Mo, 11. Dezember 2017

Versteckte Werbung

13.07.2016 11:06

Die YouTube-Lüge: Wie Firmen Game-Streamer kaufen

YouTube-Stars wie der millionenschwere schwedische Spiele-Streamer "PewDiePie" sind für Gamer heute oft erste Anlaufstelle, um sich über die Qualität eines Spiels zu informieren. Doch ihre scheinbare Unabhängigkeit trügt: Wie die US-Behörde Federal Trade Commission (FTC) bei einer Klage gegen Warner Bros. aufgedeckt hat, fließen Zehntausende US-Dollar von den Publishern an die YouTuber - als Bezahlung für Lobhudelei.

Die FTC ist in den USA für Kartellrecht und Konsumentenschutz zuständig und hat einem Bericht der britischen TV-Anstalt BBC zufolge Warner Bros. vorgeworfen, YouTuber - allen voran den populären Schweden "PewDiePie" - mit der Zahlung Zehntausender US-Dollar zu positiver Berichterstattung über das Game "Mittelerde: Mordors Schatten" bewogen zu haben.

Werbung nicht als Werbung gekennzeichnet
Außerdem wirft die FTC Warner Bros. und den YouTubern vor, die Videos nicht hinreichend als Reklame gekennzeichnet und Fans so bewusst in die Irre geführt zu haben. Von Warner Bros. soll sogar die Empfehlung gekommen sein, solche Hinweise nach Möglichkeit ganz unten in der Videobeschreibung zu verstecken, damit Zuseher sie erst nach einem Klick auf "Mehr anzeigen" zu sehen bekommen.

Wird so ein Video auf einer externen Website eingebunden, sieht man derlei Hinweise natürlich nicht:

Mehr als 5,5 Millionen Mal sollen die ungekennzeichneten Werbevideos von Warner Bros. aufgerufen worden sein, allein bei "PewDiePie" kamen 3,7 Millionen Aufrufe zusammen. Nach dem Prozess sind Warner Bros. solche Vorgehensweisen künftig offiziell untersagt.

Positive Berichterstattung ist auf YouTube käuflich
Diese Praxis ist unter YouTube-Stars und Bloggern offenbar gar nicht so unüblich. Das Gaming-Magazin "Gamasutra" hat bereits vor zwei Jahren aufgedeckt, dass jeder vierte YouTube-Star mit mehr als 5000 Abonnenten von den Publishern für wohlwollende Berichterstattung bezahlt wird.

In einem Interview mit der gleichen Website gibt der 1,4 Millionen Abonnenten schwere Macher des YouTube-Kanals "GAMINGwithMOLT" unverhohlen zu: "Wenn Sie wollen, dass ich Ihr Spiel teste, sollten Sie mir alles Mögliche innerhalb des Spiels geben und mir anbieten, mich zu bezahlen. Wir zeigen Ihr Spiel Zehntausenden Zusehern und man muss dazusagen, dass wir Profis sind."

Für ihn sei die Produktion von Spielevideos für YouTube zwar spaßig, aber eben auch ein Job, sagt der YouTuber.

Blogger und YouTuber machen "Influencer Marketing"
Überraschend dürfte dieses freimütige Geständnis wohl vor allem für die Abonnenten und Fans von YouTubern und Bloggern kommen, die in ihnen vermeintlich unabhängige Experten sehen. Wer sich für Marketing interessiert, weiß indes längst, dass die neuen Stars sozialer Medien ein gefundenes Fressen für die Werbebranche sind. Im Fachjargon nennt man das "Influencer Marketing".

Dabei machen sich die Marketingabteilungen großer Unternehmen die Popularität von YouTubern und Bloggern und vor allem das Vertrauen ihrer Fans zunutze, um ihre Werbebotschaften - oft gegen Bares oder andere Gegenleistungen - unters Volk zu bringen. Frei nach dem Motto: Was der "Influencer" empfielt, werden seine Fans und Follower schon für gut halten - und im Idealfall auch kaufen. Dass YouTuber meist Selbstständige sind und von unregelmäßigen Einkommen leben, macht sie dabei umso empfänglicher für solche Werbe-Deals.

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