Mi, 22. November 2017

Dubioser Aktien-Deal

13.07.2016 09:27

Hat Tesla Todes-Crash für Profit verschwiegen?

Es ist ein ungewohntes Bild: Tesla-Chef Elon Musk, normalerweise als Visionär gefeiert, erlebt einen ungemütlichen Sommer. Der Tech-Milliardär steht seit Wochen unter Druck - jetzt will er die Kritik mit einem Masterplan kontern. Doch die Zweifel wachsen: Kritiker werfen Musk Aktien-Trickserei, "Freunderlwirtschaft" und zwielichtige Führungsmethoden vor.

Einem Superstar des Silicon Valley bläst der Gegenwind ins Gesicht: Tesla-Chef Elon Musk steht nach einem tödlichen Unfall mit dem Fahrassistenten "Autopilot", einem gewagten Übernahmeplan und einem umstrittenen Aktienverkauf in der Kritik wie selten zuvor. Der schillernde Tech-Unternehmer reagiert dünnhäutig und kündigt kryptisch einen "geheimen Masterplan" an.

Nach tödlichem Unfall Aktien verkauft?
"Gerichtsverfahren könnten irgendwann entscheiden, ob Tesla und Musk relevante Fakten zurückgehalten haben, als sie im Mai Aktien verkauften", schrieb die "Fortune"-Journalistin Carol Loomis in der vergangenen Woche. Daraufhin platzte Musk der Kragen. Der Artikel sei "BS" (Abkürzung für "Bullshit"), mit dem das Magazin Kasse machen wolle, twitterte der Tesla-Chef.

Die Angelegenheit könnte aber durchaus einige Brisanz bergen. Es geht um die Frage, ob das Unternehmen seine Investoren früher über den Unfall hätte informieren müssen, bei dem bereits am 7. Mai - krone.at berichtete - ein Tesla-Fahrer ums Leben gekommen war. Das Besondere an dem Crash ist, dass der computergesteuerte Fahrassistent eingeschaltet war.

Der Fall löste eine breite Diskussion um den sogenannten "Autopiloten" aus. Experten trauen der Technik grundsätzlich zu, Menschen irgendwann weitgehend als Fahrer ersetzen zu können - noch sind die komplett selbstfahrenden Autos allerdings Testwagen.

Autopilot erschien vor Crashs als Erfolg
Tesla war im vergangenen Jahr mit seinem Fahrassistenz-System vorangeprescht. Es schien ein großer Erfolg, bis einige Unfälle bekannt wurden, allen voran der Crash mit Todesfolge. Nun ermittelt die US-Verkehrsbehörde NHTSA, die nun alle möglichen Informationen zum "Autopilot"-System anforderte. Und einem Bericht des "Wall Street Journal" zufolge geht zudem die Börsenaufsicht SEC der Frage nach, ob Anleger rechtzeitig informiert wurden.

Besonders umstritten ist vor diesem Hintergrund, dass Tesla am 18. Mai neue Aktien im Wert von 1,4 Milliarden Dollar (1,3 Milliarden Euro) verkauft hatte. Hat die Firma ihren Anleger dabei etwas verschwiegen? Tesla verteidigt sich - die Untersuchung des Unfalls habe zum Zeitpunkt der Kapitalerhöhung erst begonnen, die Log-Daten des Crash-Fahrzeugs seien noch nicht ausgewertet gewesen. Zudem habe der Aktienkurs gar nicht unter dem Unfall gelitten.

"Nicht unerhebliche Risiken eingegangen"
Das Thema bleibt jedoch kontrovers. "Tesla hat sich mit vielen Innovationen rund um autonomes Fahren weit nach vorne gewagt, ist dabei aber auch nicht unerhebliche Risiken eingegangen", sagt Experte Stefan Bratzel vom Center of Automotive Management (CAM). Mit dem Autopilot seien bei den Kunden hohe Erwartungen geschürt worden - vielleicht zu hohe.

Musk selber betonte im "Wall Street Journal", Tesla haben keine Pläne, das "Autopilot"-System abzustellen - weil es "unterm Strich" Leben rette.

Kritiker werfen Musk "Freunderlwirtschaft" vor
Auch wenn noch nicht absehbar ist, ob "Autopilot" zu einem größeren Problem wird: Für Musk kommt er zur Unzeit. Der 45-Jährige, der neben Tesla unter anderem auch noch die Weltraumfirma SpaceX führt, erlebt ohnehin schon einen stressigen Sommer. Im Mai kündigte Musk an, mit Tesla den angeschlagenen Ökostrom-Spezialisten SolarCity übernehmen zu wollen - bei dem zwei Cousins involviert sind und er selbst größter Anteilseigner ist.

Kritiker witterten "Freunderlwirtschaft". Der Großinvestor Jim Chanos bezeichnete den geplanten Deal als "schlimmstes Beispiel für schamlose Unternehmensführung". Dass Chanos von Musk nicht viel hält, war zwar bekannt, der Hedgefonds-Manager wettet auf einen Kursverfall der Tesla-Aktie. Doch auch Experten, die eigentlich wohlgesonnen sind, äußerten sich skeptisch. Musk sei zwar ein Genie, doch "seine Magie zieht nicht mehr", kommentierte Ryan McQueeney vom Analysehaus Zacks Investment Research.

Geschäfte bei Tesla liefen schon mal besser
Fest steht: Die Diskussionen um "Autopilot" und die umstrittene SolarCity-Übernahme könnte Musk gelassener sehen, wenn wenigstens die Geschäfte bei Tesla gut laufen würden. Doch im zweiten Quartal enttäuschte der Absatz - weil die Produktion erst zum Ende des Vierteljahrs hochgefahren worden sei und mehr Wagen als sonst noch auf dem Weg zu Kunden stecken, erklärte Tesla. Der Druck ist groß: Ende Juli will die Firma in Nevada eine gigantische Batteriefabrik einweihen, weitere negative Schlagzeilen kann man nicht gebrauchen.

Musk ging am Wochenende bereits in die Gegenoffensive. Er arbeite an einem "Top Secret Tesla Masterplan Part 2" und hoffe, diesen noch in dieser Woche veröffentlichen zu können, teilte Musk nebulös bei Twitter mit. Nun rätseln Anleger und Analysten, was er im Schilde führt. Ein kleiner Erfolg gelang dem von seinen Fans als Visionär gefeierten Unternehmer damit aber bereits - die Tesla-Aktie stieg zu Wochenbeginn zeitweise um über vier Prozent. Auch nachdem die detaillierte Prüfung wegen des tödlichen Unfalls bekannt wurde, schloss das Papier nur mit einem Minus von 0,06 Prozent.

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