Fr, 24. November 2017

Tote nach Attentat

23.07.2016 09:20

„Krone“ vor Ort: „München ist in Schockstarre“

Eigentlich ist München eine pulsierende Großstadt - doch seit dem Blutbad am Freitagabend steht die 1,5-Millionen-Einwohner-Metropole quasi still. "Krone"-Redakteur Christoph Gantner, der sich derzeit in der bayrischen Landeshauptstadt befindet, hat Samstagfrüh mit krone.at über seine Eindrücke vor Ort gesprochen.

Die Bilanz des schrecklichen Blutbades: neun Tote, darunter auch Jugendliche, sowie zahlreiche teils schwer Verletzte, darunter auch Kinder. Der Täter ist ebenfalls tot: Er richtete sich nach seiner Wahnsinnstat selbst. Das Motiv und die Hintergründe der Tat sind derzeit noch völlig unklar und Gegenstand der Ermittlungen.

"Ich war überrascht, als ich hier eingetroffen bin", so Christoph Gantner, Redakteur der "OÖ-Krone", Samstagfrüh gegenüber krone.at. "Ich kenne München als pulsierende Stadt, doch nach dem Anschlag ist sie in eine Schockstarre verfallen." Die Straßen seien leer gefegt, kein Mensch sei zu sehen.

Video: Das war die Terrornacht in München

"Eingangstüren mit Stühlen verrammelt"
Allein die Anreise zum Hotel habe sich äußert schwierig gestaltet. "Wir konnten erst gar nicht in das Gebäude rein, die Lobby war völlig abgedunkelt, die Eingangstüren mit Stühlen quasi verrammelt. Wir mussten sehr lange klopfen, bis uns das völlig verängstigte Hotelpersonal endlich Einlass gewährte", so der "Krone"-Redakteur. Nach dem Anschlag hätten die Angestellten des Hotels die Anweisung erhalten, den Eingangsbereich zu verbarrikadieren und niemanden hineinzulassen, erzählt er weiter.

Rund um die blutige Tat sind noch viele Fragen offen. "Jedenfalls hat der Täter zuerst in dem Schnellrestaurant das Feuer eröffnet hat - genau gegenüber dem mit 135 Geschäften größten Einkaufszentrum der Stadt", so Gantner.

Weiters erzählt der "Krone"-Redakteur, er habe noch in der Nacht mit einem Bewohner des Einkaufszentrums - oberhalb der Mall befinden sich zahlreiche Wohnungen - gesprochen. "Ein Gastwirt erzählte mir, dass seine Frau und seine Tochter gerade die Treppen zum Shoppingtempel herunterkamen, als plötzlich Schüsse fielen. In Panik sind die beiden Frauen zurück in die Wohnung gelaufen. Sie haben sich in der Wohnung verbarrikadiert." Besonders die 17-jährige Tochter des Wirts sei völlig mitgenommen, panisch und mit den Nerven am Ende gewesen.

"Betroffenheit ist enorm"
Die Umgebung rund um das Einkaufszentrum sei ein eigenes Grätzl, so Gantner, es habe fast ländlichen Charakter hier, man kenne sich untereinander. "Die Betroffenheit unter den Grätzl-Bewohnern ist enorm. Viele kennen jemanden, der entweder unter den Verletzten, oder aber auch unter den Toten ist."

Doch habe er als Reaktion auch Ärger erlebt. "Viele München-Besucher waren in der Nacht mit dem Zusammenbruch des öffentlichen Verkehrsnetzes gänzlich überfordert", so der "Krone"-Redakteur. Taxifahrer waren nach der Schreckenstat ja dazu angehalten worden, keine Fahrgäste mehr zu transportieren, der U-Bahn- und Zugsverkehr wurde eingestellt, der Hauptbahnhof wurde evakuiert. "Viele beklagten, dass nun alles steht."

Am Samstagmorgen sei die Stadt noch in Schockstarre. "Alles muss sich erst langsam wieder einspielen. Das wird wohl noch einige Zeit dauern", so Gantner.

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