Sa, 25. November 2017

Trainer Thalhammer

22.09.2016 14:17

Nach ÖFB-Frauen-Wunder: „Noch nicht gut genug“

Mit der erstmaligen EM-Qualifikation haben die ÖFB-Fußballfrauen ein noch vor Jahren undenkbares Ziel erreicht. "Ein Traum ist in Erfüllung gegangen", sagte Teamchef Dominik Thalhammer zwei Tage nach dem entscheidenden 0:0 in Wales. Zugleich forderte er eine weitere Steigerung. "Wir sind für uns noch nicht gut genug", mahnte er bei einer Pressekonferenz am Donnerstag in Wien (siehe Video oben).

ÖFB-Sportdirektor Willi Ruttensteiner geriet ins Schwärmen: "Du hast dir ein historisches Denkmal gesetzt", meinte er und kam auch um den für Thalhammer "problematischen" Vergleich von Männer- und Frauenkick nicht ganz herum. "Eine fantastische Leistung. Er hat das gleiche geschafft wie Marcel Koller mit den Männern", lobte er den Erfolgscoach. Thalhammer ist quasi Ruttensteiners "Erfindung", er heuerte den einstigen Männer-Coach (u.a. Admira-Wacker 2004/05) 2010 für das neu zu gründende nationale Frauen-Leistungszentrum in St. Pölten an.

"Wir haben Konzepte entwickelt und sind quer durch Österreich gefahren, um Spielerinnen zu sichten", erinnerte sich Thalhammer, der schon ein Jahr später nach dem überraschenden Tod von Vorgänger Ernst Weber als A-Teamchef fungieren sollte. Eine Endrunden-Teilnahme war damals "extrem weit weg", sagte der Wiener. "Viele im Frauenfußball haben gesagt, dass man das nie erreichen kann." Schnell sei aber klar geworden, "dass man in großen Schritten vorwärtskommen kann", erklärte Thalhammer.

"Jetzt geht es in die Details"
"Es war ein Prozess. Erst haben wir begonnen, defensiv stabil zu sein", meinte der Coach. Dann seien andere, inzwischen fest verankerte Dinge hinzugekommen: "Raumdeckung, Mittelfeldpressing, Spiel in Ballbesitz, Gegenpressing." Fortschritte seien nun nur noch in kleineren Dosen zu erzielen. "Jetzt geht es in die Details. Wir wollen mehr Ballbesitz haben und dabei stabiler sein", fasste Thalhammer zusammen.

Was ihm aber mindestens ebenso wichtig erscheint: "Ich habe noch nie Spielerinnen erlebt, die so offen sind für Neues, die sich weiterentwickeln wollen", lobte er seine zum großen Teil aus Legionärinnen bestehende Truppe rund um Bayern-München-Akteurin Viktoria Schnaderbeck. "Wir sind für uns noch nicht gut genug. Und wir können in manchen Bereichen im Frauenfußball auch Trendsetterinnen sein."

Die EM will der 45-Jährige im Hinblick auf die Ziele locker angehen. "Wir wollen uns keine Grenzen setzen, wollen uns ständig weiterentwickeln. Ob es darum geht, vielleicht über die Vorrunde hinauszukommen, das werden wir dann zu gegebener Zeit festlegen. Wir wollen aber keine unbedeutende Rolle spielen", erklärte Thalhammer. Ruttensteiner riet dazu, die Endrunde "zu genießen. Das wird etwas Einzigartiges. Man sollte den Prozess einfach weitergehen und gar nicht zu große Erwartungen anstellen".

Testspiel gegen Olympiasieger Deutschland
Dass seine Truppe am 22. Oktober in Regensburg ein Testduell mit dem mehrfachen Welt- und Europameister sowie Olympiasieger von Rio, Deutschland, bestreitet, dürfe gleichsam als Ritterschlag gewertet werden. "Wir bekommen mehr Aufmerksamkeit, unsere Leistungen werden wahrgenommen. Es war parallel auch eine Anfrage aus den USA da", betonte Thalhammer. "Deutschland sucht sich seine Testgegner schon genau aus, die sind zwei Jahre im Voraus ausgebucht. Für uns ist das eine große Prestigesache und eine sehr tolle Geschichte."

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