Fr, 24. November 2017

Kühe im Transporter

18.07.2016 07:40

Tierschützer: „Zu wenig Bewusstsein für Nutztiere“

Kühe, die bei 40 Grad Hitze in einen Anhänger gesperrt und völlig dehydriert im Kärntner Althofen im Bezirk St. Veit aufgefunden wurden: Der Vorfall in Kärnten vergangene Woche zeigt laut der Tierschutzorganisation "Vier Pfoten", dass Nutztiere und ihre Bedürfnisse nach wie vor viel zu gering geschätzt werden.

"So ein Vorfall zeigt uns, dass manche Menschen leider immer noch nicht verstanden haben, dass Tiere keine gefühllosen Wesen sind", zeigt sich Indra Kley, Leiterin des Österreich-Büros von "Vier Pfoten", betroffen. Sie weist darauf hin, dass Tierquälerei strafbar ist: "Auch das scheint längst nicht allen bewusst zu sein. Mit der Strafrechtsnovelle im Frühjahr 2016 ist außerdem der Strafrahmen für Tierquälerei von ein auf zwei Jahre erhöht worden."

Die Organisation appelliert an die Verantwortlichen, Tiertransporte nur nachts durchzuführen. Die Ladedichte sollte um 20 Prozent reduziert und die Belüftung des Fahrzeugs schon während des Verladens eingeschaltet werden.

"Mindeststandards können Risiko nicht reduzieren"
In der Nutztierhaltung reichen laut den "Vier Pfoten" die gesetzlichen Mindeststandards oft nicht aus, um das Risiko solcher Hitze-Katastrophen zu reduzieren. Die Tierschutzorganisation empfiehlt daher konkrete Maßnahmen, mit denen Landwirte für Sicherheit und Wohlbefinden der Tiere sorgen können. "Schweine und Geflügel können nicht schwitzen. Sie sind auf die Gestaltung ihrer Umgebung und die Achtsamkeit ihrer Tierhalter angewiesen", sagt Kley. "Ställe und Lüftungsanlagen sind in Österreich baulich nicht für lang anhaltende Hitzeperioden ausgelegt. Deshalb ist es wichtig, mit entsprechenden Managementmaßnahmen schnell und frühzeitig zu reagieren."

Das wichtigste Kriterium ist dabei eine Lüftungsanlage auf dem neuesten technischen Stand. Tierhaltern raten die "Vier Pfoten" zu einer vermehrten Kontrolle der Belüftung im Stall. Durch eine Verdoppelung der Luftgeschwindigkeit kann die Kühlwirkung verstärkt werden. Eine verstärkte Ventilation kann in Hitzeperioden unnötiges Leid der  Tiere verhindern. Besonders wichtig ist die ausreichende Wasserversorgung der Tiere.

Schattenplätze sind ein Muss
"Weideflächen beziehungsweise Freilaufzonen müssen auf jeden Fall auch ausreichend  schattige Plätze bieten , damit Tiere nicht der prallen Sonne ausgesetzt sind", so Kley. Im Idealfall werden schon bei der Planung der Anlagen Bäume und Sträucher gepflanzt. Wenn Stallungen einer starken Sonneneinstrahlung ausgesetzt sind, sollte die natürliche Durchlüftung verstärkt werden. Helle, isolierte Dächer sind ebenfalls geeignet zur Vorbeugung.

Hohe Anzahl von Tieren auf engem Raum
Ein echtes Problem im Hinblick auf den Tierschutz sei in Massentierhaltungs-Betrieben der hohe Tierbesatz auf engem Raum. Daher sollte die Besatzdichte verringert werden. "Je dichter aneinander gedrängt Tiere gehalten werden, desto mehr leiden sie natürlich unter der Hitze", sagt Kley. Ganz wichtig ist laut den "Vier Pfoten" auch die gesetzliche Vorgabe für Landwirte, dass Nutztiere zu jeder Zeit Zugang zu frischem Wasser haben müssen. Was schon bei normalen Temperaturen eine Selbstverständlichkeit sein sollte, ist bei Hitze lebensnotwendig.

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