Do, 14. Dezember 2017

Amok-Prozess in Graz

27.09.2016 16:22

Ex-Ehefrau: "Alen lügt. Er ist ein Schauspieler!"

Die Zeugin weint, ihr Schluchzen geht fast in einen Schrei über. "Ich kann nicht", jammert die zierliche Frau, und ihre Prozessbegleiterin nimmt sie schützend in den Arm. In der Sache selbst erhebt die Mutter zweier Kinder aber schwere Anschuldigungen. Ihr geschiedener Mann, der Amokfahrer, habe sie geschlagen, selbst als sie schwanger war. Er sei immer gewalttätiger geworden, je mehr Cannabis er nahm. Und dann sagt sie: "Er lügt. Er ist ein Schauspieler!"

Alen R., der Schauspieler - dieses Thema zieht sich inzwischen durch den ganzen Prozess. Auch Elena R. (23), die vier Jahre mit Alen verheiratet war, beschreibt ihn so. Diese vier Jahre waren für die zierliche Frau die Hölle, sagt sie: "Ich habe meine Eltern erstmals wiedergesehen, als ich im Frauenhaus war." Sie habe hier ohne Visum gelebt, großteils eingesperrt ins Haus der Schwiegereltern südlich von Graz. "Auch zu den Kindern war er nicht liebevoll."

"Er zwang mich, Burka zu tragen"
"Was hat Ihr Exmann für eine Religion?", will der Richter wissen. "Er ist Moslem", sagt die Frau, doch nur einmal habe er ihres Wissens eine Moschee besucht. "Er zwang mich aber, Kopftuch und Burka zu tragen, und wollte mit mehreren Frauen leben", behauptet Elena R. Mit den Vorwürfen seiner Frau konfrontiert, "erwacht" Alen R. kurzzeitig aus seiner Lethargie: "Stimmt alles nicht", gibt er zu Protokoll.

Ihr Exmann pflanzte angeblich selbst im Haus seiner Eltern Cannabis an. Je mehr der Konsum stieg, desto gewalttätiger wurde er. Ihrer Aussage nach soll er auch, wenn er im Bus oder in der Straßenbahn unterwegs war, eine Machete bei sich getragen haben. "Warum?", fragt Richter Andreas Rom. "Ich habe mich nicht zu fragen getraut", schluchzt die Frau: "Dann hat er mich meist geschlagen."

Anzeigen nach Schüssen aus dem Fenster
Probleme in der Nachbarschaft dürfte es oft gegeben haben. "Er hat aus dem Fenster geschossen, da gab es mehrmals Anzeigen", sagt die Frau. "Wovon hat die Familie gelebt?", will der Richter wissen. Elena R.: "Von der Kinderbeihilfe." Die Aufmachung ihres Exmannes vor Gericht versteht die Zeugin nicht: "Er hatte nie einen weißen Anzug an, selbst bei der Hochzeit trug er einen dunklen."

"Blickdiagnose" in Sonderanstalt
In der Folge werden mehrere Ärzte aus der Sonderanstalt im niederösterreichischen Göllersdorf befragt. Hier war Alen R. seit Juni untergebracht. Er bekam jene Medikamente weiter verabreicht, die ihm in der Grazer Psychiatrie verschrieben worden waren. Eine "Blickdiagnose" habe ergeben: "Das ist ein chronisch psychotisch erkrankter Mensch." Doch endgültig war der Befund nicht, die Ärzte sprachen stets nur von einer Verdachtslage. Alen R. wurde in der Wohnstation untergebracht, mit Physio- und Musiktherapie.

"Dachte, mein Mann und mein Kind sind tot"
Es war eine Situation, wie sie an Dramatik nicht zu überbieten war. Manuela Leitner (47) schilderte, was sie in jenen Minuten und Stunden erleben musste, nachdem der Amokfahrer ihren Ehemann Helmut (62) und den neunjährigen Sohn Philipp überrollt hatte. "Ich dachte, mein Mann und mein Sohn sind tot. Mein Mann lag in einer großen Blutlache, bei Philipp war das Fahrrad um ihn herumgewickelt."

Beide wurden in Spitäler gebracht, doch dass der Ehemann überlebt hatte, erfuhr die Frau erst Stunden später. Helmut Leitner schildert dann die entscheidenden Sekunden: "Das Auto kam auf uns zu, der Motor hat aufgeheult. Er hat Vollgas gegeben, die Räder waren in der Luft." Der Berufspilot hat allein am rechten Fuß 18 Brüche erlitten. Auch der Sohn wurde schwer verletzt. Weitere Operationen werden wohl noch notwendig sein.

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