Sa, 18. November 2017

„Krone“-Interview

07.09.2016 17:57

Marcel Hirscher: „Ich habe auch Fehler gemacht“

Vor zehn Jahren drückte er noch die Schulbank, jetzt ist er längst Superstar: Marcel Hirscher im "Krone"-Interview über Lernprozesse, die Olympia-Enttäuschung und über das Wahl-Chaos…

"Krone": Marcel, du warst lange auf Tauchstation, jetzt sieht man dich wieder öfter: MotoGP in Spielberg, am Samstag nimmst du am Dolomitenmann teil, und das Skitraining hat auch bereits wieder begonnen, oder?
Marcel Hirscher: Sieben oder acht Tage waren es bisher. Ausschließlich auf dem Mölltaler Gletscher. Gewaltig, wie hochwertig das Training von den Bedingungen her war.

"Krone": Wird der Hirscher somit jetzt sogar noch besser, als er es ohnehin schon war?
Hirscher: Das wäre jetzt eine Schlagzeile, wenn ich das sage - oder? Nein, im Prinzip gibt es keine großen Unterschiede zu den letzten Jahren. Ich bin vielleicht etwas mehr auf dem Radl gesessen, habe einen größeren Schwerpunkt auf die Ausdauer gelegt. Aber auch mein Gewicht ist gleich wie in den letzten Jahren um diese Zeit: 78, 79 Kilo, bis zum Auftakt in Sölden werden es hoffentlich noch 80.

"Krone": Apropos Saisonauftakt 2016: Was hat der Marcel Hirscher eigentlich im September 2006, also vor genau zehn Jahren, getan?
Hirscher: Da muss ich nachdenken. Aber wahrscheinlich habe ich die Schulbank in der Skihotelfachschule Bad Hofgastein gedrückt, weil das neue Schuljahr gerade begonnen hat. Also wieder der Ernst des Lebens…

"Krone": Zehn Jahre später hast du fünfmal den Gesamtweltcup gewonnen und bist der Superstar des alpinen Skisports. Realisiert man als junger Mensch, der du mit 27 nach wie vor bist, was in dieser kurzen Zeit alles passiert ist?
Hirscher: Es ist auch für mich kaum in Worte zu fassen. Und wenn ich darüber nachdenke, kommt es mir immer gewaltig und unwirklich vor. Aber es war auch nicht so einfach, wie es für viele den Anschein hat. Weil es ein enormer Lernprozess war. Ich meine das jetzt gar nicht so sehr sportlich. Sondern ganz persönlich. Vieles ist mit viel größerer Wucht auf mich niedergegangen, als es mir lieb war. Die plötzliche Popularität. Die Tatsache, dass man nicht mehr so einfach mit Freunden auf einen Drink gehen kann, weil dich jeder sofort erkennt. Alles Dinge, mit denen man erst lernen muss umzugehen. Auch ich habe da natürlich Fehler gemacht. Und ich würde sogar sagen, dass meine Fortschritte auf der menschlichen Seite in all den Jahren größer waren als jene auf der sportlichen.

"Krone": Dass der Sportler Hirscher einmal nicht erfolgreich ist, kann man sich jedenfalls kaum vorstellen. Warum klappt das bei dir immer und immer wieder und bei vielen anderen nicht: etwa bei Olympia in Rio, wo Österreichs Ausbeute mit einer Bronzenen alles andere als berauschend war! Auch für dich enttäuschend?
Hirscher: Ich denke, dass das generell nicht dem Anspruch entspricht. Aber ich habe zu wenig Einblick in andere Sportarten, um beurteilen zu können, was da vielleicht falsch läuft. Deshalb ist es sicher gescheiter, da schön meine Goschen zu halten.

"Krone": Wobei immer wieder Sportfans in diversen Foren oder auch in Briefen an unsere Zeitung meinen: Der Einzige, der noch gewinnen kann, ist der Hirscher! Bist du wirklich der Retter der Sportnation Österreich?
Hirscher: Es gibt da schon noch andere, die erfolgreich sind. Den David Alaba, die Anna Fenninger oder jetzt Veith, solange sie nicht verletzt war. Oder jetzt vor allem den Dominic Thiem.

"Krone": Bei Olympia hat sich unser Land nicht mit Ruhm bekleckert, mit dem Chaos rund um die Präsidentschafts-Wahl schon gar nicht…
Hirscher: Das ist sicher alles nicht ideal gelaufen. Und es gibt genug Menschen, die damit keine Freude haben. Doch es ist auch so ein Thema, bei dem ich viel zu wenig Einblick habe. Wenn es jetzt am 2. Oktober wieder nicht hinhaut, mache ich nach erstem Wahlgang, Stichwahl und der bevorstehenden Wiederholung eben ein viertes Mal mein Kreuzerl: Im Wahllokal trifft man wenigstens alte Freunde, die man sonst eh viel zu selten sieht.

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