Fr, 24. November 2017

17 Festnahmen

26.07.2016 10:33

Schlepper tarnten Illegale als „Fleisch-Lieferung“

Einen internationalen Schlepperring hob die Salzburger Polizei jetzt in Zusammenarbeit mit deutschen und polnischen Kollegen aus. Elf Monate wurde observiert, ermittelt und geprüft. Vor wenigen Tagen konnte dann ein ganzer Schlepperkonvoi gestoppt werden. Der Kopf der Bande ist ein zuletzt in Ungarn lebender Syrer.

Die Anhaltung eines polnischen Lenkers, der 17 Illegale in einem Fahrzeug hatte, war Anfang September 2015 der Anstoß für die Ermittlungen. Zwei weitere Lenker konnten damals flüchten. Durch Radarfotos fand man heraus, dass es ursprünglich vier Lenker gewesen sein müssen, die mit Flüchtlingen Richtung Deutschland unterwegs waren. Die drei Fahrer konnten im Mai ebenso festgenommen werden wie ein 39-jähriger Pole. Er war das Bindeglied zwischen den Fahrern und den Auftraggebern aus Tschetschenien. Die Flüchtlinge aus Syrien, dem Irak, dem Iran und Afghanistan kamen über die Balkanroute (von der Türkei aus über Bulgarien und Serbien nach Ungarn) nach Europa. Von Budapest aus ging es dann mit den Schleppern nach Deutschland und Frankreich.

Kinder als "kleinere Paletten" bezeichnet
Für ihre "Ware" hatten die Schlepper spezielle Bezeichnungen: So waren mit "große Paletten" Erwachsene und mit "kleinere Paletten" Kinder gemeint. Als Synonym für den Transport von Menschen wurde von "Fleisch-Lieferungen" gesprochen. Im Zuge der Ermittlungen stießen die Beamten auf einen 44-jährigen Syrer, der in der Hierarchie der Schlepperbande weit oben stand. Er agierte von einem Hotel in Budapest aus.

Die Schlepper fuhren zu fünft im Konvoi
Zuletzt schlugen die Ermittler am 7. Juli zu. Damals war ein Konvoi mit fünf Schlepperautos in Budapest gestartet. Ein Wagen wurde in Kittsee, zwei weitere in Niederösterreich, zwei Fahrzeuge in Salzburg und eines in Bayern gestoppt. Zwanzig illegale Migranten wurden dabei aufgegriffen. Zudem konnten die fünf Schlepper - drei Tschetschenen und zwei Deutsche - gefasst werden. Eine Razzia mit zwölf Hausdurchsuchungen folgte am 21. Juli. Auf den Kopf gestellt wurden Häuser in Wien, Poysdorf (NÖ) und Wels. Dabei wurden unzählige Handys, eine erhebliche Summe Bargeld und mehrere Schusswaffen sichergestellt. Mehr als 100 Beamte waren dabei im Einsatz. Auch in Budapest gab es eine Durchsuchung sowie eine Festnahme. Konkret hat der Ring 200 Personen geschleppt. Das ist aber nur die Spitze des Eisbergs, die Polizei rechnet inoffiziell mit bis zu 1.000 Geschleppten. So wurden etwa allein bei einer Aktion Anfang Juli in Freilassing insgesamt 44 geschleppte Personen aufgegriffen.

Für eine Schleppung von Ungarn nach Wien zahlt man derzeit 300 Euro pro Person. Wer nach Deutschland will, muss mehr Ersparnisse locker machen: Das kostet 700 bis 800 Euro. Für eine Fahrt von Wien nach Frankreich fallen pro Person 2.400 Euro an. Auffällig ist, dass viele der Schlepper aus dem Kriegsland Tschetschenien kommen und in Österreich leben. Sie haben ein neues lukratives Geschäftsfeld eröffnet.

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