Mo, 20. November 2017

Gruslige Sammlung

26.09.2016 13:14

Belgische Klinik lagert in Keller 3000 Gehirne

Der Keller der psychiatrischen Klinik in der belgischen Gemeinde Duffel ist nichts für empfindliche Naturen: Dort stapeln sich in Plastikbehältern nämlich Tausende menschliche Gehirne. Die Sammlung gilt als die weltweit größte ihrer Art. Sie soll dazu beitragen, den Ursachen psychischer Erkrankungen auf die Spur zu kommen.

Angelegt wurde sie vom britischen Neuropathologen John Corsellis ab dem Jahr 1951 über 40 Jahre hinweg. Nun war in London kein Platz mehr für die in Formaldehyd oder Paraffin konservierten Gehirne, weswegen sie in den Norden Belgiens gebracht wurden. Dort werden sie von der Klinik und der Universität Antwerpen zu Forschungszwecken genutzt.

Zu jedem der rund 3000 Hirne in der Sammlung gibt es eine Akte, in der der Krankheitsverlauf des Patienten festgehalten ist. Die belgischen Wissenschaftler suchten sich für ihre Forschung hauptsächlich Gehirne von Menschen aus, die unter Depression oder Schizophrenie litten.

Die Forscher freuen sich über diesen Schatz. Heutzutage sei es es aufgrund strenger Ethikregeln in Belgien nahezu unmöglich, an das Gewebe verstorbener Patienten zu gelangen, so Manuel Morrens, Leiter der Forschungsabteilung des Krankenhauses. Interessant mache die Sammlung zudem die Tatsache, dass sie größtenteils aus einer Zeit stamme, in der psychisch Kranke nicht mit Psychopharmaka behandelt wurden, die die Strukturen des Gehirns verändern können.

Die Forscher erhofften sich neue Erkenntnisse auf dem Gebiet der Biologischen Psychiatrie, die mentale Probleme durch die biologische Funktion des Nervensystems zu erklären versuche, sagt die Medizinerin Violette Coppens. "Kann eine Entzündung im Gehirn psychische Erkrankungen auslösen, verschlechtern oder sonst irgendwie beeinflussen?", formuliert Coppens die Forschungsfrage. Wenn alle der rund 3000 Gehirne untersucht sind, will sie die Antwort darauf gefunden haben.

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