Mo, 18. Dezember 2017

"Sicherheitsrisiko"

27.09.2016 06:03

TV-Duell: Trump planlos, Clinton macht Boden gut

Im Rennen um die US-Präsidentschaft haben sich Hillary Clinton und Donald Trump in der Nacht auf Dienstag (MESZ) ein höchst engagiertes und teils hart geführtes TV-Duell geliefert. Trump konnte in den ersten 30 Minuten noch teilweise gegen die souverän auftretende Clinton bestehen, wirkte danach allerdings schnell aggressiv und oft atemlos. Seiner Rolle als Rechtspopulist machte er allerdings weiterhin alle Ehre. In einer Blitzumfrage des TV-Senders CNN sahen 62 Prozent die Demokratin als Siegerin der Debatte, nur 27 Prozent sahen den Republikaner vorn.

In der teils hitzig geführten, mehr als 90 Minuten langen Debatte wirkte Clinton für die meisten Beobachter abgeklärter und inhaltlich besser vorbereitet. Trump hingegen lobte sich mehrmals selbst. "Ich habe die deutlich bessere Urteilsfähigkeit als sie", sagte er. "Sie sieht nicht wie eine Präsidentin aus, sie hat nicht die Ausdauer dazu." Die "Washington Post" bezeichnete Trump in Teilen der Debatte als "ziellos".

"Diese Debatte war nicht seine beste, aber es kommen noch zwei", schrieb Trumps republikanischer Parteifreund und Wahlkampfhelfer, New Yorks früherer Bürgermeister Rudy Giuliani, auf Twitter. "Ich versichere Euch, dass Donald Trump bei der nächsten Debatte besser vorbereitet sein wird."

Gegenüber Reportern behauptete Trump übrigens nach der für ihn verpatzten Debatte, sein Mikrophon habe nicht richtig funktioniert, wie ein Video auf Twitter zeigt. Moderator Lester Holt habe aber, so Trump, einen guten Job gemacht.

Clinton für schärfere Waffengesetze
Die ungleiche Behandlung von Weißen und Schwarzen in Teilen der USA sowie die tödlichen Polizeischüsse auf Afroamerikaner waren eines der Hauptthemen der Debatte. Clinton sieht darin eines der größten Probleme der USA: "Wir müssen das Vertrauen zwischen den Gemeinden und der Polizei wiederherstellen", sagte sie. Jeder müsse sich an das Gesetz halten. "Wir müssen die Waffen aus den Händen derer wegnehmen, die sie nicht tragen sollten", betonte sie. Trump sagte, Amerika brauche mehr "law and order", Recht und Ordnung, Clinton wolle diese Wörter aber nicht einmal benutzen.

Trump: "Schwarze und Mexikaner entwaffnen"
Trump, der den gesamten Wahlkampf über mit rassistischen Äußerungen aufgefallen war, versuchte am Abend dennoch, bei der afroamerikanischen Bevölkerung Boden gut zu machen. Seine Aussagen wie: "Die werden von der Politik vergessen", wirkten allerdings eher lustlos und aufgesetzt. Zudem erklärte er zugleich wieder einmal, dass vor allem Schwarze und Mexikaner kriminell seien und dass man diese "entwaffnen" müsse.

Clinton: "Luftangriffe auf den IS intensivieren"
Beim Thema Außenpolitik setzte sich Clinton für eine härtere Gangart im Kampf gegen die Terrormiliz Islamischer Staat ein. "Wir müssen die Luftangriffe auf den IS intensivieren", sagte die frühere Außenministerin. "Wir müssen auch Baghdadi jagen", sagte sie über den Anführer der Terrormiliz, Abu Bakr al-Baghdadi. Trump warf der Regierung von US-Präsident Barack Obama schwere Fehler vor und wiederholte seine Darstellung, die USA hätten die Ölquellen des Iraks besetzen müssen, um sie vor dem IS zu schützen.

Außerdem plädierte er für einen Einmarsch Chinas in Nordkorea, was nicht nur Asien-Experten mehr als seltsam vorkommen dürfte. Trump widersprach zudem der Darstellung Clintons, er werde als Sicherheitsrisiko angesehen und für nicht tauglich gehalten, die Rolle des Oberkommandierenden der US-Armee zu übernehmen. "Mehr als 200 Admirale und Generäle unterstützen mich", sagte Trump. "Ich werde sicher nicht den nuklearen Erstschlag führen." Er behauptete erneut, er sei stets gegen den Einmarsch der USA in den Irak gewesen. Diese Behauptung war allerdings mehrmals widerlegt worden, Trump war einer der laustarken Unterstützer der Offensive im Irak gewesen.

Trump: "Deutschland und Japan sollen für US-Schutz zahlen"
Trump will zudem, dass Deutschland und Japan sowie andere Länder für den Schutz durch die USA zur Kasse gebeten werden. "Sie müssen bezahlen", sagte der Präsidentschaftskandidat der Republikaner. Das gelte auch für Saudi-Arabien. "Die größte Bedrohung der Welt ist die nukleare, nicht wie Du und Dein Präsident es sehen, der Klimawandel."

Clinton ließ über die gesamte Debatte hinweg wenig Angriffsfläche zu - außer hinsichtlich ihrer E-Mail-Affäre. Trump meinte dazu, er werde seine Steuerunterlagen veröffentlichen, sobald Clinton diejenigen 33.000 E-Mails publik mache, die sie als Außenministerin über einen privaten Server gesendet hat und die noch nicht von der US-Bundespolizei FBI aufgefunden werden konnten. Clinton meinte dazu: "Ich habe einen Fehler gemacht."

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