Mo, 18. Dezember 2017

In Behindertenheim

26.07.2016 07:39

Blutiger Amoklauf in Japan: Mindestens 19 Tote

In einem japanischen Heim für Menschen mit geistiger Behinderung hat ein mit mehreren Messern bewaffneter Ex-Mitarbeiter in der Nacht auf Dienstag 19 Menschen getötet. 25 weitere Menschen wurden verletzt, wie die Rettungskräfte mitteilten. Laut Medien hatte der 26-Jährige bereits im Februar mit der Ermordung von 470 Menschen mit Behinderung gedroht. Er war in ein Spital gekommen, wurde aber als ungefährlich entlassen.

Satoshi Uematsu sei um 2.10 Uhr durch ein eingeschlagenes Fenster in das Behindertenheim in Sagamihara westlich von Tokio eingedrungen, sagte ein Sprecher der Provinz Kanagawa. Nach Informationen des Rundfunksenders NHK fesselte er einen Pfleger, dann begann er, auf seine Opfer einzustechen. Der Täter soll jeweils auf den Nacken gezielt haben. Bei den Getöteten handelt es sich um neun Männer und zehn Frauen zwischen 18 und 70 Jahren. 20 der 25 Verletzten erlitten schwerste Stichwunden.

Motiv offenbar "Hass auf Behinderte"
Die Polizei erhielt nach eigenen Angaben um 2.30 Uhr einen Notruf. Der Täter stellte sich eine Viertelstunde danach mit den Worten: "Ich habe es getan." Als Motiv gab er Hass auf Behinderte an. In einem ersten Verhör habe der 26-Jährige gesagt: "Die Behinderten sollen alle verschwinden", berichtete die Zeitung "Asahi Shimbun" unter Berufung auf einen Polizeisprecher. Nach der Tat seien bei Ueamatsu "Küchenmesser und andere blutbefleckte Stichwaffen" gefunden worden, sagte der Sprecher der Präfektur.

Der Mann hatte laut Medien im Februar bei der Residenz des japanischen Parlamentspräsidenten einen Brief übergeben, in dem er die Möglichkeit der Euthanasie für Schwerstbehinderte forderte. Zudem erklärte er darin, er könne "für Japan" 470 Behinderte töten, wie Medien unter Berufung auf Einsatzkräfte berichteten. Er habe sein Vorhaben als "Revolution" bezeichnet, die "die Wirtschaft beleben" und "den Dritten Weltkrieg verhindern" werde.

Täter war in psychiatrischer Behandlung
Tage später habe er gegenüber Mitarbeitern des Heims gesagt, er werde Behinderte töten, woraufhin die Polizei verständigt worden sei. Der Mann sei von den Behörden dann in eine psychiatrische Klinik eingewiesen worden. Dort sei bei ihm auch Marihuana im Blut festgestellt worden. Knapp zwei Wochen später sei der 26-Jährige jedoch bereits wieder entlassen worden, nachdem Ärzte zu dem Schluss gekommen seien, dass er keine Gefahr für andere darstelle.

Eine der schlimmsten Gewalttaten in Japan
Bei der Messerattacke handelt es sich um eine der schlimmsten Gewalttaten in der japanischen Nachkriegsgeschichte. Zwar ist Waffengewalt in Japan generell selten - das Land hat strenge Waffengesetze und eine der niedrigsten Kriminalitätsraten unter den Industriestaaten -, dennoch hatten Bluttaten immer wieder weltweit Aufsehen erregt: 2008 steuerte ein 28-Jähriger einen Lkw in eine Menschenmenge in Tokio, griff dann mit einer Stichwaffe Passanten an und tötete insgesamt sieben Menschen. 2001 wurden acht Kinder bei einer Messerattacke in einer Volksschule getötet. 1995 setzten Mitglieder der Aum-Sekte das Giftgas Sarin in der U-Bahn von Tokio frei, 13 Menschen kamen ums Leben, 6300 erlitten zum Teil irreversible Verletzungen.

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