Do, 23. November 2017

„Gewissen der Welt“

03.07.2016 08:34

Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot

Der Holocaust-Überlebende und Friedensnobelpreisträger Elie Wiesel ist tot. Er sei im Alter von 87 Jahren in den USA gestorben, berichteten israelische Medien und die Holocaust-Gedenkstätte Yad Vashem am Samstagabend. Der 1928 in Rumänien in Sighet im vorwiegend von Ungarn bewohnten Teil Siebenbürgens geborene Wiesel hatte das Grauen der Konzentrationslager Auschwitz und Buchenwald überlebt. US-Präsident Barack Obama würdigte Wiesel als das "Gewissen der Welt".

Der in New York lebende Schriftsteller und Friedensnobelpreisträger engagierte sich für das Wachhalten der Erinnerung an die Opfer des Holocaust. Er schrieb zahlreiche Bücher, darunter ein Werk mit dem Titel "Die Nacht", in dem er sein Erlebnisse als Gefangener im KZ Auschwitz beschrieb. Wiesel engagierte sich aber auch gegen Gewalt und Intoleranz in der ganzen Welt, etwa im sudanesischen Darfur.

1986 mit Friedensnobelpreis ausgezeichnet
Der Publizist und Hochschullehrer bekam 1986 den Friedensnobelpreis verliehen. Als prominentester Sprecher der amerikanischen Juden warnte er immer wieder vor den Gefahren des Rassismus, Antisemitismus und Neonazismus - und beschränkte sich dabei keineswegs auf Nordamerika. US-Präsident Ronald Reagan kritisierte er 1985 wegen dessen Besuch auf dem Friedhof in der deutschen Stadt Bitburg scharf, weil dort auch zahlreiche SS-Angehörige beerdigt waren.

Kritiker Waldheims und der schwarz-blauen Koalition
1986 kämpfte Wiesel vehement gegen den Kandidaten für das österreichische Bundespräsidentenamt, Kurt Waldheim, wegen dessen Vergangenheit als Wehrmachtsoffizier. Im Jahr 2000 sagte Wiesel über den damaligen FPÖ-Chef Jörg Haider anlässlich der Bildung der schwarz-blauen Koalition: "Man kann nicht schweigen zu der politischen Aktivität eines Mannes, der Hitler verherrlicht hat und dessen Partei in der Regierung vertreten sein wird. Ich bin sehr froh, dass die Europäische Union Druck ausübt. Falls die Österreicher jetzt wütend sind, dann sollen sie über sich selbst schimpfen, dass sie Haider gewählt haben."

Netanyahu: "Isarel und jüdisches Volk trauern zutiefst um Wiesel"
Israels Ministerpräsident Benjamin Netanyahu reagierte bestürzt auf den Tod Wiesels. "Der Staat Israel und das jüdische Volk trauern zutiefst um Elie Wiesel", sagte Netanyahu am Samstag. "Der Wortkünstler Elie hat mit seiner außergewöhnlichen Persönlichkeit und seinen faszinierenden Büchern den Sieg des menschlichen Geistes über die Grausamkeit und das Böse verkörpert."

Das Internationale Auschwitz-Komitee würdigte Wiesel als "Lehrer der Menschheit". "Elie Wiesel war kein Weg zu weit und kein Anlass zu gering, Menschen über die Schrecken und Verbrechen von Auschwitz zu informieren", sagte Christoph Heubner, der Vizeexekutivpräsident der Überlebendenorganisation, am Samstag.

Obama: "Wiesel war ein lebendes Denkmal"
US-Präsident Obama bezeichnete Wiesel als "eine der großen moralischen Stimmen unserer Zeit" und als "Gewissen der Welt". Wiesel sei nicht nur einer der prominentesten Holocaust-Überlebenden gewesen, hieß es in einer ungewöhnlich ausführlichen Erklärung des Präsidenten. Wiesel sei ein "lebendes Denkmal" gewesen.

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