Fr, 15. Dezember 2017

Anschlag in Bayern

25.07.2016 14:07

Syrer sprengt sich bei Musikfestival in die Luft

Ein 27-jähriger Syrer hat am späten Sonntagabend bei einem Musikfestival im Zentrum der bayrischen Stadt Ansbach einen Sprengsatz gezündet und sich dabei selbst in die Luft gejagt. Laut neuesten Meldungen wurden 15 Menschen verletzt, vier von ihnen schwer. Wie Bayerns Innenminister Joachim Herrmann bei einer Pressekonferenz in der Nacht sagte, sei der Mann vor zwei Jahren nach Deutschland gekommen und habe Asyl beantragt. Die Ermittlungen nach dem Blutbad laufen auf Hochtouren, ein "islamistischer Selbstmordanschlag" sei naheliegend.

Die Explosion hatte sich laut Polizei gegen 22 Uhr auf der Straße vor einer Gaststätte in der Ansbacher Innenstadt im Eingangsbereich des Musikfestivals "Ansbach Open" ereignet. Das Stadtzentrum wurde weiträumig abgeriegelt (siehe Video oben). Das Gelände des Festivals wurde evakuiert, nachdem das Open-Air-Konzert sofort abgebrochen worden war. Rund 2500 Besucher wurden in Sicherheit gebracht.

Täter am Eingang zum Gelände abgewiesen
Der Täter war am Eingang abgewiesen worden, weil er keine Eintrittskarte hatte. Daraufhin zündete er den Sprengsatz. Herrmann sagte, der Inhalt des Rucksacks, den der Mann bei sich trug, sei geeignet gewesen, noch mehr Menschen zu töten. Der Nürnberger Polizeivizepräsident Roman Fertinger sagte: "Wenn der Täter mit dem Rucksack in die Veranstaltung gelangt wäre, hätte es bestimmt mehr Opfer gegeben." Polizeiangaben zufolge waren weit verstreut Metallteile aufgefunden worden. Bei islamistischen Anschlägen im Nahen Osten werden häufig Metallteile oder Nägel zur Verstärkung der Wirkung eines Sprengsatzes benutzt.

"Islamistischer Selbstmordanschlag naheliegend"
In der Früh sagte Herrmann dann der Deutschen Presse-Agentur, zwar sei noch nicht endgültig geklärt, ob der Mann in suizidaler Absicht gehandelt oder andere Menschen mit in den Tod reißen wollen hatte, aber: "Meine persönliche Einschätzung ist, dass ich es leider für sehr naheliegend halte, dass hier ein echter islamistischer Selbstmordanschlag stattgefunden hat." Auf die Frage, ob der Täter im Zusammenhang mit der Terrormiliz Islamischer Staat stehe, sagte Herrman: "Es ist dies auf jeden Fall nicht auszuschließen", konkrete Hinweise auf den IS gebe es allerdings noch nicht.

Asylantrag abgelehnt - Syrer hatte "Status der Duldung"
Herrmann zufolge sei der Asylantrag des Mannes vor einem Jahr abgelehnt worden, er habe aber den "Status der Duldung" gehabt. Hintergrund sei, dass Deutschland im Moment niemanden nach Syrien in den Bürgerkrieg abschiebe. Der Grund für die Ablehnung des Asylantrags sei ihm noch nicht bekannt, so der Minister. Der Syrer habe in einer Unterkunft in Ansbach gewohnt und sei in der Vergangenheit wegen Suizidversuchen in Behandlung sowie wegen Drogen- und Nötigungsdelikten polizeibekannt gewesen. Wegen politisch radikaler Ansichten sei er den Behörden hingegen nicht aufgefallen.

Besonders beunruhigt zeigte sich Herrmann über die Tatsache, dass die Tat von einem Asylwerber verübt wurde: "Ich bin entsetzt, dass jemand die Möglichkeit, sich in unserem Land aufzuhalten, derartig missbraucht. Wir müssen sehen, dass neben vielen Flüchtlingen mit schlimmen Schicksalen auch Leute kommen oder gekommen sind, die eine echte Gefahr für die Sicherheit der Menschen in unserem Land darstellen." Herrmann mahnte zu politischen Konsequenzen: "Wir müssen alles dafür tun, dass solche Gewalt von Menschen, die als Asylwerber in unser Land gekommen sind, nicht weiter um sich greift."

Zeuge: "Es gab einen lauten Knall, alle schauten zurück"
Die "Bild"-Zeitung zitierte einen Augenzeugen, der die Szenen am Abend in Ansbach beschrieb: "Wir waren auf dem Gelände, wo die 'Ansbach Open' waren. Die Band spielte, es gab einen lauten Knall, alle schauten zurück. Ein Mann vom Sicherheitsdienst rannte zum Eingang. Dort lagen zwei Leute auf dem Boden. Ich sah zwei Menschen, die Verletzungen an Kopf und Hals hatten. Ich habe sie beruhigt. Die Polizei hat den Platz geräumt, niemand hat geschrien, alle gingen ganz normal."

Ein Sprecher des Innenministeriums hatte schon kurz nach Mitternacht gesagt, der Tatverdächtige sei bei der Explosion ums Leben gekommen. Festnahmen habe es nicht gegeben, die Polizei suche nicht mehr nach einem Verdächtigen. Ansbachs Bürgermeisterin Carda Seidel teilte mit, die Polizei sei mit 200 Kräften, Feuerwehr und Rettungsdienste seien mit 350 Kräften an Ort und Stelle, die Verletzten würden versorgt.

Ansbach liegt in Mittelfranken rund 40 Kilometer südwestlich von Nürnberg, die Stadt hat rund 40.000 Einwohner.

Serie von blutigen Verbrechen in Deutschland
Es ist das vierte blutige Ereignis innerhalb einer Woche in Deutschland, das dritte in Bayern. Erst am späten Sonntagnachmittag hatte ein mit einem Dönermesser bewaffneter 21-jähriger Asylwerber aus Syrien in Reutlingen im Bundesland Baden-Württemberg auf offener Straße eine Frau ermordet und auf seiner Flucht fünf Menschen verletzt, bevor er festgenommen werden konnte.

Am Freitagabend war in München Panik ausgebrochen, nachdem ein junger Mann beim Olympia-Einkaufszentrum neun Menschen erschossen hatte.  Der Täter, der sich nach dem Blutbad selbst richtete, war ein 18-jähriger Deutsch-Iraner, der offenbar schon seit einem Jahr einen Amoklauf geplant hatte.

Am Montag hatte ein afghanischer Asylwerber in einem Zug in Würzburg in Bayern mehrere Fahrgäste mit einer Axt und einem Messer angegriffen, er wurde auf der Flucht von der Polizei getötet. Die Tat reklamierte die Terrormiliz Islamischer Staat für sich.

Polizeigewerkschaft für schärfere Überprüfung von Flüchtlingen
Der Vorsitzende der Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt, fordert nun eine bessere Kontrolle der nach Deutschland kommenden Flüchtlinge. "Weder ist die Identität aller Menschen geklärt, die zu uns gekommen sind, noch ihr geistiger und körperlicher Zustand", sagte Wendt am Montag im HR-Info. "Wir erleben ja in diesen Tagen, dass sich psychische Labilität, Terrorismus, Kriminalität miteinander vermischen." Um so wichtiger sei es, "dass wir die Menschen nicht nur unterbringen und verpflegen, sondern feststellen, wer da in unser Land kommt". Wendt plädierte dafür, "sich ganz genau anzuschauen, ob von diesen Menschen eine mögliche Gefahr ausgeht".

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