Do, 23. November 2017

Genuss-Hotspot

25.07.2016 08:29

Graubünden: Die Töpfe der Riesen

Gletschermühlen, eine einzigartige Bahnstrecke und die urige Kulinarik samt glücklichen Kühen machen Graubünden zum Genuss-Hotspot der Schweiz.

Gletschermühlen mahlen langsam. Sie brauchen dafür Jahrtausende und das Ende einer Eiszeit. Vor etwa 11.000 Jahren geriet im Schweizer Val Poschiavo der Palügletscher in Bewegung. Stetig floss er, Gesteinsmassen mit sich reißend, aus 3000 Meter Höhe in Richtung Italien. Er formte nicht nur eine neue Landschaft, unter seiner Oberfläche wurden bei hohem Rotationsdruck - einem riesigen Waschbecken-Abfluss gleich - zahlreiche kegelförmige Löcher in den Stein gefräst. Auf deren Boden blieb dann ein rund geschliffener Felsball liegen. Wie praktisch für die Bergriesen, die in diesen Töpfen Steinsuppen oder Tannenzapfen-Auflauf mit allerlei Zauberkräutern zubereiteten. Zumindest, wenn es nach dem reichen Märchenschatz der Puschlaver Einheimischen geht. Im Gletschergarten von Cavaglia (www.ghiacciai.info) kann man ihm mit ein wenig Glück noch begegnen, dem friedlichen Riesen Grummo.

Cavaglia heißt auch die Bergstation der Rhätischen Bahn, die den Kanton Graubünden durchzieht. Wie in einer gigantischen Modellbahn-Landschaft schlängelt sich der Bernina-Express, UNESCO-Welterbe, auf 122 Kilometern durch 55 Tunnels und über 196 Brücken von Chur über Davos nach Tirano bis auf 2253 Meter ("Ospizio Bernina") hinauf. Nicht nur für Eisenbahnromantiker ein unvergessliches Erlebnis!

Die Panoramascheiben in den modernen Waggons ermöglichen einen Rundumblick, einem 360-Grad-Kinoerlebnis gleich, aber echt! Gletscherblaue Seen, schneebedeckte Bergspitzen, Moorlandschaften, grasende Kühe und Schafe, idyllische Steinhäuser, saftige Almwiesen mit seltenen Kräutern und Pflanzen. Fehlt nur noch der "Schellen Ursli", jener lustige Bergbauernbub aus dem Engadin, der mit einer großen Kuhglocke den Winter austreibt und hier seit Generationen jedes Kind als Gute-Nacht-Geschichte in den Schlaf begleitet.

Beeindruckend auch das Wiesner Viadukt, eine unglaubliche Bauleistung aus 1909, von Davos ins Engadin mit 204 Meter Länge. Auf der Bergstrecke Bergün-Preda, die 416 Meter Höhenunterschied aufweist, musste man sich einiger Tricks bedienen, um die Steigung zu bewältigen: Ein Kehrtunnel, Viadukte, Brücken und Schutzgallerien machen die Fahrt auch für Fotojäger attraktiv. In manchen Kurven kann der Fahrgast die Lok und das Ende des Zuges gleichzeitig sehen.

Panoramablick auf den Piz Palü
Das beste Panorama gibt’s in Alp Grüm. Hier befinden sich nicht nur ein Spitzenrestaurant (im doppelten Wortsinn: super Küche am Aussichtsfelsen) und urige, aber perfekt ausgestattete Zimmer im Berghotel, sondern auch die Bahnstation. Und das alles unter einem Dach. Als naiver Hotelgast suche ich am Holzanhänger des Zimmerschlüssels nach dessen Nummer. "Dei Zimmer is desch ,Piz Palü‘", grinst der Hüttenwirt. Tatsächlich haben die Räume hier Bergnamen und verdienen sie auch. Mein Zimmerfenster stellt sich dar wie ein lebendes Gemälde: Palügletscher, Palüsee, Wasserfall. Berauschende Fernsicht.

Ein Muss in der rätoromanischen Küche: Käsefondue mit dem original Puschaver Ringbrot mit Anis, Capuns (Spätzli) und Pizzoccheri (Buchweizennudeln), Engadiner Nusstorte und zum Abschluss ein "Röteli" (Kirschlikör).

Bündnerfleich mit "Lebenslauf"
Womit wir beim nächsten Halt wären: Kein Teller führt am berühmten Bündnerfleisch vorbei. Gepökelt, getrocknet und in dünnen Scheiben angerichtet. Eine dem Zeitgeist gegen Ressourcenverschwendung gerichtete Variante produziert von Adrian Hirt (www.alpenhirt.ch). Der 32-jährige Lebensmittelingenieur aus Tschiertschen erlernte das Handwerk vom Großvater, seinem "Neni", und verwendet ausschließlich Fleisch von Alpenkühen, die nicht nur mit einem Namen, sondern auch einem Lebenslauf punkten (#KuhTransparenz). So wurden uns im Restaurant des Romantik-Hotels Stern in der idyllischen Altstadt von Chur durch "Cortina" und "Ladina", welche wahrscheinlich die glücklichsten Rindviecher waren, von denen ich je gehört habe, ein außergewöhnliches Geschmackserlebnis zuteil. In Chur lässt man sich zum Kirschlikör auch gerne "Bündner Pfirsichsteine" reichen, aus Marzipan gefertigtes Konfekt, das die täuschend echte Form eines Pfirsichkerns aufweist.

"As liebs Grüäzi" heißt es auf dem Madrisa-Hof auf knapp 1900 Meter Höhe, den man mit der Gondelbahn von Klosters Dorf aus erreicht. Auch hier wird nachhaltig gedacht: Es kommen nur Zutaten aus der Region in den Topf. Zudem werden hier Menschen mit speziellen Bedürfnissen beschäftigt. Im Sommer Wandergebiet, ist die Gegend im Winter für alpine Sportarten ideal. Nicht umsonst nennt man die Madrisa den "Genuss-Berg". Derzeit noch in Bau, entsteht hier für Kinder und Familien eine Erlebniswelt mit zahlreichen Attraktionen wie Sagen- und Tierpark.

INFO
Allgemeine Auskünfte: www.myswitzerland.com
Schweiz Tourismus: 00800 100 200 30
Anreise: www.oebb.at Sparschiene ab 19 € in die Schweiz, Schlaf- und Liegewagen ab 59 € bis 79 €
Swiss Travel Pass System: All-in-one-Ticket für Bus, Bahn und Schiff, 490 Museen, Bergbahnen Panoramastrecken ab 210 CHF, Kinder unter 6 Jahren gratis, Ermäßigung für unter 26.
Rhätische Bahn (Bernina-Express): www.rhb.chSehenswert: Davos/Klosters: www.davos.ch, Alp Grüm: www.dapriomo.com, Chur: www.churtourismus.ch Valposciavo: www.valposchiavo.ch/de/

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