Do, 19. Oktober 2017

Täter (19) verhaftet

04.08.2016 14:12

London: Eine Tote und Verletzte bei Messerattacke

Ein Angreifer hat am späten Mittwochabend in London auf offener Straße mit einem Messer auf Passanten eingestochen. Eine Frau starb laut Polizeiangaben noch am Tatort, mindestens fünf weitere Menschen wurden verletzt. Der 19-jährige Täter mit somalischen Wurzeln wurde verhaftet, laut ersten Erkenntnissen der Polizei dürften psychische Probleme bei den Beweggründen für die Tat eine wichtige Rolle gespielt haben. Weil auch ein terroristischer Hintergrund nicht ausgeschlossen werden kann, wurde die Anti-Terror-Gruppe zu den Ermittlungen beigezogen.

Der erste Ermittlungsstand lege nahe, dass "die mentale Gesundheit ein wichtiger Faktor in diesem Fall" sei, so die Londoner Polizei Donnerstagfrüh. "In diesem Stadium werden wir aber selbstverständlich in alle Richtungen ermitteln, womit Terrorismus als Tatmotiv eine Spur bleibt, der wir nachgehen werden." Bei der Befragung des Täters hätten die Ermittler jedoch keinen Hinweis auf eine Radikalisierung oder terroristische Motive des jungen Mannes gefunden, teilte die britische Polizei mit.

Laut Polizeiangaben ging der Täter gegen 22.30 Uhr (Ortszeit) am Russell Square, einem begrünten Platz in der Londoner Innenstadt, auf Menschen los. Mindestens sechs Menschen seien verletzt worden, eine Frau, die an Ort und Stelle behandelt wurde, sei an ihren schweren Verletzungen gestorben.

Der Täter, ein 19-jähriger norwegischer Staatsbürger mit somalischen Wurzeln, sei von einem Beamten mit einem Elektro-Taser überwältigt und festgenommen worden. Zwischen dem ersten Alarmruf bei der Polizei und der Festnahme seien sechs Minuten vergangen.

Platz war 2005 Schauplatz von Anschlagserie
Am Russel Square waren am 7. Juli 2005 bei einer von einer Bombe verursachten Detonation in einem Doppeldeckerbus mehrere Menschen getötet bzw. verletzt worden. Vier Selbstmordattentäter hatten damals in der morgendlichen Stoßzeit mehrere Sprengsätze gezündet und insgesamt 52 Menschen in den Tod gerissen, mehr als 700 trugen zum Teil schwerste Verletzungen davon.

Die Attentäter, die die Bomben in Rucksäcken getragen und sich auch selbst in die Luft gesprengt hatten, wurden später dem Umfeld des Terrornetzwerkes Al-Kaida zugeordnet. Es war eine der aufsehenerregendsten Terrorattacken nach den Anschlägen vom 11. September 2001 in den USA.

Der Russell Square ist ein belebter Platz mit einer Reihe von Hotels und liegt in der Nähe des British Museum und der Londoner Universität. Der 22-jährige Tourist Xavery Richert beobachtete die Tat. "Ich habe mir ein Bier gekauft, als ich die Schreie einer Frau hörte, die von einem Mann verfolgt wurde", so der Franzose. Er habe zunächst an einen Handtaschenraub gedacht. Die Frau sei weggerannt und unverletzt entkommen. Später habe er dann Einsatzkräfte und eine mit einem Tuch bedeckte Leiche auf dem Platz gesehen.

Polizei warnte vor Terroranschlägen in London
Erst am Sonntag hatte Londons Polizeichef Bernard Hogan-Howe vor Terroranschlägen in der Metropole gewarnt. Die Frage sei nicht, ob es einen solchen Anschlag geben werde, sondern wann er sich ereigne, hatte Hogan-Howe gesagt. "Als Verantwortlicher für die Abwehr einer solchen Attacke würde ich gerne beruhigen. Aber ich fürchte, ich kann das nicht tun."

Erinnerung an jüngste Attacken in Deutschland
Bei Axt- bzw. Messerattacken in Deutschland waren erst jüngst ein Mensch getötet und zehn weitere - zum Teil schwer - verletzt worden. Auch in diesen Fällen hatte die Polizei in Zusammenhang mit den Bluttaten von psychischen Problemen der Täter gesprochen.

In der Nähe der bayrischen Stadt Würzburg hatte am 19. Juli ein afghanischer Asylwerber in einem Regionalzug Reisende mit einer Axt und einem Messer angegriffen und fünf Menschen verletzt. Nur fünf Tage später ermordete ein 21-jähriger Asylwerber aus Syrien in Reutlingen im deutschen Bundesland Baden-Württemberg auf offener Straße eine Frau und verletzte auf der Flucht fünf Menschen.


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