Mo, 20. November 2017

Wegen Sonderheft:

15.09.2016 08:40

Jetzt legt sich Erdogan mit dem „Spiegel“ an

Die türkische Regierung hat dem Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" eine "verzerrte" Darstellung der Türkei vorgeworfen. Das jüngste Sonderheft mit dem Titel "Brennpunkt Türkei" sei von "Vorurteilen" geprägt, erklärte das Außenministerium in Ankara. Die Titelseite sei "besonders provokativ".

Das am Dienstag erschienene "Spiegel Spezial" zeigt den türkischen Präsidenten Recep Tayyip Erdogan, der als "Diktator" bezeichnet wird, mit einer Sonnenbrille über einer Istanbuler Moschee, von der zwei minarettförmige Raketen abheben. Über dem Haupttitel "Brennpunkt Türkei" steht in kleineren Lettern "Ein Land verliert die Freiheit".

"Beispiel für anti-türkische Herangehensweise"
Das Sonderheft sei "ein klares Beispiel für eine anti-türkische Herangehensweise", erklärte das Außenministerium in Ankara, das zugleich Versuche verurteilte, Erdogan zu "beschmutzen". Die "bösartigen" Versuche, das Image der Türkei zu beschädigen, müssten aufhören.

Ankara hatte bereits vor Monaten bestimmten deutschen Medien eine Erdogan-feindliche Berichterstattung vorgeworfen. Der "Spiegel"-Reporter Hasnain Kazim verließ die Türkei im Mai nach einer Vielzahl von Drohungen.

Beziehungen seit Monaten angespannt
Die Beziehungen zwischen Deutschland und der Türkei sind seit Monaten angespannt. Nach dem gescheiterten Militärputsch gegen Erdogan vom 15. Juli zeigte sich die deutsche Bundesregierung besorgt über das rabiate Vorgehen gegen angebliche Regierungsgegner in der Türkei - zehntausende wurden aus dem Staatsdienst entlassen oder inhaftiert. Die Menschenrechtsorganisation Amnesty International kritisierte die Haftbedingungen und prangerte Folter an.

Die deutsch-türkischen Beziehungen waren aber bereits zuvor äußerst angespannt: Der Bundestag hatte Anfang Juni das Massaker der Türken an den Armeniern vor gut hundert Jahren als Völkermord eingestuft. Die türkische Regierung protestierte scharf gegen die Entscheidung, deutschen Abgeordneten wurde der Besuch von Bundeswehrsoldaten auf dem Stützpunkt Incirlik in der Türkei verweigert. Erst vor wenigen Tagen gab Ankara dann grünes Licht für einen solchen Besuch.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden