Di, 21. November 2017

Schock in Italien

24.08.2016 15:15

Opfer: „Zehn Sekunden haben hier alles zerstört“

Es sind diese schrecklichen Bilder, die sich in Italien in die Erinnerung einbrennen werden. Eingestürzte Häuser, Menschen, die aus Trümmern gezogen werden, Spürhunde, Tränen, Verzweiflung. Erdbeben kennt man hier, aber dieses Beben war besonders heftig. Ein Einwohner, Marco, erzählte Reportern: "Ich habe durch ein Wunder überlebt. Ich bin gerade aufgestanden, als alles eingestürzt ist. Zehn Sekunden haben gereicht, um alles zu zerstören."

Bis in den Süden Österreichs waren die Erdstöße zu spüren, die in der Nacht auf Mittwoch die mittelitalienische Region um Latium, Umbrien, Abruzzen und die Marken trafen. Die Angaben zur Stärke des Bebens schwanken zwischen 6 und 6,2. Besonders schwer getroffen wurden die Dörfer Amatrice, Accumoli und Pescara del Tronto. Dort sieht es aus wie nach einem Bombenangriff - Trümmer, Staub, eingerissene Häuser. Die Zahl der Todesopfer steigt immer weiter, Dutzende Menschen werden noch vermisst - darunter auch viele Kinder.

Nicht weit von hier hatte sich 2009 das fatale Erdbeben von L'Aquila ereignet, bei dem mehr als 300 Menschen starben. Es hatte die gleiche Stärke wie das jetzige. "Das, was wir in L'Aquila vor Jahren gesehen haben, ist nun hier geschehen", sagte der Bürgermeister von Amatrice, Sergio Pirozzi. "Viele sind noch unter den Trümmern. Wir bereiten einen Ort für die Leichen vor."

Mutter aus L'Aquila verlor jetzt ihr Kind
Eine Mutter, die wegen des schweren Bebens in L'Aquila vor sieben Jahren aus der Stadt weggezogen ist, verlor bei dem jetzigen Beben ihr Kind. Martina Turco war mit ihrem Partner und ihrer eineinhalbjährigen Tochter in Arquata del Tronto in ihrem Ferienhaus, als das Gebäude einstürzte. Die Familie wurde verschüttet. Die Frau und ihr Lebensgefährte überlebten, der Vater mit Verletzungen am ganzen Körper. Beide wurden in ein Krankenhaus gebracht. Für die kleine Marisol kam die Hilfe zu spät.

Der Bürgermeister des Ortes Accumoli, Stefano Petrucci berichtete mit zitternder Stimme, kein einziges Haus sei mehr bewohnbar. Die Bausubstanz ist marode. Die Häuser sind teils Jahrhunderte alt - und stürzen bei den schweren Erdstößen in sich zusammen wie Kartenhäuser. Journalisten vor Ort sprachen von "apokalyptischen Szenen", Helfer schaufelten mit bloßen Händen die Trümmer zur Seite, um Überlebende zu finden. Die Retter kommen schwer zu den betroffenen Orten - Straßen sind blockiert, Brücken einsturzgefährdet.

Genauso schlimm sieht es in Pescara del Tronto aus. Hier sind mehrere Tote zu beklagen, eine Familie mit zwei kleinen Kindern wurde verschüttet - kein Lebenszeichen von ihnen. "Es war schrecklich. Mein Mann ist mit meiner Tochter aus dem Fenster gesprungen, um sie zu retten", erzählte eine Frau. In einem anderen Fall rettete eine Großmutter ihre vier und sieben Jahre alten Enkel, weil sie sie unter einem Bett geschützt hatte.

Keine Österreicher unter den Opfern
Mitten in der Urlaubszeit sind zahlreiche österreichische Touristen im südlichen Nachbarland unterwegs. Hinweise darauf, dass Österreicher unter den Opfern sind, gibt es bisher nicht, wie das Außenministerium am Mittwochnachmittag bestätigte. Die Botschaft in Rom stehe in ständigem Kontakt mit den italienischen Behörden, die einen Krisenstab gebildet hätten, so der Sprecher des Ministeriums, Thomas Schnöll.

Österreich steht nach der Katastrophe für Hilfe bereit. "Wir bieten unsere bestmögliche Unterstützung an", schrieb Außenminister Sebastian Kurz am Montag auf Twitter an seinen italienischen Amtskollegen Paolo Gentiloni. "Meine Gedanken sind bei den Opfern und Angehörigen", so Kurz. Auch das Österreichische Rote Kreuz bot Betten und Decken an. Experten seien "zur Entsendung nach Italien einsatzbereit", hieß es. Außerdem wurde um Spenden gebeten. Für die Tausenden Menschen, die nun obdachlos sind, wurden bereits Zeltstädte errichtet.

Afrikanischen Platte sorgt für starke Erdbeben
Italien gehört zu den besonders erdbebengefährdeten Ländern Europas. Ein Beben mit einer Stärke wie jetzt kommt dort durchschnittlich alle zehn Jahre vor. Unter dem Land bewegt sich ein etwa 1000 Kilometer langer Keil der afrikanischen Platte mehrere Meter im Jahrhundert nach Norden und Westen und drückt gegen die Alpen und den Apennin. Dabei bauen sich Spannungen im Untergrund auf. Werden diese Spannungen zu groß, kommt es zu einem Bruch und die Erde bebt.

Video: Zahlreiche Tote bei Erdbeben in Italien

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