So, 18. Februar 2018

Euro-3-Kehraus

29.08.2016 16:57

Auf Schlussrunde mit der BMW S 1000 RR

Die BMW S 1000 RR ist unter den aktuellen Superbikes das mit der meisten Power in der Drehzahlmitte (wobei ihr da durchaus zupass kommt, dass sie noch nach Euro 3 homologiert ist). Das macht sie vom Antrieb her besonders leicht zu fahren, was mir als relativem Normal-Fahrer sehr entgegenkommt. Nächstes Jahr muss sie wie alle neuen Motorräder die Euro-4-Norm erfüllen, dann wird sich zeigen, was von der fetten Mitte übrig bleibt.

Doch was heißt Euro 4 überhaupt? Kurz: ein 60 Seiten dickes Regelwerk, das schon jetzt für neu in den Verkehr kommende Baureihen gilt, nächstes Jahr dann für alle neu zugelassenen Motorräder. Die Hersteller müssen etablierte Modelle also adaptieren und neu typprüfen lassen - oder einstampfen.

Inhaltlich gehören dazu unter anderem eine On-Board-Diagnose mit Fehlerspeicher, eine geschlossene Tankentlüftung mit Aktivkohlefilter, leisere Auspuffanlagen und natürlich verschärfte Schadstoffemissionsvorschriften. Und genau hier wird es im Fahrbetrieb spürbar. So öffnet manches Bike, wie z.B. die Kawasaki ZX-10R, im mittleren Drehzahlbereich einfach die Drosselklappen nicht ganz, damit das Abgas passt. Das lässt sich zwar mit einem neuen Mapping umgehen, allerdings verliert man dann die Zulassung.

Gesegnete Euro-3-Norm
So viel zur Theorie. Fakt ist: Die aktuelle RR ist noch Euro 3 und sie schiebt Mörder an, obwohl die Werte auf dem Papier so einen deutlichen Vorteil gar nicht vermuten lassen. 199 PS bei 13.500/min. stehen da, dazu 113 Nm bei 10.500/min., und doch ispürt man es. Noch. Wobei: Nach Aussagen aus den Reihen von BMW wird sich nicht viel ändern, von einer Drehmomentdifferenz von rund 1 Nm ist die Rede, also von einem Manko, das in der Serienstreuung untergehen könnte. Da ist schon fast störender, dass dann künftig ein seitlicher roter Rückstrahler links und rechts angebracht sein muss. Na gut, wenn es der Sicherheit dient. Schön ist halt anders.

Ein Grund mehr, mit der aktuellen Version - in rot-weiß-roter Lackierung - auf eine Art Zwei-Ring-Tournee zu gehen, die am Pannoniaring begann und am Red Bull Ring endete. 1000PS.at lud jeweils zur Gripparty, also zum freien Fahren in drei Neigungsgruppen, daher der rote Aufkleber auf meinem Helm.

Dritter Gang statt Automatik
Das Schöne am Pannoniaring: Er ist eine echte Motorradstrecke und wer sich nur auf die Linie konzentrieren will (da gibt es viel zu üben), kann sich in Wahrheit das Schalten sparen. Außer auf Start-Ziel natürlich. Der Rest geht wunderbar im dritten Gang, sogar in der roten Gruppe, also der schnellsten, vor allem eben mit der BMW. Mit anderen Motorrädern, wie etwa Yamaha R1 oder Kawasaki ZX-10R, geht das zwar auch, da kostet diese schaltfaule Fahrweise im Vergleich aber die eine oder andere Sekunde, weil es aus den Ecken heraus teilweise länger dauert, bis ernsthafter Vortrieb stattfindet.

Andererseits ist gerade das Schalten eine besondere Freude an der BMW, jedenfalls wenn der "Schaltassistent Pro" an Bord ist. Dann kann man die Kupplung nach dem Start getrost vergessen, Rauf- und Runterschalten funktioniert sauber ohne. Auch so ein Feature, das gerade unerfahrenen Bikern Sicherheit gibt, weil sie einen Handgriff weniger verrichten müssen und die Hand fest (aber auch locker) am Lenker bleiben kann.

Schraub- und Schalt-Assistent
Gerade für die Rennstrecke ist zudem ideal, dass man bei er S 1000 RR in Minutenschnelle das Schaltschema umkehren kann. Schraube raus, Schraube rein, fertig. Spätestens am Red Bull Ring ist das Gold wert, denn auf der Hochgeschwindigkeitsstrecke geht ohne Schalten gar nichts. In Kurve drei muss man sogar in den ersten Gang runter, wenn man nicht verhungern will - außer man hat die Bayerische zwischen den Beinen, die "derblast" es auch im zweiten, wenn es sein muss. Für die Zeitenjagd braucht aber auch sie den ersten.

Ob es nun am mittenstarken Motor liegt oder an der Sitzposition, die mir mit meinen 1,88 m entgegenkommt - ich fahre mit der BMW die besten Zeiten. Mal sehen, was (sie) das nächste Jahr bringt. Und mal sehen, wie viele Motorradmodelle die Hersteller aus dem Programm nehmen, weil sie nicht mit vertretbarem Aufwand auf Euro 4 upzudaten sind.

Aus dem Video-Archiv: Die BMW S 1000 RR

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