Mi, 18. Oktober 2017

EM in Frankreich

07.07.2016 08:14

Halbfinal-Schlager: Weltmeister fordert Gastgeber

Ersatzgeschwächter Weltmeister gegen hochmotivierte und selbstbewusste Gastgeber: Deutschland und Frankreich kämpfen am Donnerstag (21 Uhr/live im sportkrone.at-Ticker) in Marseille um den Finaleinzug bei der EM. Die Franzosen können aus dem Vollen schöpfen und gelten daher als leichter Favorit, auch da sie in den jüngsten 17 Heimspielen bei einer EM oder WM ungeschlagen sind.

Während die Deutschen schon im Viertelfinale Italien aus dem Weg räumen mussten, wartet auf die "Equipe tricolore" nun das erste "große Kaliber", laut "L'Equipe" der "Everest". Irland (2:1/Achtelfinale) und Island (5:2/Viertelfinale) können sicher nicht als Maßstab herangezogen werden. "Sie sind das beste Team auf der ganzen Welt, haben technische Qualität vom Tormann bis zu den Angreifern", lobte Frankreich-Teamchef Didier Deschamps den Gegner.

Die Stärke der Deutschen bekamen die Franzosen bei einer EM noch nie zu spüren, bei der WM dafür gleich dreimal. 1982 und 1986 war im Halbfinale Endstation, 2014 schon im Viertelfinale. Der EM-Ausrichter wird daher alles daran setzen, den K.o-Fluch zu beenden. "Wir werden alles geben, um das Spiel erfolgreich zu bestreiten. Je mehr wir sie zum Verteidigen zwingen, umso besser", sagte Deschamps.

Die Vorzeichen dafür stehen gut. Mit den Turnier-Toptorschützen Antoine Griezmann (4), Olivier Giroud, der an leichten Knieproblemen laborieren soll, und Dimitri Payet (je 3) hat sich im Turnierverlauf ein starkes Offensiv-Trio gebildet, auf dessen Konto zehn der bisher elf französischen Treffer gehen. "Halbfinale in unserem Land in einem kochend heißen Stade Velodrome. Wir glauben daran", meinte der 25-jährige Griezmann. Wie man gegen Manuel Neuer ein Tor erzielt, weiß er genau, hatte er doch im Champions-League-Halbfinale für Atletico Madrid gegen die Bayern getroffen.

Löw muss zaubern
Die Franzosen haben durch die Rückkehr der Gesperrten Adil Rami und N'Golo Kante positive Personaldiskussionen. Die Deutschen sind demgegenüber durch die Ausfälle von Mats Hummels, Sami Khedira und Mario Gomez in Abwehr, Mittelfeld und Angriff zu Umstellungen gezwungen.

"Die Qualität müssen wir auffangen mit dem restlichen Kader. Ich glaube, dass wir das gut können, jetzt müssen andere ihren Mann stehen", blickte Abwehrspieler Benedikt Höwedes optimistisch voraus. Auch DFB-Teammanager Oliver Bierhoff war guter Dinge: "Die Mannschaft hat sich im Laufe des Turniers gesteigert, ist zusammengewachsen. Deshalb bin ich überzeugt, dass wir die Ausfälle auch kompensieren können."

Im Gegensatz zum Elfmeterkrimi gegen die Italiener dürfte DFB-Teamchef Joachim Löw im Kampf um den siebenten EM-Finaleinzug auf eine Viererkette setzen. "Frankreich ist anders als Italien. Sie tauschen ständig die Positionen, sind schwerer auszurechnen", weiß der 56-Jährige. Bezüglich des Systems hielt er sich aber bedeckt.

Turniergastgeber scheinen seiner Elf zu liegen. Die Deutschen konnten ihre jüngsten neun Duelle (vier davon im EM-Halbfinale) mit den Veranstalterländern gewinnen, zwei davon im Elfmeterschießen. Besonders in Erinnerung ist der 7:1-Kantersieg gegen Brasilien im Halbfinale der WM 2014. "Das wird ein ganz anderer Widerstand", rechnete Bierhoff gegen Frankreich nicht mit einer ähnlich leichten Aufgabe.

Franzosen "leichter" Favorit
Die Franzosen seien auch aufgrund der größeren Frische und der großen Fan-Unterstützung "leichter" Favorit. "Wir wissen um die hohe individuelle Klasse der Franzosen. Dem müssen wir Ordnung und Entschlossenheit entgegenstellen", unterstrich Bierhoff. Das weiß auch Offensivspieler Thomas Müller. "Wir haben Respekt, aber ich bin optimistisch, dass wir Lösungen finden", sagte der nach zehn EM-Spielen noch immer torlose Bayern-Kicker.

Garant für den Erfolg im bisherigen Turnierverlauf war eine bärenstarke Defensive. Nur Leonardo Bonucci gelang es bisher, Neuer zu überwinden, und das vom Elfmeterpunkt zum 1:1 im Viertelfinale. "Es ist normal, dass die französische Mannschaft selbstbewusst ist, gerade die Offensive. Das heißt aber nicht, dass wir Angst haben. Wir wissen, dass wir ein sehr gutes Turnier gespielt haben gerade in der Defensive", sagte Neuer.

Die Franzosen haben im Stade Velodrome bei der EM bereits Albanien (2:0) besiegt. Aber nicht nur deshalb scheint es ein guter Boden zu sein. Auch bei der Heim-EM 1984 zogen sie dort - mit einem 3:2 gegen Portugal - ins Finale ein. Es folgte der Titelgewinn. Löw hat andere Erinnerungen an den Spielort. Im August 2003 scheiterte er als Trainer der Wiener Austria mit einem 0:0 nach einem Heim-0:1 in der dritten Champions-League-Qualifikations-Runde an Olympique Marseille.

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