Sa, 18. November 2017

Rettung gescheitert

10.08.2016 11:13

Causa „Alt-Wien“: Schon Hunderte Kinder umgemeldet

Nach der gescheiterten Rettung sperren mit Ende August aller Voraussicht nach alle 33 "Alt-Wien"-Kindergärten zu. Eltern müssen bis dahin einen neuen Platz für ihre Sprösslinge finden. Inzwischen sind schon Hunderte Kinder in anderen Einrichtungen untergekommen. Was die Übernahme von "Alt-Wien"-Standorten betrifft, zeigen sich Betreiber aber bislang zurückhaltend.

Allein in den städtischen Einrichtungen habe man bereits knapp 250 Plätze an "Alt-Wien"-Kinder vergeben, sagte Daniela Cochlar, Leiterin der für Kindergärten zuständigen MA 10. Die Stadt hatte am Wochenende mitgeteilt, dass rund 1900 öffentliche Plätze zur Verfügung stünden. Cochlar erwartet, dass gegen Ende der Schulferien noch viele Ummeldungen erfolgen. Denn derzeit seien wohl noch viele Familien auf Urlaub. Die MA-10-Chefin betonte auch, dass berufstätige Eltern bei der Vergabe von Hortplätzen bevorzugt würden. Die Servicestellen hätten weiterhin ausgeweitete Öffnungszeiten.

Einige Anmeldungen bei privaten Trägern
Bei den Kinderfreunden, dem größten privaten Träger, verzeichnet man bis dato 70 fixe Anmeldungen. Darüber hinaus hätten rund 130 "Alt-Wien"-Familien bereits starkes Interesse bekundet. "Die haben sich schon einen konkreten Standort angesehen und sind mit der jeweiligen Leitung in Kontakt", berichtete eine Sprecherin. Man habe für alle Altersgruppen noch Kapazitäten, wurde versichert.

Der Verein Kinder in Wien hat bisher rund 50 Anmeldungen registriert, sagte Geschäftsführerin Monika Riha. Gut 80 Standorte betreibt die Organisation in der Bundeshauptstadt. Bei der St. Nikolaus Stiftung der Erzdiözese Wien wurde inzwischen etwa ein Viertel der noch verfügbaren 210 Plätze vergeben. Viele Kapazitäten habe man noch an Standorten im 7., 10., 11., 15. und 16. Bezirk - vorrangig für Buben und Mädchen ab drei Jahren.

"Allgemeines Interesse" an Übernahme von "Alt-Wien"-Standorten
Was die etwaige Übernahme von "Alt-Wien"-Standorten betrifft, zeigten sich die privaten Träger sehr zurückhaltend. Lediglich die St. Nikolaus Stiftung hat "allgemeines Interesse" bekundet und dies dem - von der Stadt mit einem Förderstopp belegten - Vereinsverantwortlichen Richard Wenzel mitgeteilt. Man warte nun auf eine Antwort, meinte die Sprecherin. Bei den Kinderfreunden wie auch bei Kinder in Wien hieß es, dass sich die Frage einer Übernahme derzeit nicht stelle, da noch keinerlei klare Informationen über die Eigentums- oder Mietverhältnisse vorlägen und außerdem nicht klar sei, welches Ziel Wenzel eigentlich verfolge.

Forderungen bis Fristende nicht erfüllt
Die Stadt hatte in der Vorwoche endgültig einen Schlussstrich im Nervenkrieg um die 33 "Alt-Wien"-Kindergärten mit 2276 Kindern gezogen. Sie forderte von Wenzel 6,6 Millionen Euro an - laut MA 10 zweckwidrig verwendeten - Förderungen zurück und verlangte eine Bankgarantie für diese Summe sowie die Neubesetzung des Vereinsvorstands und die Nachreichung der Jahresabrechnung für 2015. Alle Forderungen waren bei Ablauf der Frist nicht erfüllt, weshalb ab Ende August kein Geld mehr von der Stadt fließt. Wenzel hatte angekündigt, alle Kindergärten insofern mit Monatsende zu schließen.

Zukunft der Mitarbeiter ungewiss
Betroffen davon sind auch gut 300 Mitarbeiter. Erika Schmidt von der Gewerkschaft GPA-djp sagte, dass die Jobchancen für die Pädagogen recht gut seien. Für die andere Hälfte der Mitarbeiter - Kindergartenassistenten und Helfer - werde es schwieriger. Man sei aber dabei, ein Programm zur "Aufqualifizierung" zu schaffen. Allgemein herrsche jedoch große Verunsicherung, weil keine konkreten Informationen über Wenzels Pläne vorlägen.

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