Sa, 18. November 2017

Lebendes Fossil

16.08.2016 19:06

Forscher suchen in Afrika nach „Pokémon-Tier“

Es ist blitzschnell und so schwer aufzuspüren wie ein Pokémon: In Afrika sind Wissenschaftler jetzt einem extrem scheuen Nagetier auf der Spur, das als lebendes Fossil gilt. Die Rede ist vom Dornschwanzbilch (Zenkerella insignis), von dem Forscher bisher nur wenige tote Exemplare gefunden haben.

"Man könnte ihn als das ultimative Pokémon bezeichnen, das Wissenschaftler noch nie lebendig fangen konnten", berichtete Erik Seiffert von der University of South California. Jetzt sind drei unversehrte tote Tierchen in Jägerfallen entdeckt worden. Erstmals konnte ein DNA-Abstrich gemacht werden, wie die Forscher im Fachjournal "PeerJ" berichten.

Nager "mit faszinierender Überlebensgeschichte"
Damit liegen der Wissenschaft nun insgesamt 14 Exemplare des mysteriösen Nagers mit dem schuppenbesetzten Schwanz vor, über dessen Lebensweise bisher kaum etwas bekannt ist. Die Forscher verglichen die DNA mit dem Erbgut anderer Nager. Es zeigte sich unter anderem, dass Zenkerella insignis entfernt mit zwei Gleithörnchen verwandt ist und auch zu einer Gruppe prähistorischer Nagetiere namens Anomaluroidea gehört, die es bereits vor 49 Millionen Jahren gab. Vertreter dieser Tiergruppe können dank ihres mit Schuppen versehenen Schwanzes geschickt an Bäumen hochklettern.

"Das ist eine faszinierende Geschichte des Überlebens", sagte Seiffert. Der Dornschwanzbilch habe diese immense Zeitspanne mit minimalen Veränderungen überlebt, wie der Vergleich mit fossilen Funden zeigte. Unter den 5400 Säugetierspezies gelte Zenkerella insignis deshalb zusammen mit nur drei weiteren Arten als lebendes Fossil.

Fleisch der Nager ist ungenießbar
Zugleich wirft das Tierchen noch viele Rätsel auf. Einheimische im westlichen Zentralafrika berichten davon, dass sie höchstens ein bis zwei Dornschwanzbilche pro Jahr in ihren Fallen finden. Das Fleisch sei aber ungenießbar. Das Tier sei nachtaktiv und schlafe in Baumhöhlen. Auf der Bioko-Insel, wo die drei jüngsten Exemplare gefunden wurden, wollen die US-Forscher der Lebensweise des wendigen "Pokémon-Tiers" nun weiter nachgehen - wenn sie es denn erwischen.

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