Di, 17. Oktober 2017

Proteste und Klagen

15.09.2016 11:07

Hinkley Point: London stimmt AKW-Projekt zu

Die britische Regierung hat grünes Licht für das umstrittene AKW-Projekt Hinkley Point gegeben. Das Vorhaben solle umgesetzt werden, erklärte Energieminister Greg Clark am Donnerstag. Dabei solle mit neuen Maßnahmen für eine "erhöhte Sicherheit" des AKW-Baus gesorgt werden. Österreich und andere Staaten klagen vor dem Europäischen Gerichtshof gegen die milliardenschweren Staatssubventionen für das Projekt.

Die britische Regierung hatte eine Entscheidung über Hinkley Point für den "frühen Herbst" angekündigt, nachdem der Verwaltungsrat des französischen Stromkonzerns EDF Ende Juli für das Vorhaben gestimmt hatte. Das Projekt in der Nähe von Bristol im Südwesten Englands war wegen der finanziellen Risiken auch innerhalb des Staatskonzerns höchst umstritten. Bei dem Vorhaben mit einem Volumen von 18 Milliarden Pfund (rund 21,4 Milliarden Euro) kooperiert EDF mit dem chinesischen Konzern CGN.

Global 2000 sieht in der Entscheidung der britischen Regierung für das Kernkraftprojekt ein Nachgeben gegenüber dem "Druck Chinas, das mit massiven diplomatischen Verwicklungen gedroht hatte - und mit dem Entzug von Investitionen in die marode britische Infrastruktur", wie der Atom-Experte der Umweltorganisation, Reinhard Uhrig, erklärte.

NGOs zweifeln an Realisierbarkeit des "teuersten AKWs"
Für Global 2000 gibt es drei Gründe, warum das Projekt nicht realisiert werden sollte: Zum einen werde Hinkley Point "nach Berechnungen der EU-Kommission rund 28,7 Milliarden Euro verschlingen" und damit "das teuerste Kraftwerk der Welt" sein. Zweitens rolle eine Klagewelle gegen Hinkley Point. Drittens sei "der geplante Reaktortyp EPR (Europäischer Druckwasserreaktor) von Areva noch nirgends auf der Welt am Netz, es gibt massive Verzögerungen um mehr als neun Jahre und Kostenexplosionen auf 300 Prozent". Laut Uhrig ist "unklar, ob die EPR-Technologie überhaupt je in Betrieb gehen kann".

Auch die Initiative Atomstopp_oberoesterreich zeigte sich enttäuscht. "Damit verharrt Großbritannien weiterhin in der milliardenteuren Atomfalle", erklärten die Sprecher Roland Egger und Gabriele Schweiger. "Die britischen Stromkunden werden für dieses finanzielle Fiasko den Preis zahlen müssen - mit dem Segen der EU-Kommission."

Kritik an Übersubventionierung
EDF und CGN sollten für Mega-Investition aufkommen, Großbritannien hätte für 35 Jahre einen Mindestabnahmepreis für den Strom garantiert. Kritiker weisen darauf hin, dass die Investition damit übersubventioniert wäre, weil der Garantiepreis beim Doppelten des aktuellen Marktpreises liege.

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