Do, 23. November 2017

Hirnströme gemessen

03.08.2016 11:00

Ein Auge offen: Fregattvögel schlafen in der Luft

Fregattvögel schlafen beim Fliegen und halten dabei meist ein Auge offen - vermutlich um den Zusammenstoß mit anderen Tieren zu vermeiden. Das haben jetzt Forscher des Max-Planck-Instituts für Ornithologie im bayerischen Seewiesen herausgefunden, die die Hirnströme der Vögel während des Fluges gemessen haben.

Die Tiere brauchen während ihrer oft tagelangen Flüge weit weniger Schlaf als an Land, schreiben die Wissenschaftler im Fachblatt "Nature Communications". Fregattvögel haben eine Flügelspannweite von über zwei Metern und können mehrere Hundert Kilometer pro Tag fliegen.

Meist bleibt eine Gehirnhälfte wach
Das Forscherteam um Niels Rattenborg stellte fest, dass die Tiere in der Luft gerade einmal 45 Minuten pro Tag schlummern. Meist bleibt eine Hirnhälfte wach und das dazugehörige Auge offen. Teilweise waren aber auch beide Hirnhälften im Schlafmodus. Trotzdem stürzen die Fregattvögel nicht ab. Für die aerodynamische Kontrolle sei es wohl nicht nötig, eine Gehirnhälfte wach zu halten, schlussfolgern die Forscher.

Als Versuchstiere dienten dem internationalen Forscherteam Fregattvögel, die auf den Galapagos-Inseln brüten. Die Ornithologen befestigten an den Köpfen von weiblichen Tieren Geräte, um deren Gehirnströme während der bis zu zehn Tage langen Flüge zu messen.

Vögel halten im Schlaf ein Auge offen
Tagsüber blieben die Vögel wach und jagten nach Beute. Mit Einbruch der Nacht verfielen die Tiere bis zu sechs Minuten am Stück in einen sogenannten Slow-Wave-Schlaf. Wenn sie in kreisenden Bewegungen die aufsteigenden Luftströme nutzten, blieb meist die Gehirnhälfte wach, die mit dem in Flugrichtung blickenden Auge verbunden ist. "Die Fregattvögel halten ein Auge offen, um einen Zusammenstoß mit anderen Vögeln zu verhindern", erläuterte Rattenborg.

Es sei noch unklar, warum die Vögel so wenig im Flug schlafen - selbst in der Nacht, wenn sie nicht auf Jagd sind. "Warum wir und viele andere Tiere so dramatisch unter Schlafmangel leiden, während einige Vögel scheinbar problemlos mit viel weniger Schlaf umgehen, bleibt vorerst noch ein Mysterium."

Bindenfregattvögel bleiben einen Monat in der Luft
Erst kürzlich fanden Forscher der TU München heraus, dass Bindenfregattvögel von der Insel Europa in der Straße von Mosambik länger als einen Monat ohne Zwischenlandung in der Luft verbringen. Sie lassen sich dabei unterhalb oder sogar inmitten von Kumulus-Wolken von günstigen Winden und starken Luftströmungen in die Höhe tragen und gleiten dann kilometerweit vorwärts - quasi im Energiesparmodus.  Die Vögel können so mehr als 400 Kilometer am Tag zurücklegen. Aktiv mit den Flügeln schlagen sie meist nur, wenn sie nahe der Wasseroberfläche nach Nahrung suchen.

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