Sa, 25. November 2017

Fällt die Schikane?

11.09.2016 22:32

Expertenstreit im Landtag um Tempo 80

Fällt der sinnlose 80er auf der Stadtautobahn endlich? Mittwoch berät ein Landtags-Ausschuss darüber.Dabei kommt es zu einem pikanten Experten-Duell zwischen Befürworter und Gegner der Tempo-Bremse. Jetzt stellt sich heraus, dass auch die Luftmess-Station an der Autobahn an der falschen Stelle steht

Zu einem spannenden Gutachter-Duell kommt es am Mittwoch im Salzburger Landtag: Dabei wird Univ. Prof. DI Dr. Ernst Pfleger seine Argumente gegen einen einheitlichen „80er“ für Lkw und Pkw auf der Stadtautobahn vorbringen: „Für die Verkehrssicherheit machen 20 km/h Unterschied zwischen Pkw und Lkw Sinn, so gibt es weniger Unfälle bei Fahrstreifenwechsel und weniger Auffahrunfälle.“ Pfleger ist (wie auch DI Gerhard Kronreif) gerichtlich beeideter Sachverständiger für Verkehrssicherheit und Österreich-Chef des Europäischen Vereines für Unfallforschung, dem auch der Salzburger Sachverständige Gerhard Kronreif angehört. Ebenso wird DI Dr. Friedrich Nadler seine 85-Seiten Expertise für das Land persönlich darstellen. Nadler ist allerdings nur Verkehrsplaner, sitzt aber in der Wiener Arbeitsgruppe der „Road Safety Inspektoren“ gemeinsam mit Pfleger, der dort Leiter ist.

Gutachten fürs Land: Teuer und fehlerhaft
Das Nadler-Gutachten, von Land eiligst als Argumentationshilfe für das einheitliche Tempo 80 bestellt (und 11.893 Euro teuer) kam ja zum Schluss: Tempo 80 für alle ist richtig! Dazu hatte das Land Nadler nur ausgewählte Daten (Februar bis Mai 2014) überlassen. Nadlers Schlussfolgerungen seien demnach auch „unvollständig, mangelhaft und in wesentlichen Teilen unrichtig“, so formulierte es SV DI Gerhard Kronreif: „Nadlers ,nast consulting‘ hat die Unfälle 2015/16 nicht ausgewertet, auch nicht die Unfallarten, was zwingend notwendig gewesen wäre, um Aufschluss über die Gefahrenerhöhung bei Tempo 80 zu geben.“

Schlechteste Lösung: Ein einheitlicher Achtziger
Nadler hatte daraufhin zurück geschossen und Kronreif heftig kritisiert. Doch auch Pfleger gibt Kronreif Recht: Ein einheitliches Tempo 80 für Pkw und Lkw ist die schlechteste Lösung. Mittlerweile sind im Landtag 16 Mandatare (SP/FPS/FP und Stronach) auf Distanz zu Tempo 80 gegangen und verlangen die Aufhebung. FPS-Abgeordneter Friedrich Wiedermann: „Noch gibt es eine Koalition der Unbelehrbaren aus VP und Grünen. Sie wissen, dass es kein Argument für den 80er gibt, beharren aber weiter auf ihm. “ Längst zeigt sich, dass auch die NOx-Schadstoff-Reduzierung nur minimal (4,2 % statt einst behaupteter -13 %) ist. Ein Vergleich mit Tiroler Messstationen in Vomp zeigt, dass der Luftgüte-Container in Wals auch willkürlich nahe an die Autobahn gerückt wurde und aus mehreren Gründen hohe Schadstoffwerte liefert.

Mess-Station steht zu nahe an der Autobahn
Hier steht die Mess-Station nur 7 Meter von der Autobahn (und auf der anderen Seite von der stark befahrenen Oberst Lepperdinger-Straße eingekreist). EU-Empfehlung: 10 Meter Abstand. Dazu kommt, dass die Mess-Stelle genau im Bereich einer Beschleunigungs-Strecke liegt. Wiedermann: „Es gibt keine Argumente für einen 80er. Es ist eine politische Willküraktion und nichts als eine Abzocke der Autofahrer.“ Umweltexperten sind gegen Tempo 80 für Pkw und einen 60er für Lkw, da hier die Schwerfahrzeuge deutlich mehr Schadstoffe ausstoßen. Auch ein (vom Land) angedachter 90er für Pkw wird als „völlig untypische“ Beschränkung abgelehnt. Bleibt das Land beim 80er, sind Klagen nicht ausgeschlossen: „Weil das Land jetzt um seine Gefährlichkeit weiß“, so Wiedermann.

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