Fr, 20. Oktober 2017

Bilanz in Buch

13.09.2016 08:21

Flüchtlingshelferin: „Nein, wir schaffen es nicht“

Seit 1999 arbeitet die deutsche Autorin Katja Schneidt ehrenamtlich in der Flüchtlingshilfe. Im Laufe ihrer Arbeit hat sie erlebt, wie wehrlos der Staat gegenüber jenen ist, die Gastfreundschaft mit einem Selbstbedienungsladen verwechseln. Ihre Enttäuschung über die Erwartungshaltung vieler Flüchtlinge und die schlechte Integrationspolitik Deutschlands hat sie in ihrem soeben erschienen Buch "Wir schaffen es nicht" dokumentiert, in dem sie eine ernüchternde Bilanz zieht und der deutschen Kanzlerin widerspricht: "Nein, Frau Merkel, wir schaffen es nicht", so ihr Tenor.

Die 45-jährige Schneidt, die sich ihre Zeit flexibel einteilen kann, hat jahrelang in Hessen ehrenamtlich Flüchtlinge, die in großer Zahl nach Deutschland kommen, bei deren ersten Schritten unterstützt, sie zu Behördengängen begleitet und Deutschkurse gegeben. Sie kann deshalb auch gut beurteilen, wie es um die Integration der Asylsuchenden bestellt ist. Und sie musste bei ihrer Arbeit feststellen, wie überfordert Politik, Verwaltung und Behörden wirklich sind.

"Euphorie ist verflogen"
"Die Euphorie zu Beginn der Flüchtlingswelle ist verflogen", schreibt sie in ihrem Buch. Das Unverständnis vieler Flüchtlinge unserer Kultur gegenüber sei groß und das monatelange Ausharren in Flüchtlingsheimen führe zu gesellschaftlicher Isolation, Gewalt und Frustration. Schneidt berichtet unter anderem von fehlenden Wohnungen und Arbeitsplätzen für Flüchtlinge und bekrittelt, dass ein Heer an freiwilligen Helfern eine durchdachte, organisierte Integrationspolitik nur unzureichend ersetzen könne.

Damit Flüchtlinge in der neuen Heimat ankommen und auch die Gesellschaft von den neuen Bürgern profitiert, müsse sich einiges ändern. Das passiere zurzeit aber nicht, so Schneidt. Ein Jahr nach Kanzlerin Angela Merkels Entscheidung, Tausende in Ungarn gestrandete Flüchtlinge über Österreich nach Deutschland einreisen zu lassen, habe Deuschland mit teilweise dramatischen Folgen der "Wir schaffen das"-Politik der Kanzlerin zu kämpfen, so die Autorin.

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).