Fr, 24. November 2017

„Krone“ vor Ort

26.08.2016 16:25

Nach schwerem Beben: Ganz Italien zeigt Herz

Nach dem verheerenden Erdbeben wird Italien von einer Welle der Solidarität erfasst - ein ganzes Land zeigt Herz. Spendentransporter von Udine bis Sizilien sind auf dem Weg in die mittelitalienische Bebenregion. An Bord der Privatautos und Klein-Lkws sind vor allem Wasser und haltbare Lebensmittel. Doch auch Gewand für Frauen, Kinder und Männer, die all ihre Habseligkeiten in den Trümmern verloren haben, ist unterwegs.

"Es ist wichtig, sich in so einer schweren Situation zu unterstützen und füreinander da zu sein", sagt Gemeindemitarbeiter Fernando S. (58) zur "Krone" - er stammt aus Rieti, unweit von Amatrice, wo die Naturgewalt eine Katastrophe ausgelöst hat.

Doch nicht nur Lebensmittel und Kleidung sind gefragt. Viele Teddybären und andere Stofftiere wurden gesammelt, um die vielen Kinder, die auch von der Bebenhölle betroffen sind, ein wenig aufzuheitern.

Viele Freiwillige packen mit an
Zudem kommen immer mehr Freiwillige in die Krisenregion und packen an. Sie sind unterschiedlichster Herkunft, doch in der Sache vereint: etwa Fußball-Fans aus Perugia, auf deren schwarzen T-Shirts "Brigata Ultrà" steht, Flüchtlinge aus Afrika in Basketball-Sportgewand oder Jugendliche mit einer Extramenge Gel in den Haaren aus den Nachbardörfern. Viele Helfer graben mit den bloßen Händen nach immer noch etlichen Vermissten unter den Trümmern.

Zudem nutzen viele Gastronomiebetriebe die laufende Sommersaison noch aus, um Geld zu sammeln. So will zum Beispiel Stefano Cichetti am Samstag einen Themenabend in allen Restaurants, Pizzerien und Trattorien am Adria-Strandabschnitt Alba Adriatica veranstalten. "Es gibt überall eine typische Spaghetti-Version aus Amatrice zu essen und jeder Gast sollte etwa zehn Euro spenden", so die Idee dahinter.

"Gemeinsam schaffen wir das"
"Das ist eine sehr turbulente und schwere Zeit für uns alle, doch gemeinsam schaffen wir auch das", ist Tommaso Della Longa überzeugt. Er ist der Sprecher des italienischen Roten Kreuzes. Die Mitglieder der Hilfsorganisation stehen seit Tagen im Dauereinsatz. Aus dem ganzen Land strömen Kollegen herbei, um die lokalen helfenden Hände abzulösen und zu unterstützen.

Das Ausmaß der Zerstörung wurde mit einer Drohne gefilmt:

Vatikan verspricht sofortige Hilfe
Auch Papst Franziskus hat sich zu Wort gemeldet und sprach den betroffenen Menschen sein tiefes Mitgefühl aus: "Dass unter den Opfern Kinder sind, hat mich sehr berührt." Der Vatikan versprach eine sofortige finanzielle Hilfe. Auch von der italienischen Politik wird Hilfe zugesagt. "Wir lassen jetzt sicher niemanden alleine", hieß es von Premier Renzi. Zudem wurde der Notstand ausgerufen. Im Politzentrum Rom wurden bei einer ersten Krisensitzung bereits die ersten 50 Millionen Euro für die Unterstützung der Menschen freigegeben. Mit dem Geld soll den Opfern schnell und vor allem unbürokratisch geholfen werden.

Nachbeben erschweren die Arbeit
Indes kämpfen die rund 6000 Helfer unermüdlich weiter gegen die Zeit. Sie alle haben nur ein Ziel: noch weitere Vermisste lebendig zu finden. Doch dazwischen stockt ihnen immer wieder der Atem - denn ständig lassen starke Nachbeben den Horror wieder aufflackern. "Es ist der Albtraum auf Erden", meint ein Arbeiter auf einem Schuttkegel. Er wischt sich den Schweiß von der Stirn - dann greift er wieder zum Spaten. Jede Sekunde zählt.

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