Mo, 18. Dezember 2017

Stadthalle live

13.07.2016 00:15

Gitarrenvirtuose Santana verzauberte Wien

Nach zehnjähriger Wien-Abwesenheit beehrte der US-amerikanische Kultgitarrist Carlos Santana wieder die Stadthalle, um etwa 5.500 Fans einen Abend voller musikalische Glanzstücke und Nostalgiemomente zu bescheren. Zwischen "Maria Maria", "A Love Supreme" und "Smooth" war auch Zeit für die eine oder andere Friedensbotschaft.

2016 ist das Jahr der alten Herren. Sir Elton John, Eric Clapton, Bob Dylan - sie alle haben respektable bis großartige Alterswerke aufgelegt und bewiesen, dass es ihnen noch immer nicht an Kreativität und Motivation mangelt. In diese Riege stieß im Frühling auch die Woodstock-Gitarrenlegende Carlos Santana, der für "Santana IV" nicht nur seine Instrumentalbesetzung aus den frühen 70er-Jahren rekrutierte, sondern auch musikalisch wieder in kommerziell erfolgreiche Hitgewässer vorstieß. Nach den letzten, eher mediokren Auswürfen war beileibe nicht mehr mit einem derart fulminanten Comeback des 68-Jährigen zu rechnen, daher ist es auch wenig verwunderlich, dass die derzeit stattfindende "Luminosity Tour" als durchaus erfolgreich bewertet werden kann.

Jubel zum Comeback
Ziemlich genau zehn Jahre dauerte seine Wien-Abwesenheit, bei diversen Festivals oder lauschigen Outdoor-Veranstaltungen quer durchs Land war der sympathische Friedensbotschafter aber stets ein beliebter Gast. Das Comeback in der Bundeshauptstadt fiel durchaus euphorisch aus, die 5.500 Fans bejubelten den Hutträger von der ersten Sekunde weg und wussten zu diesem Zeitpunkt noch nicht, dass er mit seiner reaktivierten Old-School-Band ein zweistündiges Feuerwerk an Top-Hits, Neuheiten und Raritäten loslassen würde.

Mit einer mitreißenden Jam-Variante des kultigen "Soul Sacrifice" startete der Sechssaiten-Magier in sein Set, bereits beim Deon Jackson-Cover "Love Makes The World Go 'Round" zeigte sich die gesamte Besetzung auf Betriebstemperatur. Dass nur eine mittelgroße Videowall in der Wandmitte drapiert wurde, war vor allem für die hinteren Reihen von Nachteil, dafür sorgte die opulente Lichtshow für genau das farblich bunte Vergnügen, das Santana mit seinen Songs projiziert. Der kleine Mann war noch nie ein großer Redner, doch wenn es um Liebe, Frieden und das Miteinander geht, ist der spirituelle Alt-Hippie so frisch und aufgeweckt wie eh und je. "Wir wünschen uns, dass das Licht in euren Herzen den Frieden auf die Erde bringen kann, weil wir ihn brauchen", skandierte er nach "Freedom In Your Mind" in die Halle, um augenzwinkernd nachzuschießen: "Seid weise und nicht clever. Weisheit macht eure Frauen glücklich. Und wenn sie glücklich sind, ist alles wunderbar."

Familienbande
Neben Beziehungstipps und Friedensbotschaften hatte er vor allem einen ganzen Sack voll Hits im Gepäck. Das unwiderstehlich eingängige "Maria Maria", die rhythmische Tanznummer "Foo Foo", das mit herrlichen Percussion-Klängen veredelte "Samba Pa Ti" oder die ausgedehnte Version des verspielten "Jingo" sorgten für Begeisterungsstürme. Dazwischen blieb auch genug Zeit, um für ein fleißiges Crewmitglied "Happy Birthday" zu intonieren und es mit Blumen und Torte zu beschenken, oder immer wieder mit dem Publikum zu schäkern, das sich von der kultig-goldenen Gitarre des Bandchefs paralysieren ließ. Tight wie ein Uhrwerk agierte auch Santanas Ehefrau Cindy Blackman an den Drums, die nach dem Etta James-Cover "I Just Want To Make Love To You" auch etwas Zeit für ein Schlagzeugsolo bekam und sich verdienten Sonderapplaus abholte.

Über weite Strecken ließen sich gewisse Längen im bunten Konzertkompott aber nicht vermeiden. Zu starke Instrumentalausritte und Improvisationen zerstörten zwischendurch den Fluss des Gigs, doch der Woodstock-Veteran entfachte samt seiner famos aufspielenden Entourage auch in diesen Momenten eine kathartische Wirkung, die direkt auf das Publikum überging. Eine Santana-Show ist in gewisser Hinsicht auch eine Reise in längst vergessene Zeiten, wo schnelle Effekte oder reißerische Bühnenaktionen absurd anmuten.

Highlight um Highlight
Mit einer hervorragenden Melange aus "Black Magic Woman" und "Gypsy Queen" leitete er schlussendlich in den Zugabenteil, wo der Superhit "Smooth" natürlich nicht fehlen durfte. Dazwischen wurden "Paint It Black" von den Rolling Stones und "Roxanne" von Sting angespielt, eine mitreißende Performance von "Oye Como Va" war der Höhepunkt einer hervorragend durchchoreografierten und nur selten ins Langweilige abrutschenden Show. Der Meister ist wieder zurück - so stark, wie schon sehr lange nicht mehr.

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