Di, 21. November 2017

Zurechnungsfähig?

29.09.2016 10:34

Amok-Prozess: Heute entscheiden die Geschworenen

Der Prozess gegen den Todeslenker Alen R. ist am Donnerstag im Grazer Straflandesgericht fortgesetzt worden - und steht kurz vor seinem Abschluss. Der 27-Jährige soll im Juni 2015 bei einer Amokfahrt durch Graz drei Menschen getötet und 50 verletzt haben. Am achten Verhandlungstag referierte noch eine Psychologin, am Abend wird die Entscheidung der Geschworenen erwartet.

Bei ihrer Untersuchung habe sie Alen R. als "zwanghaft und verunsichert" angetroffen, führte die Sachverständige Anita Raiger aus. R. sei auf der einen Seite "ängstlich und abhängig", auf der anderen Seite "kalt und gefühllos". Sie war der Meinung, bei dem Untersuchten liege keine psychotische, sehr wohl aber eine psychopathische Störung vor. Der 27-Jährige weise außerdem ein "völliges Fehlen an Gewissen und Schuldbewusstsein" auf.

Tat genau geplant
Die Sachverständige sagte, R. habe die Tat in den drei Wochen vor der Amokfahrt genau geplant, nachdem er von zu Hause weggewiesen worden war. "Die Gesellschaft hatte ihm alles genommen, Beruf, Geld, Zuhause, seine Frau war weg." Sie verglich die Amokfahrt mit einem Computerspiel: "Die grüne Ampel, bei der er losgefahren ist, war das Startsignal, dann die Fahrt, dann Game over." Mit Absicht habe er diesen Tag gewählt, weil wegen des Formel-1-Rennens in Spielberg alles in die Steiermark geschaut habe.

"Die Amokfahrt war eine Reaktion auf jahrelange Kränkung durch die Gesellschaft", führte Raiger aus. Alen R. sei "von seiner Persönlichkeitsstruktur her ein hochgefährlicher Mensch".

Frage nach Zurechnungsfähigkeit
Nach acht Verhandlungstagen werden die Geschworenen die zentrale Frage nach der Zurechnungsfähigkeit beantworten müssen. Es geht bei der Entscheidung der Laienrichter nun darum, ob R. nur in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher eingewiesen oder zusätzlich auch verurteilt wird.

Nach der Beratung über die Fragen an die Geschworenen finden die Schlussplädoyers statt. Mit einem Urteil dürfte daher erst gegen Abend zu rechnen sein.

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