Sa, 18. November 2017

Prozess vertagt

26.09.2016 15:20

Menschenhandel in der Bauwirtschaft

Der Prozess am Wiener Straflandesgericht gegen eine Bande, die rumänische Männer mit falschen Versprechungen nach Österreich gelockt und auf Baustellen ausgebeutet haben soll, ist nach einer halben Stunde wieder vertagt worden. Von fünf Angeklagten sind zwei nicht erschienen. Die Hauptverhandlung wird daher am 8. November fortgesetzt.

Die Möglichkeit, die Verhandlung gegen die zwei unentschuldigt ferngebliebenen Angeklagten auszuscheiden, zog Richter Ulrich Nachtlberger nicht in Betracht: "Ich trenne das mit Sicherheit nicht, ich brauche alle fünf." Sollten die Männer, dabei handelt es sich um den Chauffeur und den Quartiergeber der Arbeiter, allerdings im November erneut nicht vor Gericht erscheinen, werden sie polizeilich vorgeführt.

Bei dem Prozess handelt es sich um den ersten Fall von Menschenhandel, der mutmaßlich zum Zweck der Ausbeutung in der Bauwirtschaft betrieben wurde. Angeklagt sind fünf Männer im Alter von 43 bis 70 Jahren, die rumänische Männer in ihrer Heimat als Bauarbeiter angeworben hatten. Den Angeklagten drohen Haftstrafen zwischen sechs Monaten und fünf Jahren.

"Vergesst nicht, dass ihr zu Hause Familien habt"
Für die Tätigkeiten der Rumänen in Österreich sei ihnen laut Anklage ein monatlicher Verdienst von 1.200 Euro zugesichert worden. Die Männer landeten ab 20. September 2015 auf Baustellen in Wien und Tulln, wo sie dann über Wochen hinweg keinen Lohn bekommen hätten.

Die Rumänen wurden auch an einen anderen Bauleiter vermittelt, der sich ebenfalls nicht an seine Zusagen gehalten habe. Vielmehr seien Betroffenen mit Drohungen wie "Vergesst nicht, dass ihr zu Hause Familien habt" oder "Gemeinsam mit meinen Freunden werde ich dich finden und erledigen" eingeschüchtert und zum Weiterarbeiten bewogen worden.

Pässe abgenommen
Angeklagt sind nun neben dem Chauffeur und dem Quartiergeber auch zwei Bauherren und ein Mann, der die Arbeiter nach Wien gebracht hatte. Einer der Bauherren fungierte offenbar als Übersetzer und Aufpasser, der die Männer ständig - auch nach Feierabend - kontrolliert und überwacht haben soll. Der Unterkunftgeber wiederum soll ihnen vorübergehend ihre Pässe abgenommen und sie auf eine Baustelle in Floridsdorf gebracht haben, wo er sie laut Anklage zwang, ihre angeblichen Mietschulden abzuarbeiten.

Am 25. November kam es in Floridsdorf dann auch zu einem Arbeitsunfall. Einer der Männer stürzte von einem Dach sechs Meter in die Tiefe und zog sich dabei Verletzungen zu. Obwohl der Arbeiter vorübergehend sogar das Bewusstsein verlor, wurde keine Erste Hilfe geleistet und kein Rettungsdienst verständigt. Erst nach Feierabend durfte der Mann von seinem Quartier aus die Rettung anrufen und sich in Behandlung begeben, weswegen sich ein Angeklagter auch wegen unterlassener Hilfeleistung verantworten muss.

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