So, 27. Mai 2018

4 Zylinder + E-Motor

21.08.2016 17:10

BMW 740Le: So fährt sich das Hybrid-Flaggschiff

BMW gibt Vollgas bei der Elektrifizierung der Flotte, bzw. arbeitet mit Hochspannung daran. Zwar bleibt der BMW i3 (neuerdings mit 50% mehr Reichweite) das einzige reine Elektroauto, jedoch gibt es bei den Münchnern jetzt Hybridantrieb sogar im Flaggschiff der Marke. Der BMW 740Le xDrive hat so viele Zylinder wie angetriebene Räder und zwei Motoren, die eine Systemleistung von 326 PS generieren.

Seit Jahren erweitern die Münchner ihre Kompetenz und damit ihr Image auf "Freude am Fahren" UND "effizientes Fahren", verbunden mit einem Hang zum Elektrischen. "i" ist bei BMW die Marke mit der Steckdose, unter deren Bezeichnung die Carbon-Fahrzeuge i3 und i8 entstanden sind. Für die Hybriden in normalen Autos wurde nun die Bezeichnung "iPerformance" geschaffen - bei der der Name Programm ist: Es ist immer ein Elektromotor mit dabei (im Zusammenspiel mit einem Benziner) und Performance erwartet man bei BMW ohnehin.

Warum ausgerechnet "i" der Buchstabe fürs Elektrische ist, versteht man, wenn man die relevanten Begriffe ausspricht. "eDrive" nennen sie den Elektroantrieb, bzw. "Max eDrive" den Fahrmodus, der den Siebener rein elektrisch fahren lässt, bis die maximal 7,4 kWh aus den Akkus verbraucht sind. Und "eDrive" spricht man bekanntlich englisch "iDreif". Nun darf man nur nicht auf die Idee kommen, den BMW i3 englisch auszusprechen, analog zum iPhone, weil eidrei dann doch ein bisserl komisch klingt. "eiPerformance" wiederum ist okay. Aber eigentlich ist ja wurscht, wie's heißt, Hauptsache, es fährt gut.

Und das tut es. Es ist schon ein erhebendes Gefühl, im überlangen Siebener, dem 740Le xDrive, lautlos dahinzugleiten, weil er bis maximal 140 km/h elektrisch fährt. Im Hybridmodus bleibt der Zweiliter-Vierzylindermotor bis 80 km/h stumm, wenn man seinen rechten Fuß im Griff hat. Nach offizieller Diktion gehen sich bis zu 45 Kilometer aus (im 740e 3 km mehr), realistischerweise sind es einige weniger.

Der Antrieb im Einzelnen
Unter der Motorhaube werkt erstmals in einem 7er-BMW ein aktualisierter Vierzylindermotor (jedenfalls in Europa, in China verkaufen sie den wie geschnitten Brot), der aus den kleineren Baureihen im Prinzip bekannt ist, insbesondere aus dem BMW 330e, und hier wie dort von einem Elektromotor unterstützt wird, der ins Getriebe integriert ist. Das Prinzip ist identisch, im Siebener steckt aber mehr Power. Der Benziner leistet 258 PS, die E-Maschine 113 PS, was eine Systemleistung von 326 PS ergibt. Das entspricht (wohl kaum zufällig) dem Wert des Sechszylinder-Benziners im BMW 740i. Also i, nicht e mit iPerformance, wenn das jetzt nicht zu verwirrend ist.

Das Zusammenspiel der beiden Motoren funktioniert absolut reibungslos, auf den Displays lässt sich jederzeit verfolgen, woher die Kraft gerade kommt oder wohin sie geht. Daran, dass manchmal plötzlich der Benziner unterstützend in die Ruhe hineinstartet, wenn man Gas gibt, gewöhnt man sich. Auch an das leicht veränderte, aber nicht wirklich störende Pedalgefühl beim Bremsen: Hier entschleunigt ja zuerst der Elektromotor, indem er Energie zurückgewinnt, bevor dann nahtlos die klassische Bremse dazukommt.

Was den Verbrauch betrifft - der kommt ganz auf Einsatzbereich, Fahrtstrecke und Ambitionen an. Sachte betätigt bringt der 740e einen Pendler unter Umständen rein elektrisch 35 km weit in die Arbeit, im Hybridbetrieb können sich auch die gut zwei Liter Normverbrauch ausgehen, wenn man nicht zu weit fährt. Ist der Akku leer, schaut die Sache anders aus, denn mit einem Vierzylinder-Benziner zwei Tonnen Auto standesgemäß zu bewegen, fordert seinen Tribut. Wenn man dann auch noch den Modus aktiviert, der die Batterie während der Fahrt wieder auflädt (wie weit, lässt sich einstellen), sind Verbräuche um 15 Liter ganz normal (aber gut, das sollte man einfach nicht machen).

Performance gibt es auch. Gefühlt ist immer jede Menge Kraft vorhanden, der Standardsprint ist mit 5,3 Sekunden für den fetten Allradler absolut beachtlich. Auf Dauer kann man dann aber der Tanknadel beim Sinken zuschauen: Der Tank fasst nur 46 Liter. Einmal in Suben an der Grenze volltanken, dann mit Vollgas zum Münchner Flughafen wird sich ohne Tankstopp eher nicht oder nur knapp ausgehen. Bei BMW heißt es, das ist nicht die Art, wie Kunden dieses Auto einsetzen, daher haben sie mehr Wert darauf gelegt, den Kofferraum so groß zu erhalten, denn von irgendwoher muss der Platz ja kommen. Volvo hat beim XC90 T8 übrigens ein ähnliches Problem mit dem 50-Liter-Tank - ab nächstem Jahr bekommt er aber über 60 Liter.

Unterm Strich
Der BMW 740Le xDrive ist ein brillantes Auto, wenn man Hybride mag. Akustische Feinspitze und Freunde der BMW-Sechszylinder-Kultur werden sich vielleicht am Vierzylinder stoßen, der allerdings schon sehr schön gedämmt ist und im Rahmen der Möglichkeiten gut klingt. Da haben sie auch im Vergleich zum BMW 330e noch etwas weitergebracht.

Was den Preis betrifft, ist das Hybrid-Flaggschiff gerade in Österreich fast schon ein Schnäppchen, weil in diesen Preisregionen die NoVA-Befreiung besonders zuschlägt. Dadurch ist der Einstiegs-7er in Österreich also ein Hybrid, denn der heckgetriebene 730d ist 300 Euro teurer als der 740e, der ab 95.700 Euro zu haben ist. 105.000 Euro kostet der BMW 740Le xDrive und damit 11.000 Euro weniger als der Sechszylinder-Benziner 740Li xDrive und 7000 Euro weniger als der Sechszylinder-Diesel 740Ld xDrive (320 PS).

Aber nach dem Preis sollte man sich nicht ausschließlich entscheiden - die Unterschiede verlieren sich bei BMW naturgemäß in der Aufpreisliste…

Warum?

  • Top Zusammenspiel der Motoren und beim Bremsen
  • Preislich in Österreich verhältnismäßig günstig

Warum nicht?

  • Vierzylinder-Benziner im 7er ist nicht jedermanns Sache
  • Geringe Reichweite im Verbrennerbetrieb

Oder vielleicht …

… Mercedes S 400 h - der hat sogar einen V6-Benziner, aber 10% NoVA

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