Sa, 18. November 2017

Zweitwohnsitze

27.07.2016 18:59

So löste Wals Probleme mit Raumordnung selbst

Ein umsichtiger Bürgermeister und sein tüchtiger Bauamtsleiter lösen die Probleme der Raumordnung selbst - und sie arbeiten damit nicht mit brutalen Drohungen: Was Jock Maislinger und Max Außerleitner in ihrem Wals-Siezenheim unternommen haben, könnte für alle Landespolitiker ein Vorbild sein.

Dezember 2015 hat er sämtliche Eigentümer von Grundstücken, die mehr als eintausend Quadratmeter groß sind, angeschrieben. Es sind vor allem Landwirte, die Flächen haben seit mehr als zehn Jahren die Widmung "Baugrund". Das Motiv dafür: Die Landesregierung hatte einen so genannten "Bauland-Überhang" in der finanziell starken und lebenswerten Gemeinde kritisiert. Über Wochen besprach Max Außerleitner (er ist übrigens in seiner Freizeit Sportdirektor der höchst erfolgreichen Ringer) mit den Besitzern der Grundstücke die Einzelheiten.Vor allem im ländlichen Kerngebiet der Gemeinde gab es überraschende Antworten: Die Hausgärten direkt neben den Hofgebäuden waren zwar Bauland, doch die Bauern wollten diese Flächen gar nicht verbauen. In einige Grundstücke kam Bewegung, etwa am Walserfeld oder in Grünau. Und auch hier zeigte sich, dass die klugen Landwirte den Spruch "Lieber Grundbuch statt Sparbuch" beherzigen: So errichtete ein Besitzer mit einer Firma 14 Wohnungen, zwei davon gehören nun seinen Kindern.

Lieber Grundbuch statt Sparbuch: Kluge Bauern
Auf einer anderen Fläche entstanden Reihenhäuser, wobei sich der Bauer zwei Objekte behielt. Über die Aktion informierte die Gemeinde auch die Referentin für Raumordnung, Dr. Astrid Rössler. Zweitwohnungen gibt es in Wals-Siezenheim an und für sich nicht: Anlage-Objekte werden von den Besitzern verlässlichen Dauermietern überantwortet. Maislinger ist stolz: 3,5 Hektar Bauland werden nicht benötigt und könnten rückgewidmet werden. Ein ungutes Gefühl bei zahlreichen Notaren und Rechtsanwälten hinterließen die ersten bekannt gewordenen Pläne zur Raumordnung, in der von Verboten ("kein Bett in der Wohnung"), Beschlagnahmungen und Zwangsversteigerungen die Rede ist. Besonders das Verbot des Vererbens an die Kinder erregt Unwillen: Ein bekannter Anwalt nannte es einen "Eingriff in die Familiengeschichte" und er wunderte sich, dass "die Eigentums-Partei ÖVP so etwas unterstützt."

Nutzungserklärung: Wird absichtlich betrogen?
Nebenstehend bringt die "Krone" die uns von einer Rechtsanwaltskanzlei in Salzburg übermittelte "Nutzungserklärung." Dieses Schriftstück muss vor dem Kauf unterzeichnet werden. Hier ist bereits die "gerichtliche Zwangsversteigerung" angedroht, bisher kam es nicht zu so einem Fall. Ein Bürgermeister aus dem Lungau berichtet jedoch der "Krone", dass er schon seit einiger Zeit mit vier Besitzern von Zweitwohnungen eine heftige Auseinandersetzung führe. Auf Grund von Meldedaten sei es für ihn klar, dass es sich um missbräuchliche Zweitwohnsitze handle.

Bad Gastein lockte viele Zweitwohner an
Vor allem nach 1970 lockte die Gemeinde Bad Gastein Zweitwohner an, um den Fremdenverkehr zu beleben. An den Hängen des Graukogels (siehe Beitrag auf unserer heutigen Leserbrief-Seite) entstanden meist mehrstöckige Betongebäude, welche heute das Landschaftsbild stören. Hier sind jedoch der Verkauf und Erwerb von Zweitwohnungen erlaubt. Überraschende Kontrollen vor allem zur Festspiel-Zeit ("Zeigen Sie uns das Schlafzimmer und öffnen Sie den Kühlschrank") vom Einwohner-Amt des Stadt-Magistrats gab es in einer Prominenten-Wohnanlage an der Imbergstraße, wo sich früher das Diakonissen-Spital befand.

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