Di, 21. November 2017

Messdaten zeigen:

10.08.2016 07:01

Schiffslärm stört Buckelwale bei der Nahrungssuche

Schiffsgeräusche können Buckelwale bei der Nahrungssuche negativ beeinflussen. In der Gegenwart von Schiffen sind die bis zu 19 Meter langen Tiere beim Tauchen nach Beute weniger erfolgreich, wie eine Auswertung von Messdaten zeigt, die zwischen 2006 und 2009 im Nordatlantik erhoben wurden.

Forscher um Hannah Blair von der Syracuse University im US-Bundesstaat New York statteten zehn Buckelwale mit Sensoren aus, die sowohl Umgebungsgeräusche als auch die Bewegung der Tiere aufzeichneten. Die Aufzeichnungen erfolgten nachts, begannen jeweils eine Stunde nach Sonnenuntergang und endeten eine Stunde vor Sonnenaufgang. Erhoben wurden die Daten im Golf von Maine (nördliche Ostküste der USA) in der Umgebung der Stellwagen Bank. Diese flache Meeresregion ist für Buckelwale geeignet, da sie auf dem Meeresboden auf Nahrungssuche gehen.

Weibliche Tiere reagieren besonders empfindlich
Ein auffälliges Fressverhalten ist die Seitenrolle (side-roll), bei der sich die Meeressäuger bei der Jagd nach Sandaalen auf die Seite drehen. Die Forscher registrierten 29 Prozent weniger Seitenrollen, wenn Schiffsgeräusche zu hören waren. Auch das Ab- und das Auftauchen der Tiere geschah deutlich verlangsamt. Besonders empfindlich reagierten weibliche Wale auf die Geräusche, zwei davon in Begleitung ihrer Kälber und ein schwangeres Tier.

Bemerkenswert finden die Forscher, dass dieses Verhalten auch nachts zu erkennen ist, wenn deutlich weniger Schiffe unterwegs sind als tagsüber. Zwar seien Buckelwale sehr anpassungsfähig, doch vollständig könnten sie die Störung durch die Schiffe offenbar nicht kompensieren, schreiben die Wissenschaftler im Fachjournal "Biology Letters" der britischen Royal Society.

Blair und Kollegen haben mehrere mögliche Erklärungen für das veränderte Verhalten der Wale: Die Tiere könnten sich in ihren Möglichkeiten, aufzutauchen und Luft zu holen, beeinträchtigt fühlen. Auch könnten die Geräusche dazu führen, dass sich die Sandaale vermehrt in den Boden eingraben, was die Jagd auf sie schwieriger macht. Zudem könnten die Schiffsgeräusche die Verständigung der Wale untereinander stören, wenn sie ihre gemeinsame Nahrungssuche koordinieren.

Lärm stört auch zahlreiche andere Wal-Arten
Dass Schiffs- und anderer Lärm Wale stört, ist inzwischen für viele Arten nachgewiesen. Bartenwale, zu denen auch die Buckelwale gehören, gelten dabei als besonders gefährdet: Sie kommunizieren in jenen niedrigen Frequenzbereichen, die auch Schiffe hauptsächlich produzieren. Vor einigen Monaten zeigte jedoch eine Studie, dass auch Schwertwale (Orcas), die eigentlich höhere Frequenzen für die Jagd und die Verständigung nutzen, durch Schiffslärm beeinträchtigt werden.

Schon 2014 wies eine Studie nach, dass seismische Messungen Schweinswale wie den Kleinen Tümmler vertreiben. Solche Messungen verwenden Unternehmen, um beispielsweise Rohstoffvorkommen oder die geologischen Bedingungen vor dem Bau von Windparks erkunden.

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