Mo, 20. November 2017

Nach heftiger Kritik

22.07.2016 09:31

Wrabetz: „Königsmord geht selten gut aus“

ORF-Chef Alexander Wrabetz weist in einem neuen Interview Kritik von Ex-ORF-Direktor Wolfgang Lorenz zurück und äußert sich auch zu seinem Gegenkandidaten Richard Grasl. Dem wirft er versuchten "Königsmord" vor, der aber "selten gut für alle Beteiligten ausgeht".

Wrabetz verwies in Bezug auf Richard Grasl gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten" auf Shakespeare: "Wir haben in Bregenz 'Hamlet' gesehen. Er zeigt, dass Königsmord selten gut für alle Beteiligten ausgeht. Man kann aber jemanden, der Ehrgeiz hat, nicht davon abhalten, sich zu bewerben."

Heftige Kritik hatte es zuletzt von Ex-ORF-Direktor Lorenz gegeben: Er hatte eine Neuaufstellung des ORF, einen Wechsel an der ORF-Spitze und mehr Mut in der Information gefordert. "Das Ganze ist Teil einer Wahlkampfinszenierung. Es ist aber ein Affront gegenüber Hunderten Kollegen, die täglich Kilimandscharo-artige Arbeit leisten", sagte Wrabetz.

Die ORF-Journalisten seien in ihrer Tätigkeit frei und ließen an Pointiertheit nichts zu wünschen übrig. "Wir haben eine objektive Berichterstattung, die auch aneckt. Das ist der richtige Weg", so der ORF-Generaldirektor.

Lorenz-Kritik stößt bei Grasl auf offene Ohren
Grasl reagierte im Interview mit den "Vorarlberger Nachrichten" ebenfalls auf die Lorenz-Kritik. "Die Stellung des ORF ist in den letzten Jahren gesunken, seine signifikante Rolle in Österreich ist reduziert. Wir müssen wieder die Themenführerschaft und auch humanitäre Verantwortung übernehmen. Wir müssen Diskurs erlauben, Meinungen aufeinanderprallen lassen und gleichzeitig den konstruktiven Journalismus stärken", ließ Grasl dabei Verständnis für den früheren Programmdirektor anklingen.

Für den Fall seiner Bestellung zum Generaldirektor kündigte Grasl gegenüber den "Vorarlberger Nachrichten" den Ausbau des Regionalprogramms im ORF-Fernsehen an. "Ich möchte wie die BBC eine kurze Sendung in den späteren Abendstunden rund um die ZiB2 einführen. Also fünf Minuten, in denen die wichtigsten wirtschaftlichen, politischen und kulturellen Ereignisse aus den jeweiligen Bundesländern zusammengefasst werden. Das wäre echt regionalisiert, nicht wie das Frühstücksfernsehen, wo ich auch im Burgenland sehe, was in Vorarlberg los ist." Das neue Frühstücksfernsehen hält der ORF-Finanzchef für verbesserbar. "Nur regionalisierte Geschichten zu senden und weltweite Ereignisse auszublenden, ist nicht optimal. Wir müssen dort sein, wo was los ist."

Außerdem denkt Grasl über einen zusätzlichen Spartenkanal neben ORF III und ORF Sport + nach. "Es soll ein reiner Österreich-Kanal werden, wo wir Informationssendungen, Dokumentationen und Filme zeigen sowie besser auf die Ressourcen der Landesstudios zurückgreifen. Auch könnten wir Programme wie das Österreich-Bild dort weiterverwerten und den Kanal anderen Marktteilnehmern - Fernsehsendern, Verlagshäusern - öffnen." Starten könnte dieser Kanal schon 2017. "Ich will nicht wie Alexander Wrabetz, dass der ORF ein Social-Media-Haus wird. Schließlich soll der ORF genau das Gegenteil sein, er soll hinterfragen, analysieren, vertiefen, einzuordnen - und sein wichtiges Asset, die regionale Berichterstattung, stärken."

Das könnte Sie auch interessieren
Kommentar schreiben

Sie haben einen themenrelevanten Kommentar? Dann schreiben Sie hier Ihr Storyposting! Sie möchten mit anderen Usern Meinungen austauschen oder länger über ein Thema oder eine Story diskutieren? Dafür steht Ihnen jederzeit unser krone.at-Forum, eines der größten Internetforen Österreichs, zur Verfügung. Sowohl im Forum als auch bei Storypostings bitten wir Sie, unsere AGB und die Netiquette einzuhalten!
Diese Kommentarfunktion wird prä-moderiert. Eingehende Beiträge werden zunächst geprüft und anschließend veröffentlicht.

Kommentar schreiben
500 Zeichen frei
Kommentare
324

User-Beiträge geben nicht notwendigerweise die Meinung des Betreibers/der Redaktion bzw. von Krone Multimedia (KMM) wieder. In diesem Sinne distanziert sich die Redaktion/der Betreiber von den Inhalten in diesem Diskussionsforum. KMM behält sich insbesondere vor, gegen geltendes Recht verstoßende, den guten Sitten oder der Netiquette widersprechende bzw. dem Ansehen von KMM zuwiderlaufende Beiträge zu löschen, diesbezüglichen Schadenersatz gegenüber dem betreffenden User geltend zu machen, die Nutzer-Daten zu Zwecken der Rechtsverfolgung zu verwenden und strafrechtlich relevante Beiträge zur Anzeige zu bringen (siehe auch AGB).

Für den Newsletter anmelden