Do, 23. November 2017

Österreicher sicher

16.07.2016 11:06

Kurz: „Auf Istanbuls Straßen wird noch geschossen“

"Wir wissen, dass Österreicher auf den Straßen in Istanbul zwischen den Konfliktparteien eingeschlossen waren", beobachtet Österreichs Außenminister Sebastian Kurz auch bei seinem Aufenthalt im Irak ständig die Entwicklung der Lage in der Türkei. Im Telefoninterview mit der "Krone" analysiert Sebastian Kurz (ÖVP) die chaotische Situation nach der Putsch-Nacht in der Türkei und spricht über die Folgen.

"Krone": Herr Minister, wie schätzen Sie jetzt die Lage ein - sind die Österreicher in der Türkei sicher?
Sebastian Kurz: Es gibt noch einzelne Gefechte und es wird in den Straßen noch scharf geschossen. Ich rufe die Österreicher, die aktuell in der Türkei sind, auf, öffentliche Plätze und Menschenansammlungen zu meiden und in ihren Hotels oder Häusern zu bleiben, da ist man sehr sicher. Wir wissen, dass einige Österreicher am Weg zum Flughafen zwischen den Konfliktparteien eingeschlossen waren, nicht mehr weiterkonnten. Etwa 3300 Österreicher halten sich registriert in der Türkei auf, vermutlich sind es aber insgesamt 10.000.

"Krone": Denkt man im Außenministerium an eine Rückhol-Aktion?
Kurz: Das wäre jetzt verfrüht, darüber zu entscheiden. Es ist sehr gut möglich, dass sich die Lage in der Türkei in zwei, drei Tagen beruhigt, und die österreichischen Staatsbürger wie geplant heimreisen können.

"Krone": Wie sind ihre Informationen über die aktuelle politische Situation in der Türkei?
Kurz: Es sieht aktuell so aus, als würde Erdogan die Lage wieder unter Kontrolle bringen.

"Krone": Leopard-Kampfpanzer, Soldaten auf den Bosporus-Brücken, Kampfjets im Tiefflug über den Städten - was zeigt diese Dimension des Putsches?
Kurz: Die Spannungen waren in der Türkei sicher schon länger zu spüren, dass der Putschversuch dann derart organisiert ablief, überraschte jedoch. Es braucht jetzt die Rückkehr zu einer rechtsstaatlichen Ordnung.

"Krone": Wie wird sich nun Erdogan verhalten?
Kurz: Es darf nicht dazu führen, dass der Premierminister diesen Putsch als Rechtfertigung für weitere Einschränkungen nutzt. Alle Kräfte in der Türkei sind aufgerufen, besonnen zu reagieren und Menschenleben zu schützen.

"Krone": Was heißt das für Europa - und die Politik der EU?
Kurz: Wir müssen jetzt alle besonnen handeln.

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