Di, 17. Oktober 2017

Aufregung an Schulen

22.09.2016 18:36

„Luxus“-Rechner als Pflicht?

Per Brief wurden dieser Tage Salzburger Eltern informiert, dass Schulkinder laut dem Gesetzgeber künftig für die Vorbereitung auf die Zentralmatura höherwertige Technologie im Mathe-Unterricht benötigen. Die alten Taschenrechner reichen nicht mehr - stattdessen müssen Luxus-Modelle her. Aber ist das wirklich verpflichtend?

Was für ein Gerät! Das "neueste Modell der ClassPad-Serie" besticht durch "hochauflösendes" sowie "berührungssensitives" Farb-LCD-Display mit über 65.500 Farben für eine "intuitive Bedienung" samt USB-Schnittstellen. Dabei handelt es sich jetzt nicht um ein hypermodernes Handy: Das Casio ClassPad II ist nichts anderes als ein Taschenrechner - und neuerdings wohl Pflicht im Schulranzen. Dieser Tage haben nämlich zahlreiche Salzburger Eltern die Aufforderung bekommen, sich an der Bestellung ebenso eines Taschenrechner-Modells zu beteiligen. Die Kosten: 120 Euro. Schnickschnack, denkt da manch einer an die eigene Schulzeit zurück, hat es doch damals ein simpler Rechner auch getan. Aber so einfach ist es wohl nicht: Begründet wird das nämlich unter anderem damit, dass solche Geräte gesetzlich für die Zentralmatura vorgeschrieben seien.

Auf "Krone"-Anfrage heißt es dazu aus dem Bildungsministerium: "Bei der Bearbeitung der Zentralmatura können jene Hilfsmittel verwendet werden, mit denen die Schüler in den Jahren zuvor gelernt haben umzugehen." Eine konkrete Vorgabe gebe es nicht. Die Minimalanforderungen für elektronische Hilfsmittel sind im §18 der Reifeprüfungsverordnung definiert. "Es gibt Geräte, die ebenfalls den Anforderungen entsprechen und die bei Klassenbestellungen schon um etwa 50 Euro pro Stück zu haben sind", weiß der Grüne Bildungssprecher LAbg. Simon Heilig-Hofbauer. Die Schulen sind jedenfalls angehalten, günstigere Alternativen zu prüfen und die Eltern korrekt zu informieren. "Es besteht keinerlei Verpflichtung für die Eltern, einen bestimmten Taschenrechner zu kaufen, noch muss eine ganze Klasse mit demselben Modell arbeiten, auch wenn das seitens der Schulen öfters suggeriert wird", so Heilig-Hofbauer zur "Krone". Solche horrenden Kosten würden bei Eltern den Eindruck erwecken, dass sie nun Schulgeld durch die Hintertüre zahlen müssen. Eltern mit mehreren Kindern seien dabei besonders betroffen.

Versteckte Kosten durch die Hintertür
Davon kann auch die Vorsitzende des Elternvereins, Astrid Kirchsteiger, ein Lied singen. Als alleinerziehende Mutter von vier schulpflichtigen Kindern kennt die versteckten Kosten genau: "Etwa Schüler-Magazine für Englisch und Deutsch, die Wien-Woche (230 €) oder die London-Woche (850 €). Die schulische Ski-Reise ist für einen meiner Söhne heuer finanziell nicht mehr drin", zählt sie auf. Allein für Unterrichtsmaterialien hat sie zum Schulstart 550 Euro für vier Kinder ausgegeben - und war dabei äußerst sparsam: Laut einer Studie der AK kostet Eltern ein Schuljahr nämlich im Schnitt 855 Euro - pro Kind.

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