Di, 21. November 2017

Erdogans „Säuberung“

10.08.2016 16:49

Vergleich mit deutscher Wiederverenigung regt auf

Die Provokationen des türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan Richtung Deutschland reißen nicht ab. Am Mittwoch verglich er die von ihm als "Säuberungen" bezeichnete Entlassungs- und Verhaftunsgwelle seit dem gescheiterten Militärputsch in seinem Land mit der deutschen Wiedervereinigung. "Hunderttausende Staatsbedienstete mit Verbindungen zum SED-Regime sind damals entlassen worden. Ihr habt das gemacht, und dann wollt ihr uns belehren", schimpfte Erdogan an die Adresse Deutschlands.

Erdogan rechtfertigte bei einer Pressekonferenz im Präsidentenpalast in der Hauptstadt Ankara die "Säuberungen" in seinem Land. "Wir sind dazu gezwungen. Es ist irrelevant, wie viele Staatsbedienstete suspendiert werden müssen. Egal, wie weit das gehen mag: 10.000, 20.000, 50.000, 60.000, 100.000, 200.000", so Erdogan.

Seit dem Putschversuch vom 15. Juli wurden bisher mehr als 60.000 Staatsbedienstete suspendiert. Mehr als 16.000 Menschen sind in Untersuchungshaft. Sie werden verdächtigt, der Bewegung des in den USA lebenden Predigers Fethullah Gülen anzugehören, den Erdogan für den Umsturzversuch verantwortlich macht.

Erdogan über Gülen-Anhänger: "Werden sie in die Knie zwingen"
Erdogan appellierte an die "patriotische Pflicht" der Türken, Anhänger Gülens anzuzeigen. In seiner Ansprache vor Vertretern der Exportwirtschaft sagte er, auch unter deren Freunden könnten sich Gülen-Anhänger befinden. "Sie sind überall eingedrungen, wie ein Virus." Die Regierung werde auch die Geschäftswelt von ihnen "säubern". "Wir haben kein Recht, Mitleid mit denen zu haben, die kein Mitleid mit ihrem Land und ihrem Volk haben", sagte er. "Nicht sie werden dieses Land, sondern wir werden sie in die Knie zwingen."

Mit Drohungen drängte Erdogan die Banken zu einer freizügigeren Kreditpolitik. "Banken, die in dieser Phase unseres Landes Kredite verweigern und mit erfundenen Vorwänden Kredite sogar zurückrufen, haben sich auf eine Seite gestellt, das will ich hier verkünden. Aber das ist nicht die Seite unseres Landes und unseres Volkes", sagte er. Wenn Banken Unternehmen in dieser kritischen Phase nicht unterstützten, sondern bei jeder Gelegenheit die Rückzahlung von Krediten forderten, dann "werte ich das als Verrat".

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Liebe Leserin, lieber Leser,

die Kommentarfunktion steht Ihnen ab 6 Uhr wieder wie gewohnt zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen
das krone.at-Team

Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden