Mi, 18. Oktober 2017

"Krone"-Ombudsfrau

05.10.2016 09:22

Kein Parkpickerl für niedergelassene Ärzte in Wien

Lieselotte Messner-Seitz ist Kinderärztin in Wien. Sie bezeichnet sich selbst als Dinosaurier, weil sie noch regelmäßig Hausbesuche macht. Dafür braucht sie ihr Auto. Da fängt das Problem an. Niedergelassene Ärzte erhalten kein Parkpickerl. Die Stadt schlägt vor: Garage mieten oder Parkscheine ausfüllen...

Im 18. Bezirk, wo die engagierte Medizinerin ihre Praxis hat, gilt seit Anfang September das Parkpickerl. Lieselotte Messner-Seitz hätte der Stadt gerne ein Pickerl abgekauft. Doch das wird ihr, wie ihren anderen niedergelassenen Kollegen, verwehrt. Um ein Parkpickerl zu bekommen, muss man im Bezirk wohnen. Arbeiten allein gilt nicht. "Geraten hat man mir, ich soll eine Garage mieten. Die sind in Wien-Währing aber extrem selten und auch sehr teuer. Als Kassenarzt mit ständig stagnierenden Honoraren ist das nicht leistbar", so die Ärztin. Und das "Arzt im Dienst"-Schild darf man freilich nur im Notfall verwenden!

Im Büro der zuständigen Stadträtin Maria Vassilakou hat man für die Sorgen der niedergelassenen Ärzte wie Lieselotte Messner-Seitz wenig Verständnis. Diese seien nämlich von der zeitlichen Beschränkung in Kurzparkzonen ohnehin ausgenommen, wenn zu ihren Tätigkeiten die Vornahme von Hausbesuchen zählt. Soll heißen: Sie dürfen während ihrer Ordinationszeiten zuzüglich je einer Stunde Vor- und Nachlaufzeit parken und dafür Parkgebühr bezahlen. Als "Normalparker" darf man je nachdem höchstens drei Stunden stehen bleiben.

Frau Doktor Messner-Seitz kann diesem Vorschlag wenig abgewinnen: "Die Zeiten am Schild stimmen nie mit der Realität überein. Ich muss mich nach den Patienten richten und kann nicht zu fixen Zeiten auf und zusperren. Von den Kosten für die unzähligen Parkscheine ganz zu Schweigen." Sollen engagierte niedergelassene Ärzte, die noch Hausbesuche machen, tatsächlich wie die Dinosaurier aussterben?

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