Musiker dabei, die gehörig für Power sorgen: etwa Prince-Schlagzeugerin Queen Cora Dunham, Gitarristin Kat Dyson (als Mitglieder der New Power Generation ebenfalls mit Prince-Vergangenheit), zwei Bläser aus Kuba und nicht zuletzt die in jeder Hinsicht gewichtige Background-Sängerin Tonya Boyd Cannon aus News Orleans.

Noch 3x in Österreich
"Chapter Three" war dann ein einziger Triumphzug, eigentlich ein riesiges Zugaben-Set, gekrönt vom köstlich-fetzigen "Diavolo In Me" in der englischen Version - ein beinahe apokalyptischer Gospelsong, der inhaltlich aber eher nicht für die Kirche geeignet ist. Ganz zum Schluss gab's dann noch die stimmungsvolle Korgis-Ballade "Everybody's Got To Learn Sometimes" in bester Joe Cocker-Manier. Fazit des Abends für die drei noch ausstehenden Termine der Österreich-Tour: Hingehen!

Zucchero spielt heute, 5. Oktober, in der Olympiahalle in Innsbruck, am 7. Oktober in der Salzburgarena und am 9. Oktober in der Grazer Stadthalle. Karten für die Konzerte erhalten Sie unter www.musicticket.at.

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