Mi, 18. Oktober 2017

Lokalaugenschein

20.07.2016 17:00

Warum deutsche Schulen um vieles besser sind

Der Schock nach dem ersten, katastrophalen PISA-Test saß auch in Deutschland tief. Doch im Unterschied zu Österreich wurde dies bei unseren Nachbarn nicht nur bedauert und vielfach besprochen, sondern es wurde auch tatsächlich etwas dagegen unternommen. Dank zahlreicher Reformen holt Deutschland bei den internationalen Vergleichsstudien nun kontinuierlich auf. So ist etwa Hamburg zu einem Vorzeigemodell bei Ganztagsschulen, die jetzt in Österreich endlich ausgebaut werden sollen, geworden. Die "Krone" begleitete die neue Unterrichtsministerin Sonja Hammerschmid bei einer Bildungsreise in die Hansestadt.

Der Hamburger Stadtteil Dulsberg gehört nicht zu den privilegierten Gegenden der Stadt an der Elbe. 18 Prozent der Bewohner beziehen Hartz IV, der Migrantenanteil ist sehr hoch, das Viertel gilt als sozial schwach. Dennoch, oder gerade deshalb, zeigt sich an der Schule Alter Teichweg der Erfolg der Bildungsreformen. Der Standort vereint Volksschule und Neue Mittelschule, die hier Stadtteilschule heißt, und bis zur Matura führen kann.

Türen zu Klassenzimmern stets offen
Hier werden Leistungssportler ausgebildet, Sonderpädagogen kümmern sich um behinderte Kinder, die am normalen Unterricht teilnehmen, die Türen zu den Klassenzimmern sind stets offen, bis zur achten Schulstufe gibt es keine Noten. Und natürlich ist der Alte Teichweg eine Ganztagsschule, mit einer täglichen Betreuung von 6 bis 18 Uhr sowie mit Ferienbetreuung.

Regierung investiert 750 Millionen Euro
750 Millionen Euro investiert die österreichische Regierung jetzt in den Ausbau der Ganztagsschulen. Das Geld kommt von der Neuregelung der Bankenabgabe - wochenlang rangen SPÖ und ÖVP um die Verteilung der Mittel. In Hamburg sind in den vergangenen drei Jahren aus 50 nun 200 Ganztagsschulen geworden. "Mittlerweile nehmen rund 80 Prozent aller Volksschüler an den Angeboten teil", so Schulsenator (Minister der Hamburger Landesregierung) Ties Rabe. Rund ein Drittel der Schulen bietet verschränkten Unterricht, wo sich Lern- und Freizeit abwechseln. In Österreich sind das lediglich 3,5 Prozent aller Schulen.

Deutschland: Bildung ist Ländersache
In Deutschland ist die Bildung Ländersache, Hamburg gilt in vielen Bereichen als Vorreiter. So hat Ties Rabe etwa das Sitzenbleiben abgeschafft. Und der Direktor kann sich seine Lehrer selbst aussuchen, weiters ist auch die budgetäre Autonomie sehr groß. Er könne selbst entscheiden, ob er noch einen zusätzlichen Sonderpädagogen oder Erzieher brauche oder ob er auf eine Lehrerstelle verzichten könne - und dafür 57.000 Euro auf das Konto der Schule erhalte, berichtet Björn Lengwenus, Direktor der Schule Alter Teichweg.

Beides Punkte, die Unterrichtsministerin Sonja Hammerschmid (SPÖ) auch in Österreich einführen will. Und auch wenn etwa über die Mitsprache des Direktors bei der Lehrerauswahl schon lange - bisher ohne Ergebnis - diskutiert wird, zeigt sie sich zuversichtlich, die Neuerungen durch- und umzusetzen.

Eigene Klassen für Migrantenkinder
Hammerschmid bekam in Hamburg allerdings auch etwas zu hören, das so gar nicht in das SPÖ-Bildungskonzept passt: eigene Klassen für Migrantenkinder, die nicht deutsch sprechen. Diese sogenannten internationalen Vorbereitungsklassen sind für 365 Tage anberaumt und bieten intensives Deutsch-Training. Erst dann sollen die Schüler in die Regelklassen übersiedeln.

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