Mi, 13. Dezember 2017

Britisches AKW

31.08.2016 17:09

Hinter den Kulissen von Hinkley Point

Es ist das teuerste Atomkraftwerk der Welt - doch der brandgefährliche Reaktor in England entscheidet auch über die Energiezukunft Europas. Die "Krone" begab sich nun in der trügerischen Idylle von Somerset auf Lokalaugenschein.

Friedlich grasen die Derbyshire-Gritstone-Schafe in den sanften Hügeln. Pubs wie das "White Stag" haben Schilder aufgestellt und werben für Fisch & Chips. In Kolonnen fahren viele wieder zurück nach London - ein verlängertes Urlaubswochenende ist vorbei.

Wir sind in der Gegenrichtung unterwegs - in einer Idylle wie sie aus der TV-Serie "Inspector Barnaby" bekannt ist. Und doch ist der Friede trügerisch - an der Küste ragen die Reaktoren von Hinkley Point in den Himmel. Dort musste das satte Grün bereits einer trostlosen Baustellenwüste weichen.

"We have to be brave now and we must not surrender -  wir müssen jetzt tapfer sein und dürfen nicht kapitulieren", versichert Umweltschutzaktivist Allan Jeffrey. Er schöpft neue Hoffnung: Der am AKW beteiligte französische Atomkonzern EDF hatte zwar grünes Licht für einen weiteren Reaktor gegeben, doch die britische Premierministerin Theresa May zog vorläufig die Notbremse. Denn allein die Kosten werden auf 30 Milliarden Euro explodieren.

"Ohne Zuschüsse durch London geht es nicht"
"Und ohne Zuschüsse durch London geht es nicht. Wegen dieser Wettbewerbsverzerrung hat Österreich ja vor dem Europäischen Gerichtshof geklagt. Wenn wir Recht bekommen, dann sind auch die Ausbaupläne für die Grenzreaktoren in Dukovany und Temelin gestoppt. Denn ohne Subventionen hat kein einziger AKW-Neubau eine Chance", so Rudi Anschober, Oberösterreichs Grün-Politiker und Anti-Nuklearkämpfer der ersten Stunde, bei seinem Besuch in Hinkley Point.

Wir bleiben hier nicht unbeobachtet. Aus dem Nichts taucht plötzlich eine Streife der Civil Nuclear Constabulary (der "Atompolizei") auf. Die bewaffneten Bobbys grüßen betont freundlich. Die Idylle der Grafschaft ist trügerisch.

"Ich konnte nicht länger zusehen"
"Krone": Mr. Peter Smith, Sie waren lange Zeit Chef der gesamten Elektroversorgung von Hinkley Point. Warum sind Sie jetzt ins Lager der Anti-Atomkraftwerk-Aktivisten gewechselt? Sie werden ja jetzt massiv angefeindet und bedroht…
Peter Smith: Ich konnte und wollte nicht mehr zusehen, wie die Öffentlichkeit angesichts der Gefährlichkeit dieser Atommeiler angelogen wird.

"Krone": Ist es wirklich so schlimm, wie viele Experten jetzt meinen?
Smith: Yes! Hier gibt es jede Menge Risiken - von der Flutgefahr durch Meeresgezeiten bis zur anfälligen elektrischen Versorgung. Und auch ein terroristischer Funke genügt.

"Krone": Hinkley C gilt bei Experten als besonders gefährlich…
Smith: Ja, weil es die Risiken nicht minimiert, sondern sogar noch steigert. Denn zum Einsatz kommt ein neuer französischer Bautyp, der noch überhaupt nirgendwo erprobt wurde.

"Krone": Der Schutzzaun, der das großräumig angelegte AKW-Gelände umgibt, wird ja kurioserweise von einem winzigen Photovoltaik-Paneel gespeist…
Smith: Ich habe da drinnen gearbeitet. Glauben Sie mir, wenn die Leute draußen wüssten, wie gefährlich der Atomstrom wirklich ist und wie unprofessionell gearbeitet wird, sie würden Sturm laufen. Ich bin davon überzeugt: Eine Atomkatastrophe kann sich jederzeit ereignen. Hier bei uns auf der Insel und auch bei euch in Österreich in einem der vielen grenznahen Reaktoren.

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