Mo, 20. November 2017

84 von 85 Stimmen

02.08.2016 21:41

Doping-Causa: Bach von IOC-Mitgliedern bestätigt

Mit überwältigender Mehrheit haben die Mitglieder des Internationalen Olympischen Komitees (IOC) den Kurs im russischen Doping-Skandal von Präsident Thomas Bach unterstützt. 84 der 85 Mitglieder segneten bei der Vollversammlung in Rio am Dienstag den Beschluss ab, Russlands Mannschaft nicht komplett von den Spielen auszuschließen. Im Dopingkampf soll indes laut IOC-Spitze eine Neuausrichtung her.

Angesichts des Versagens des Systems in Russland, wo Betrug offenbar staatlich gewollt war, unterstützte eine überwältigende Mehrheit der IOC-Mitglieder den Kurs von Bach, für Russland keinen kompletten Olympia-Bann auszusprechen. Von den 85 anwesenden Mitgliedern trug nur Athletenvertreter Adam Pengilly aus Großbritannien die Entscheidung nicht mit. Auf Grundlage des sogenannten McLaren-Reports der WADA war Staatsdoping in Russland belegt worden. Aus der WADA kam deshalb die Empfehlung, die russische Mannschaft von den Rio-Spielen auszuschließen. Erst am Montag hatte Bach der WADA vorgeworfen, im Fall Russlands zu spät reagiert zu haben.

"Brauchen Generalüberholung des Anti-Doping-Systems der WADA"
Auch deshalb will das IOC nun eine Neuausrichtung des weltweiten Kampfs gegen Doping in die Wege leiten: Mehr Geld, unabhängige Kontrollen, Schluss mit Mauscheleien zwischen Funktionären, Athleten und Anti-Doping-Agenturen, soll es geben. "Das IOC fordert ein stärkeres und effizienteres Anti-Doping-System", sagte Bach. "Wir brauchen eine Generalüberholung des Anti-Doping-Systems der WADA." Der Deutsche zeigte sich offen, das Thema Doping auf einer außerordentlichen Session, der Hauptversammlung der IOC-Mitglieder, zu beraten. "Das kann ein Moment der Reinigung im Kampf gegen Doping werden."

Der Vorschlag solch einer Versammlung kam vom kanadischen IOC-Mitglied Richard Pound, ein Ex-Chef der WADA. "Wir brauchen eine Extra-Session, bei der alles auf den Tisch kommt." Es müsse darum gehen, einen echten Dialog zu beginnen. "Wenn es aber nur um das sterile Vorlesen von Berichten geht, brauchen wir keine Session." Es sei auch nicht damit getan, einfach nur den Kurs der IOC-Spitze im Fall Russlands abzunicken. Pound hatte für die WADA als Vorsitzender einer Kommission die Vorwürfe untersucht, dass in der russischen Leichtathletik systematisches Doping existiert. Auf dieser Grundlage wurde der Verband Russlands vom Weltverband suspendiert und von den Rio-Spielen ausgeschlossen.

Russisches IOC-Mitglied: "Da ist Ungerechtigkeit passiert"
Das russische IOC-Mitglied Alexander Schukow beklagte sich bitter über den Ausschluss von 60 angeblich sauberen Athleten und kritisierte, dass sich die Politik in den Sport einmische. "Da ist Ungerechtigkeit passiert." Der Ausschluss der Leichtathleten sei unfair. Das sah offenbar auch Bach so: "Der generelle Ausschluss des Russischen Olympischen Komitees wurde von einigen die 'nukleare Option' genannt, und die unschuldigen Athleten wären dabei der Kollateralschaden gewesen", sagte Bach. Schukow sicherte zu, Russland werde sein Anti-Doping-System verlässlich machen. Der Russe begrüßte ausdrücklich das Vorgehen Bachs und der IOC-Spitze. "Ich stimme mit Präsident Bach überein, dass jeder Sportler das Recht haben muss, seine Unschuld zu beweisen.

Kritik gab es an der IOC-Entscheidung, die russische Anti-Doping-Informantin Julia Stepanowa nicht in Rio starten zu lassen. Er wünsche sich, dass die Olympische Charta manchmal auch Ausnahmen zulasse, sagte Richard Peterkin, IOC-Mitglied von St. Lucia. Pengilly ergänzte: "Die Entscheidung, Stepanowa auszuschließen, schadet dem Anti-Doping-Kampf." Stepanowa, die selbst gedopt hatte, machte die russischen Praktiken öffentlich. Das IOC fand, dass Stepanowas Doping-Vergangenheit einen Start in Rio aus ethischen Gründen nicht zulasse.

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