Sa, 26. Mai 2018

Spionageindustrie

30.08.2016 08:19

Israel: Dank Ex-Militärs Hochburg der Virenmacher

Die jüngste Entdeckung einer Spionagesoftware zur heimlichen Überwachung von iPhones und iPads wirft ein Schlaglicht auf die in Israel florierende Überwachungsindustrie. Entstanden in Symbiose mit Aufklärungseinheiten der israelischen Streitkräfte, gehört die Branche zu den Weltmarktführern.

Ob beim Export in andere Staaten auch die dortige Menschenrechtslage ausreichend berücksichtigt wird, bleibt zweifelhaft. Die Entwickler der von ihren Entdeckern "Pegasus" getauften Spionagesoftware, die Apple vergangene Woche veranlasste, Millionen Kunden zum Sicherheits-Update der Betriebsprogramme ihrer Mobilgeräte aufzurufen, geben sich arglos.

"Das Unternehmensziel von NSO ist, die Welt sicherer zu machen, indem legitimierten Regierungen eine Technologie zum Kampf gegen Terror und Verbrechen geliefert wird", erklärt ein Firmensprecher.

27 Firmen entwickeln Spionage-Software
Die Cyberwaffen-Firma NSO hat ihren Standort im Hightech-Gewerbegebiet des Küstenstädtchens Herzlia - pikanterweise in direkter Nachbarschaft zur israelischen Apple-Niederlassung. In einem Land, in welchem permanente Sicherheitsbedrohungen die elektronische Aufklärung überlebensnotwendig machen, ist NSO nicht alleine.

Gegenwärtig entwickeln 27 israelische Firmen offensive Spionagesoftware, berichten die britischen Bürgerrechtler von Privacy International. Umgerechnet auf die Bevölkerung stehe Israel damit klar an der Weltspitze.

Verteidigungsministerium muss Export absegnen
Einem Export von sensiblen Sicherheitsprodukten muss in Israel in jedem Fall das Verteidigungsministerium zustimmen. Dennoch bezweifeln Menschenrechtsgruppen, dass der inneren Verfassung in den Kundenstaaten ausreichend Rechnung getragen wird. "Oppositionelle und Journalisten sind der zudringlichen Überwachung autoritärer Regierungen ausgesetzt. Und manchen Aktivisten wurden unter Folter ihre eigenen Mails vorgelesen", erklärt Privacy International.

Die Spionagesoftware "Pegasus" war von der Sicherheitsfirma Lookout und dem Citizen Lab an der Universität Toronto entdeckt worden, nachdem der Bürgerrechtler Ahmed Mansoor aus den Vereinigten Arabischen Emiraten sie auf verdächtige Nachrichten auf seinem Handy aufmerksam machte.

Sie fanden heraus, dass sein iPhone "ein digitaler Spion in seiner Hosentasche geworden wäre, in der Lage, über Kamera und Mikrofon die direkte Umgebung zu erschnüffeln, WhatsApp- und Viber-Nachrichten aufzuzeichnen und ständig seinen Aufenthaltsort festzustellen".

NSO: "Wir halten uns strikt an Gesetze"
Die Firma NSO bestätigte auf Anfrage nicht, dass die von ihr entwickelte Spionagesoftware in den Emiraten zum Einsatz kam. Sprecher Samir Dahbash betonte dagegen auf Anfrage: "Wir halten uns strikt an die Gesetze und Regelungen für die Exportkontrolle. Außerdem betreiben wir keine unserer Systeme selbst; wir sind ein reines Technologieunternehmen." Das israelische Verteidigungsministerium antwortete nicht auf die Bitte um eine Stellungnahme.

Die Führungsrolle Israels auf dem Feld der Cybertechnologie habe ihre Hauptursache im wirtschaftlichen Engagement ehemaliger Mitglieder der militärischen Elite-Einheit 8200, die mit der NSA in den USA vergleichbar ist, erklärt Daniel Cohen, Experte für Cyberterrorismus am renommierten Institut für Nationale Sicherheit (INSS) in Tel Aviv. "Wenn sie die Uniform ausziehen, nutzen diese Experten ihr Wissen, um einschlägige Startups zu gründen oder bei entsprechenden Firmen anzuheuern."

Israel ist eine Hochburg des Cyber-Sektors
In Israel gebe es inzwischen 300 Unternehmen im Cyber-Sektor, dazu die Spezialabteilungen in der Rüstungsindustrie, berichtet Cohen. "Die übergroße Mehrheit beschäftigt sich ausschließlich mit dem Schutz militärischer und ziviler Informatiksysteme vor Cyberangriffen. Knapp zehn Prozent widmen sich dem offensiven Marktsegment, also Technologien, die das Eindringen in fremde Systeme ermöglichen", führt er aus.

In Israel angesiedelte Firmen haben Überwachungstechnik für Internet und Telekommunikation an die Geheimpolizei in Usbekistan und Kasachstan sowie die Sicherheitskräfte in Kolumbien geliefert, berichtet Privacy International. Solche Technologien seien auch nach Trinidad und Tobago, Uganda, Panama und Mexiko geliefert worden.

Das Citizen Lab im kanadischen Toronto schlussfolgerte: "Es ist klar, dass zusätzliche gesetzliche Regulierungen für diesen Markt unverzichtbar sind. Denn während diese Spionagesoftware in Demokratien entwickelt wird, wird sie weiterhin in Länder verkauft, die notorisch bekannt sind für die Verfolgung von Bürgerrechtlern."

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Aktuelle Schlagzeilen
Nach Reals CL-Triumph
Zidane jubelt: „Das ist ein historischer Moment!“
Fußball International
Frühzeitiges Final-Aus
Das Salah-Drama! Jetzt wackelt sogar die WM
Fußball International
Unglücksrabe
Karius bittet unter Tränen um Entschuldigung
Fußball International
„Sargnagel“ Karius
Liverpool-Goalie schenkt Real Madrid den CL-Titel!
Fußball International
Irres CL-Finale
Jahrhundert-Tor im Schatten zweier Mega-Patzer
Fußball International
Es ging heiß her
CL-Finale: Die Eröffnungsshow in Bildern
Fußball International

Für den Newsletter anmelden