Fr, 15. Dezember 2017

Skandal bei Olympia

19.08.2016 00:18

Haben US-Schwimmer Überfall in Rio frei erfunden?

Kann das denn echt wahr sein? US-Schwimmstar Ryan Lochte soll den mutmaßlichen Überfall auf ihn und drei seiner Teamkollegen in Rio de Janeiro erfunden haben! Ein am Donnerstag im TV ausgestrahltes Video erhärtet diesen Verdacht. Polizeiquellen sprechen von "Lügen", vielmehr sollen die Athleten auf einer Tankstelle randaliert haben. Der angebliche Überfall in der Nacht von Samstag auf Sonntag hatte für erheblichen Wirbel gesorgt und die Sicherheitsdebatte um die Rio-Spiele ordentlich angeheizt. Das Image der von Kriminalität geplagten Stadt litt weiter.

Das auf "Globo TV" ausgestrahlte Video einer Überwachsungskamera der Tankstelle zeigt, wie Lochte und seine Teamkollegen Jack Conger, Gunnar Bentz und Jimmy Feigen mit den Tankstellen-Angestellten diskutieren. Aber nicht mehr. Allerdings hatten die Athleten gegenüber der Polizei davon nichts erwähnt. "Sie haben uns angelogen", erklärte ein ranghoher Offizier der Polizei in Rio gegenüber Reuters. Weil die Ermittlungen aber noch andauern, wollte der Beamte anonym bleiben. Während Lochte bereits zurück in den USA ist, verweigert die brasilianische Polizei den restlichen drei Athleten die Ausreise.

Quartett soll auf Tankstelle randaliert haben
Nach inoffiziellen Polizeiangaben sollen einige der vier Athleten an einer Tankstelle nahe des olympischen Dorfes zunächst die Tür einer Toilette eingetreten haben. Anschließend sei ein Sicherheitsmann gekommen. Eine Waffe habe der Mann aber nie gezogen. Der Geschäftsführer der Tankstelle habe wenig später von den Schwimmern eine Entschädigung für die eingetretene Tür verlangt. Nach einer Diskussion hätten die Athleten bezahlt und seien weitergefahren.

Immer mehr Widersprüche kamen auf
Die Ungereimtheiten um den Überfall waren zuletzt immer größer geworden. Der 32-jährige Lochte hatte bereits Teile seiner Aussagen und Details relativiert. Dem US-Sender NBC News sagte er am Mittwochabend, dass er und drei Teamkollegen überfallen worden seien, als ihr Taxi an einer Tankstelle gehalten habe. Zuvor hatte er erklärt, dass als Polizisten verkleidete Räuber das Auto angehalten hätten. Zudem habe ein Täter ihm eine Waffe nicht direkt an den Kopf gehalten, wie ursprünglich angegeben, sondern sie nur auf ihn gerichtet.

OK-Sprecher zeigt sich nachsichtig
Das Organisationskomitee hatte sich zunächst für den Vorfall entschuldigt, gab sich nach der neuesten Entwicklung aber nachsichtig. "Wir müssen verstehen, dass diese Burschen Spaß haben wollen. Sie stehen bei den Wettkämpfen unter gigantischem Druck", sagte Sprecher Mario Andrada ohne Groll. "Gebt den Burschen eine Pause. Manchmal machst du Sachen, die du später bereust. Sie sind großartige Sportler. Sie haben einen Fehler gemacht, das gehört zum Leben. Und das Leben geht weiter."

Sportlern droht nun sogar eine Anklage
Die Behörden nehmen den Vorfall indes ernster. Conger und Bentz wurden an der Ausreise aus Brasilien in die USA gehindert, und es wurden ihnen die Pässe entzogen. Mittlerweile sind beide von den örtlichen Behörden wieder freigelassen worden. Auch Feigen plant demnach eine Aussage, ohne die er nicht ausreisen kann. Lochte war zu dem Zeitpunkt bereits schon wieder in den USA. Die brasilianische Polizei will nun das FBI um Mithilfe bitten, um weitere Informationen von Lochte zu bekommen. Brisant: Laut der Polizei droht den Sportlern eine Anklage wegen Vortäuschung einer Straftat und Sachbeschädigung.

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